Der Meister vom Weihnachtsmarkt

Es gibt diese eine Geschichte, die Jens Baxmann seine gesamte Karriere als professioneller Eishockeyspieler verfolgt hat. Sie ist einfach auch zu absurd. Der aus dem Harz stammende Verteidiger spielte als Jugendlicher für einen unterklassigen Klub aus Braunlage. Bei einem Nachwuchsspiel gegen die Eisbären Juniors auf dem Weihnachtsmarkt in Halberstadt drehte er dann dermaßen auf, dass ihn die Eisbären quasi gleich mitnahmen. 2001 kam er so nach Berlin.

Nach diesem heimeligen Weihnachtsmärchen kamen dann die größeren Geschichten des Jens Baxmann. Er entwickelte zu einem wichtigen Spieler in der ersten großen Ära der Berliner, wurde von 2005 bis zum Jahr 2013 sieben Mal mit den Eisbären Deutscher Meister. Er war vielleicht nicht ihr auffälligster Spieler in dieser Zeit, galt aber als die Zuverlässigkeit in Person und hatte auch bemerkenswerte Auftritte. Etwa auf dem Weg zum zweiten Titel der Berliner, da erzielte er von der Strafbank kommend im Halbfinale bei den Hannover Scorpions ein sensationelles Tor.

In der Nationalmannschaft kam Baxmann 39 Mal zum Einsatz, allerdings lief das nicht immer rund für ihn. Einmal reiste er etwa umsonst nach Hannover zum Deutschland-Cup. An einer Hotelrezeption wurde ihm erklärt, dass er kein Zimmer habe. Der Deutsche Eishockey-Bund hatte da wohl etwas verdaddelt. Jens Baxmann, der kantig weiche Kerl aus Wernigerode, nahm es mit Humor.

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Nach 860 Einsätzen für die Eisbären verließ er Berlin im Jahr 2019 nach 18 Jahren und verdingte sich dann noch in Iserlohn und zuletzt bei den zweitklassigen Lausitzer Füchsen aus Weißwasser. Nun hat er mit 37 Jahren sein Karriereende erklärt, eine Augenverletzung mache es ihm nicht mehr möglich, zu spielen. Und wie der Baxi nun mal ist, hat er sich bei allen bedankt für seine schöne Karriere auf dem Eis – auch bei den Ärzten und Physiotherapeuten. Mit Frank Hördler ist nun nur noch ein Spieler aus dem starken 1985-Jahrgang der Eisbären aktiv.

Jens Baxmann ist so bescheiden gegangen, wie er einst aufgetaucht ist in der Eishockeyszene. Er selbst mag übrigens die Geschichte um seine Entdeckung und erzählt sie gern. „Ich weiß, jetzt werden einige aufschreien und sagen, der Baxmann und seine Weihnachtsmarktgeschichte“, sagt er. „Aber es stimmt, mein Karrieresprung war reiner Zufall.“