Red Boring statt Red Bull: Leipzig muss die eigenen Ansprüche hinterfragen

Es läuft die 58. Minute im DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen RB Leipzig und Eintracht Frankfurt, als Lois Openda etwas mehr als 20 Meter vor dem Frankfurter Tor an den Ball kommt, abzieht und per Traumtor zum 3:0 trifft. Um seinen Treffer zu bejubeln, winkt der Belgier seine Teamkollegen zusammen. Gemeinsam laufen die Spieler in Richtung Trainerbank und feiern dort demonstrativ mit ihrem Trainer Marco Rose.

Genau diese positiven Momente und Ergebnisse im DFB-Pokal, besonders der Einzug in das Viertelfinale Anfang Dezember letzten Jahres, sicherten Rose lange seinen Job. Ausgerechnet kurz vor dem anstehenden Halbfinale, in dem RB am Mittwoch gegen die ebenfalls kriselnden Stuttgarter in das Endspiel einziehen könnte (20.45 Uhr, ZDF), wurde Rose nun doch entlassen. An der Seitenlinie steht ab jetzt stattdessen der neue Interimstrainer Zsolt Löw.

Obwohl der gebürtige Leipziger Rose bei den Fans in der Stadt und scheinbar auch bei den Spielern selbst beliebt war, mangelte es ihm an sportlichen Argumenten. In der Champions League schied RB bereits Anfang des Jahres sang- und klanglos aus, in der Bundesliga gewann der Verein lediglich magere zwei der letzten zehn Partien.

2

der letzten zehn Bundesligaspiele gewann RB Leipzig

Mit dem aktuell sechsten Tabellenrang droht sogar die schlechteste Saisonplatzierung in der mittlerweile neunjährigen Bundesliga-Historie. Für einen Klub wie RB Leipzig, der normalerweise das Ziel haben sollte, um die Meisterschaft mitzuspielen, ist diese Bilanz ein Armutszeugnis.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Entsprechend nachvollziehbar ist die Entlassung Roses. Darauf zu vertrauen, dass mit einem neuen Trainer alles besser läuft, wird aber nicht ausreichen. Unabhängig von der Personalentscheidung muss man sich bei Leipzig daher nach der Saison fragen, was überhaupt die Ambitionen des Vereins sind.

Schließlich hat RB aktuell den drittteuersten Kader der Bundesliga und dank der finanziellen Unterstützung durch einen Getränkekonzern mit den identischen Initialen sowieso Möglichkeiten, wie nur wenig andere Bundesligisten.

Gar nicht in das Bild passen daher fußballerisches Mittelmaß und ausbleibende Entwicklungen, wie sie zurzeit in Leipzig beobachtet werden können. Genau dieser Kontrast zwischen Anspruch und Realität ist Rose letztlich zum Verhängnis geworden.

Dass sich Leipzig dabei spätestens im Sommer vom jetzt ehemaligen Trainer getrennt hätte, wurde bereits seit mehreren Monaten vermutet. Teilweise wirkte es fast so, als wolle man die verkorkste Saison einfach nur halbwegs unbeschadet zu Ende bringen. Um nun aber wenigstens das Minimalziel, die Qualifikation für die Champions League in der nächsten Saison noch zu erreichen, kam die Trainerentlassung wohl zum richtigen Zeitpunkt.