Das Desaster der Volksbühne mit dem Volksbad: Mit „Fickt Euch“ ist es leider nicht getan

Man kann sich schon denken, wen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Volksbühne gemeint haben, als sie am Freitagmittag ein großes Transparent mit der Aufschrift „Fickt euch!“ vor die Aufbauten ihres Volksbades hängten: die rechten Medien, die Kampagnentreiber, die rechten Blogger, die Matthias Lilienthal und die Seinen laut eigener Aussage seit Donnerstag vor der Volksbühne gesehen haben, zwanzig an der Zahl.
Blöd nur, dass so eine Differenzierung kaum auszumachen ist bei diesem verbalen Stinkefinger mit Ausrufezeichen – und sich auch Wohlmeinende angesprochen fühlen könnten. Es ist dies aber auch eine Leckt-uns-am-Arsch-Haltung, die offenbart, wie mutwillig provokativ und ungeschickt die Volksbühne die gesamte Causa der Überlassung des Volksbades für einen Tag an den Weddinger Verein Eoto („Each One Teach One“) und damit die schwarze Community angegangen ist.
Das eine ist das gut Gemeinte, das andere das schlecht Gemachte.
Einen Safe-Space schaffen: sehr gut. Das Landesantidiskriminierungsgesetz umsetzen: gute Sache. Das Volksbad einem Verein oder einer bestimmten Gruppe von Menschen zu überlassen: ein Allerweltsvorgang in jedem öffentlichen Schwimmbad. Lilienthal hat das ja alles an diesem Freitagmittag noch einmal herausgestrichen.
Überflüssige diskursive Überhöhung
Aber warum hat die Volksbühne zunächst für Freitag, den 14. August, auf ihrer Seite angekündigt: „In diesem Zeitraum ist das Volksbad exklusiv für Schwarze Communitys geöffnet.“ Nicht für Eoto, wie sie es später dann korrigierte, für einen Verein, der, obwohl im sozialen Bereich sehr wohl bekannt, vielen Berlinern und Berlinerinnen gar kein Begriff ist. Warum musste aus dem Kinderschwimmen für 6–14-Jährige Schwarze, für welche der Termin gedacht war, gleich die ganze schwarze Gemeinde Berlins mitgemeint sein? Als diskursive Überhöhung gewissermaßen: Seht her, was wir unter Volksbad verstehen!
War Lilienthal nicht bewusst, dass sich bei der Kritik, die sich ja bei allem Spaß, den so ein Pop-up-Bad bereitet, schon im Vorfeld durchaus breit artikulierte (Verschwendung von Steuergeldern in Zeiten knapper Kassen und Kulturkürzungen etc.), bei einem solcherart annoncierten Exklusiv-Badetag eben genau die Menschen und Medien auf den Plan gerufen fühlten, die schließlich zu hetzen anfingen? Die von „Diskriminierung“ von Weißen sprachen oder, wie Berlins Noch-Kultursenator und CDU-Bürgermeister-Kandidat Stefan Evers, sagten, „nichts davon zu halten, Menschen nach Hautfarben einzuteilen“?
Der Verdacht liegt nahe, das zumindest vage mit einkalkuliert zu haben. So wie das Volksbad ein Protest gegen den Verfall der öffentlichen Berliner Infrastruktur sein soll: Teil eines sonst nicht präziser beschriebenen Diskursprogramms. Und natürlich: Kunst. Zumal es im Kunstbetrieb immer mal wieder Aktionen gibt, die die weiße Mehrheit per Ausschluss demonstrativ spüren lassen, wie es ist, außen vor zu bleiben, sich wie eine Randgruppe zu fühlen. Nur dass das in diesem Fall nicht innerhalb des Kunstbetriebs blieb, sondern vorher schon breite, publikumswirksame Kreise gezogen hatte.
Sehr schnelle Absage
Auch dass die Volksbühne nicht lange brauchte, um die Volksbadausleihe an Eoto abzusagen, hat für eine überraschende Eskalation des Ganzen gesorgt. War das wirklich nötig, fragt man sich. Hätte es nicht eine andere Lösung geben können, da zwar die rechten Blogger um die Volksbühne herumschwirrten, aber es keine direkte Gewaltandrohung gegeben hat, wie Lilienthal sagte?
Psychische Gewalt durch Schreiereien und Anfeindungen habe er befürchtet. Aber hätte die nicht ohnehin, weil halt alltäglich, also strukturell, befürchtet werden müssen, auch ohne „Nius“ und „Bild“? So ist das Ganze jetzt doch arg daneben gegangen, auch mit der vielleicht zu schnellen Reaktion auf die rechte Medienhetze in Form der Absage.