„Sicherheitsbedenken nach rassistischer Hetze“: Berliner Volksbühne sagt Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche ab

Für sechs Stunden sollte der Pop-up-Pool vor der Berliner Volksbühne am Freitag exklusiv für Schwarze Communities reserviert sein. Nach Kritik an der Aktion und einer aufgeheizten Debatte in den sozialen Medien hat das Theater die Veranstaltung am Freitag abgesagt. „Grund dafür sind Sicherheitsbedenken, nachdem das Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden ist“, teilte Intendant Matthias Lilienthal mit.

Seit dem 7. August 2026 und noch bis Anfang Oktober steht vor dem Theater ein 25 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad, das sogenannte „Volksbad“. Der Eintritt ist kostenlos. An einigen Tagen allerdings ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert. Der Verein „Each One Teach One“ (Eoto) ist einer davon und sollte das Bad diesen Freitag zwischen 12 und 18 Uhr exklusiv nutzen. Anschließend sollte das Becken für den regulären Badebetrieb öffnen.

Daran gab es Kritik. AfD-Chefin Alice Weidel sprach von „Apartheid“, bezog sich also auf das frühere politische System in Südafrika. Die Berliner CDU-Bezirksverordnete aus Berlin-Pankow, Aileen Weibeler, postete ein Video bei Instagram, das tausendfach kommentiert wurde. Darin beschwerte sie sich, dass sie nicht ins Freibad dürfe, weil sie weiß sei. Dies sei ein diskriminierendes Gefühl. 

Matthias Lilienthal ist erst seit kurzem Intendant des Theaters. (Archivbild)
Werner Graf, Spitzenkandidat der Berliner Grünen, nannte die Absage am Donnerstag einen „Skandal“.

© REUTERS/ANNEGRET HILSE

Werner Graf, Spitzenkandidat der Berliner Grünen bei der anstehenden Abgeordnetenhauswahl, nannte die Absage am Donnerstag einen „Skandal“. Es sei für die gesamte Stadt beschämend und das Gegenteil dessen, wofür Berlin als Stadt der Freiheit stehe. „Der Erfolg einer gezielten Kampagne von spalterischen Meinungsportalen und rechtskonservativen Medien gegen eine Gruppe von Berlinerinnen und Berlinern ist für eine demokratische Stadtgesellschaft unerträglich“, erklärte Graf.

Er warf der Berliner CDU vor, “bei diesem rechten Kulturkampf auf dem Rücken Schwarzer Berlinerinnen und Berliner, die auch in ihrem Alltag starken Anfeindungen ausgesetzt sind, mitzuwirken“. Von dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erwarte Graf, dass er sich mit den Betroffenen solidarisch erkläre und hinter EOTO und das „Volksbad“ stelle.

Lilienthal beruft sich auf Antidiskriminierungsgesetz

Der Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal, hatte das Konzept zuvor im Gespräch mit dem Tagesspiegel verteidigt. „Der Charakter der Veranstaltung entspricht den verbindlichen Regeln des Antidiskriminierungsgesetzes des Landes Berlin, sie wird von der Ombudsstelle für Antidiskriminierung des Berliner Senats begrüßt“, sagte er.

Mit dem exklusiven Schwimmen im Volksbad wolle die Volksbühne gezielt „andere gesellschaftliche Gruppen einladen und integrieren“, sagte Lilienthal. „Die Einladung gilt zugleich für Menschen, die sich der Schwarzen Community zugehörig fühlen.“

Und was sagen Menschen aus der Schwarzen Community selbst dazu? Die Autorin Josephine Apraku kritisiert, dass der Begriff Diskriminierung in der Debatte völlig falsch verwendet werde. „Dazu müssten es weiße Menschen regelmäßig schwer haben, in Bäder reinzukommen und nicht nur einmal für wenige Stunden“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Ganz im Gegenteil seien Schwarze Menschen gesellschaftlich benachteiligt, was politische Repräsentation und gesellschaftliche Teilhabe angehe. Sie hätten es schwerer, eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz zu finden, erleben Rassismus. „Marginalisierte Gruppen dürfen eigene Räume haben“, sagte sie. Gerade das Theaterpublikum sei oft wenig divers. „Vereine wie Eoto können den Zugang erleichtern.“

Auch andere Vereine nutzen das Bad

Der Verein Eoto ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für das Empowerment Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen ein. Neben Eoto ist das Bad an anderen Tagen zum Beispiel für den Verein Gangway-Crew, der Straßensozialarbeit mit jugendlichen und erwachsenen Menschen macht, oder den Verein Flussbad Berlin, der die Aufhebung des pauschalen Badeverbots in der Spree fordert, reserviert.