Naomi Watts bezaubert selbst Giganten: Die TV-Spielfilmtipps zum Wochenende
Gleich zwei zu Unrecht Beschuldigte kämpfen im Wochenendprogramm um ihre Ehre: Götz George in „Besondere Schwere der Schuld“ und Wesley Snipes in „Auf der Jagd“.
Aber auch Freunde des computergenerierten monumentalen Tierfilms kommen mit „King Kong“ und den „Phantastischen Tierwesen“ auf ihre Kosten.
Zwei Ausreißer aus dem Mainstream sind auch dabei: Charlotte Wells’ schön trauriges Familiendrama „Aftersun“ mit Paul Mescal und Paul Verhoevens camper Neo-Nunsploitation-Reißer „Benedetta“.
Besondere Schwere der Schuld, Samstag, 20.6., WDR, 20:15 Uhr

© ZDF/ARD Degeto/Thomas Kost
Joseph Komalschek (Götz George) saß für den brutalen Mord an seiner Nachbarin und ihres neugeborenen Kindes 30 Jahre im Gefängnis wegen der besonderen Schwere der Schuld. Unschuldig.
Jetzt kommt er raus, rund um die Uhr wird er von der Polizei bewacht. Die drei Polizisten, die Komalschek hinter Gitter gebracht hatten, Fritz Reet (Hans-Martin Stier), Heinz Braun (Thomas Thieme), Klaus Barner (Manfred Zapatka) werden nervös …
Sascha Arangos Drehbuch fesselt sofort. Ein phobischer Krimi. Kaspar Heidelbach als ein versierter „Tatort“-Regisseur kalkuliert genau, wie viel ein Bild verraten darf. Zusammen mit Kameramann Daniel Koppelkamm setzt er ein Spiel mit Katz und Maus in Gang.
Götz George spielt den „Berufsverbrecher“ mit enormer Präzision, mit der Klarheit eines Menschen, der will, dass alle, auch er selbst, die Wahrheit erkennen. (Joachim Huber)
King Kong, Samstag, 20.6., Sat.1, 22:25 Uhr
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Wie sich die Zeiten doch geändert haben! In der legendären TV-Serie „Auf der Flucht“ (1963-67) war der unschuldig des Mordes verdächtigte Protagonist noch ein Durchschnittsbürger. In der Kinoversion von 1993 verlieh Harrison Ford dem Part schon heroischere Züge. Nicht heroische, sondern übermenschliche Züge trägt der Held der Fortsetzung.
Mark Roberts (Wesley Snipes) ist zwar auf den ersten Blick ein braver kleiner Mechaniker, der einer Anklage wegen Doppelmordes völlig hilflos gegenübersteht. Doch bald stellt sich heraus, dass er für den Geheimdienst arbeitet und aus strategischen Gründen geopfert werden sollte.
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Um seine technische Ausrüstung könnte ihn James Bond beneiden. Mark Roberts weiß alles und sieht alles. Die Polizei, die ihn quer durch die USA verfolgt, ist ihm hoffnungslos unterlegen. Ein wenig leidet die Spannung darunter, dass der Zuschauer sich folglich um Mark Roberts keine Sorgen zu machen braucht.
Das scheint allerdings Absicht und kein Unvermögen zu sein, denn im Mittelpunkt steht nicht mehr der unschuldig Verdächtigte, sondern sein Jäger, U. S. Marshal Sam Gerard. Tommy Lee Jones, der für dieselbe Rolle in „Auf der Flucht“ einen Oscar erhalten hatte.
Die überraschendste Qualität des Films ist die Gestaltung einer im Prinzip undankbaren Rolle: Irene Jacob verkörpert die Freundin des Gejagten und hat eigentlich nicht viel zu tun. Doch Jacobs Spiel ist intelligent, witzig und verführerisch; man kann ihr zu diesem Ausflug nach Hollywood nur gratulieren. (Frank Noack)
Aftersun, Samstag, 20.6., 3sat, 23:35 Uhr
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Der zweite Teil des Harry-Potter-Spin-Offs spielt in Paris, von wo aus Bösewicht Grindelwald (Johnny Depp) die friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Magiern aufkündigen will. Mit wasserstoffblondem Haar, bleichem Teint und heller Iris sieht Depps Schurke aus wie eine arische Albtraumfigur, so wie sie heute wieder in Mode kommt.
Dem stellt sich erneut als Antiheld Newt Scamander (Eddie Redmayne) entgegen. Der Magizoologe hat eine tiefe Kenntnis und Wertschätzung gegenüber der Diversität des phantastischen Tierreichs, was auch seine Haltung gegenüber Menschen und Magiern bestimmt.
Mit viel Detailfreude verwandelt Regisseur David Yates das digitale Paris der 20er Jahre in einen magischen Ort. Aber auch das geliebte Hogwarts wird als Location wiederentdeckt, wo Kindheits- und Jugenderinnerungen den Schlüssel für ein komplexes Handlungsgeflecht bieten. (Martin Schwickert)
„Dein Körper ist dein größter Feind“, sagt eine Nonne zur achtjährigen Benedetta, als sie in das Theatinerkloster von Pescia aufgenommen wird. Das kratzende Gewand, das sie von nun an tragen muss, veranschaulicht ihr die katholische Körperfeindlichkeit hautnah. Die Lust und das Leiden des erwachsenen Körpers von Benedetta bildenden Fokus von Paul Verhoevens gleichnamigem Film, der von wahren Ereignissen inspiriert ist, allerdings keinesfalls als faktentreues Historiendrama missverstanden werden sollte.
Es handelt sich vielmehr um Verhoevens Beitrag zum Nunsploitation-Genre, einer vor allem in den Siebzigern populären Form des Erotik- und Exploitation-Films. So hat der 87-jährige Holländer („Basic Instinct“, „Elle“) viel Freude daran, Benedetta beim Sex mit einer Novizin zu zeigen, nackte Brüste ins Bild zu setzen und trashige Visionen mit einem Hipster-Jesus zu inszenieren.
Das wirkt oft lustig, aber auch etwas gewollt. Ob sich „Benedetta“ trotzdem zum Camp-Klassiker wie zuvor Verhoevens „Showgirls“ entwickeln wird? (Nadine Lange)