Zum Tod der Konzeptkünstlerin Rune Mields: Die Welt verstehen als Zahlensatz

Gefallen lassen hat sie sich nie etwas, Rune Mields ging immer ihren Weg. Als ein Kunstkritiker am Anfang ihrer Laufbahn ihr sagte „Frauen können nicht malen“, gab sie als knappe Antwort „Wenn Sie meinen“ und machte weiter. „Davon darf man sich nicht beirren lassen. Man muss sich durchsetzen“, kommentierte Mields im Interview mit dem Kunstmagazin Monopol im vergangenen Jahr anlässlich ihres 90. Geburtstages die Begegnung.
Die Künstlerin mit dem markanten Rotschopf konnte zäh sein, dabei war eine Karriere als Malerin für sie nicht unbedingt vorgeprägt. Geboren in Münster, absolvierte sie in ihrer Heimatstadt zunächst eine Lehre als Buchhändlerin und kam erst über Umwege zur Kunst. 1968 gehörte sie zusammen mit dem umtriebigen Kulturjournalisten Klaus Honnef und dem Bildhauer Benno Werth zu den Gründern des Aachener Kunstvereins Gegenverkehr, einem legendären nur vier Jahre existierenden Avantgarde-Treffpunkt, wo unter anderem Mel Ramos, Daniel Spoerri und Günther Uecker auftraten.
Hier zeigte Rune Mields auch ihre frühen Röhrenbilder, die allerdings erst jetzt wieder anlässlich ihrer Geburtstagsausstellung zum Neunzigsten im Bonner Kunstmuseum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückkehrten. Erst 1970 entschied sich die energische Macherin – mittlerweile in Köln ansässig, wo sie bis zuletzt in ihrem Wohnatelier arbeitete – endgültig für ein Dasein als freischaffende Künstlerin. In diese Zeit fällt auch der Beginn ihres anhaltenden Interesses an Ziffern und Systemen.
Skripturale Zeichen, Figuren der Höhlenmalerei
Die Faszination für Zahlen und Zeichen, Ordnung und Chaos, Logik und Widerspruch zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Werk. „Um das Leben zu verstehen, muss man Mathematik verstehen“, lautete ein Glaubenssatz von Rune Mields. Ihre mathematische Kunst mit den geometrischen Formen und Zahlenkolonnen mochte zwar sperrig sein, aber gleichzeitig verstand sie es, die Erfassung von Welt in klare Bilder herunterzubrechen. „In der Steinzeit wurde es genauso gemacht“, erklärte sie im Monopol-Interview bündig. In ihren Gemälden tauchten deshalb auch skripturale Zeichen auf, zusammen mit Figuren, die an Höhlenmalerei erinnern.
Um das Leben zu verstehen, muss man Mathematik verstehen.
Rune Mields, Künstlerin
1977 wurde der Documenta-Macher Manfred Schneckenburger auf sie aufmerksam und holte sie zur sechsten Ausgabe nach Kassel. Für die Autodidaktin dürfte dies eine wichtige Bestätigung gewesen sein, ebenso die Berufung der Berliner Hochschule der Künste 1984 als Gastprofessorin. Fünf Jahre später folgte eine Einladung in die Villa Massimo nach Rom als Ehrengast. Als Würdigung ihres Lebenswerks und für ihr Engagement für andere Künstlerinnen und Künstler erhielt sie 2000 den Gabriele-Münter-Preis.