„Weder noch“ als Lebensgefühl: Else Buschheuers autofiktionaler Roman „Ex@Frau“

Aufwachsen in Berlin hat einen entscheidenden Vorteil: Kinder und Jugendliche kommen tagtäglich mit einer viel größeren Vielfalt von Mitmenschen in Berührung als Gleichaltrige in der Provinz. Das umfasst nicht nur viele verschiedene Kulturen, sondern auch diverse Genderidentitäten oder geschlechtliche Orientierungen.

Durchaus realistisch erscheint deshalb folgende Szene aus Else Buschheuers Roman „Ex@Frau“, in der eine lärmende Teenagergruppe im Berliner Gleisdreieckpark auf zwei mittelalte Queers trifft. Zuerst beäugen die Kids die in zwei Liegestühlen liegenden Älteren nur, um sie dann mit allerlei Fragen zu löchern.

„Seid ihr ein Pärchen?“ lautet eine davon. Die Ich-erzählende Person antwortet ablehnend und sagt, dass sie lesbisch ist. Ihr Freund Nil erklärt, pansexuell zu sein. „Nicht schwul?“, fragt ein Junge. „Schwul auch“, lautet die Auskunft, die zu einem „Schwuuuul“-Chor führt.

Richtig spannend wird es dann bei der Kinderfrage: „Seid ihr Männer oder Frauen?“. Nil gibt „Sowohl als auch“ an. Die Erzähl-Person sagt „Weder noch“. Die Kids machen große Augen, doch bald ist ihnen alles klar. Der intergenerationelle Dialog hat auch für die Lesenden von Els Buschheuers neuem Buch ein horizonterweiterndes Potenzial – und er gibt etwa in der Mitte des Buches eine Standortbestimmung der Identitätssuche, auf der sich die Hauptfigur befindet.