Wer inspirierte Chopin zu seinen Nocturnes?: Die Klassik-Tipps der Woche in Berlin mit Alice Sara Ott
Die Klavierwerke von Frédéric Chopins gehören zu den meistgespielten weltweit. Die Inspiration für seine berühmten Nocturnes allerdings, kommt von einem irischen Komponisten. Die Pianistin Alice Sara Ott bringt ihn uns näher.
Die Deutsche Oper widmet sich Korngolds Oper „Violanta“ in einer Neuinszenierung.
Dazu ist gleich zweimal Brahms zu hören. Die Staatskapelle unter Christian Thielemann spielt sein „Deutsches Requiem“ und die Berliner Philharmoniker sein einziges Violinkonzert. Und es gibt noch weitere Konzerte zu entdecken, in unseren Klassik-Tipps der Woche.
1 Mandelring Quartett

© Guido Werner
Im vergangenen Jahr wurde Helmut Lachenmann 90 Jahre alt, am 19. Februar hat ein weiterer großer Komponist der Neuen Musik einen runden Geburtstag: György Kurtág wird 100. Das Mandelring Quartett (Foto) ehrt den Meister der Verdichtung und der Miniaturen mit einem Konzert. Sie spielen seine „Six Moments Musicaux“ für Streichquartett aus dem Jahr 2005, mit Einflüssen von Janáček bis Stravinsky.
Dazu kommen die „Zwölf Mikroludien“, die teilweise nur 30 Sekunden lang sind und eine Hommage an den Cellisten und Komponisten Mihály Andrá darstellen. Gerahmt werden Kurtágs Werke von Haydns Streichquartett Nr. 37 h-Moll und Brahms’ Streichquartett Nr. 3 B-Dur.
2 Konzerthausorchester unter Constantinos Carydis

© Thomas Brill/Thomas Brill
Gleich mit vier Werken führt uns der griechische Dirigent Constantinos Carydis in den warmen Süden ans Mittelmeer. Sein Abend mit dem Konzerthausorchester beginnt mit der „Ode to Oedipus“ seines Landsmannes Periklis Koukos aus dem Jahr 2025. Mit Ottorino Respighi reisen wir an die Brunnen („Fontana di Roma“) und Pinien („Pini di Roma“) Roms.
Claude Debussys Flötenkonzert „Syrinx“ (Solist Eduardo Belmar) geht auf einen griechischen Mythos zurück. Dazwischen erklingt Franz Liszts 2. Klavierkonzert (Solist Haochen Zang), das sich durch seine vielen Kontraste von poetisch bis temperamentvoll auszeichnet.
3 Ein Deutsches Requiem

© Stephan Rabold
Die Idee, ein „Deutsches Requiem“ zu komponieren, soll auf eine Begegnung des jungen Johannes Brahms mit Robert Schumann in den 1850er-Jahren zurückgehen. Sein Freund Schumann starb 1856. Doch erst nach dem Tod der Mutter 1865 machte er sich ans Werk.
Brahms, der als Chordirigent bekannt wurde, verwandte Textpassagen aus dem Alten und Neuen Testament und streifte alle kirchlichen Konventionen ab. Trost für die Hinterbliebenen soll sein Requiem spenden. „Ich habe meine Trauermusik vollendet als Seeligpreisung der Leidtragenden“, soll er über sein epochales und romantisches Werk gesagt haben.
Christian Thielemann dirigiert die Staatskapelle Berlin. Es singen der Staatsopernchor sowie Nikola Hillebrand (Sopran) und Samuel Hasselhorn (Bariton). Am Montag wird in der Staatsoper gespielt. Das zweite Konzert findet in der Philharmonie statt.
Bereits am Samstag, 24.1., 11 Uhr gibt es ein besonderes Angebot für unter 30-Jährige: Sie können für 7 Euro die Generalprobe verfolgen.
4 Benefizkonzert „Make Freedom Ring“

© Marcus Lieberenz/bildbuehne.de
Eine düster-symbolistische Geschichte von Hass und Begehren erzählt Erich Wolfgang Korngold in „Violanta“. Die Titelheldin fordert ihren Mann auf, Alfonso, den Verführer ihrer Schwester, zu töten. Um Alonzo in den venezianischen Palazzo zu locken, spielt sie ihm Zuneigung vor. Dumm nur, dass sie sich dann in ihn verliebt und ihren Mann nicht mehr stoppen kann. „Ich glaube, dass etwas Verborgenes in Violanta schlummert, und wir möchten dem nachspüren. Wir wollen immer tiefer in ihr Unbewusstes hineinblicken“, sagt Regisseur David Hermann, der das Werk an der Deutschen Oper inszeniert.
Alfonso, der faszinierende Unbekannte, und die Titelheldin geraten sehr schnell in einen Gefühlsstrudel, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Es folgt ein rauschhaftes Liebesduett, in dem sich die beiden immer weiter in eine mitreißende Ekstase hineinsingen: „Es ist eine Entwicklung in großem Kontrast zum eingesperrten Leben Violantas im Haus ihres Ehemanns“, erläutert Hermann. Sie lebt in einem prunkvollen venezianischen Palast, in den das städtische Leben jedoch kaum eindringt. Wir hören das Karnevalstreiben und die Straßengesänge von außen, aber Violanta nimmt nicht daran teil. Venedig ist bloß die Folie, vor der sich ein tödliches Kammerspiel ereignet.
Den relativ kurzen Einakter ergänzten Hermann und der Dirigent Donald Runnicles mit einem Lautenstück von John Dowland, also einem Werk aus der Zeit der Handlung von „Violanta“, sowie einem Werk von Alban Berg, also ungefähr aus der Zeit der Uraufführung im Jahr 1916.
6 Hélène Grimaud und das DSO spielen Gershwin

© Simon Pauly
21 Nocturnes hat Frédéric Chopin (1810-1849) in seinem Leben komponiert. Als „Erfinder“ dieser kurzen, intimen, oft träumerischen Stücke gilt jedoch der von ihm bewunderte Ire John Field (1782-1837). Der allerdings soll die Stücke des jungen Chopin als „Krankenstubenmusik“ bezeichnet haben. Na ja, Chopins Nocturnes gehören heute zu den beliebtesten Klavierstücken überhaupt.
Umso spannender, den Ursprung dieser Gattung kennenzulernen. Alice Sara Ott (Foto), Artist in Residence am Konzerthaus, spielt in ihrem Rezital acht ausgewählte Nocturnes von John Field. „Sie berühren mich zutiefst mit ihrer Schönheit und Anmut, und sie verschönerten meine Arbeitsphase vor der Aufnahme“, so die Pianistin. Das Album mit seinen gesammelten Nocturnes ist bei der Deutschen Grammophon erschienen.
Beim Konzert stellt sie Fields drei Beethoven-Sonaten gegenüber: g-Moll op. 49 Nr. 1, E-Dur op. 109 und die berühmte Mondscheinsonate.
8 Berliner Philharmoniker und Janine Jansen