„Gallery Looks“ in der Gemäldegalerie: Nur die Herzogin von Toledo schmollt in ihrem Rahmen
In Rekordzeit für die Gemäldegalerie, innerhalb von fünf Monaten, wurde die Ausstellung geplant und realisiert, von der ersten Idee bis zur Eröffnung. Jetzt stehen die „Gallery Looks“ rechtzeitig zur Fashion Week und bleiben auch noch die nächsten vier Monate in der großen Halle, wenn das Mode-Event längst vorüber ist. Es könnte sein, dass der Präsentation dann der schnelle Wurf anzusehen ist.
© Entwurf Alexander Gigl, mit Gemälde von Anton van Dyck / Foto: Ralph Mecke
Nun stehen Schaufensterpuppen mit Westen, Hosen und Overalls, die Estelle Adeline Trasoglu aus historischen Wandteppichen schneidern ließ, vor einem Gemälde von Antoine Pesne von 1744. Die abgebildete Preußen-Prinzessin Luise Ulrike trägt darauf schönstes Brokat. Das Porträt einer ziemlich muffig dreinschauenden Herzogin von Toledo, das Alessandro Allori 1660/62 schuf, passt ebenfalls. Auch ihren bleichen Hals umschmeichelt Spitze.
Geschärfter Blick für raffinierte Details
So interessant das Wechselspiel zwischen Jahrhunderten zuvor entstandener Malerei und aktueller Mode ist, so wird doch schnell klar, dass die alten Meister nur als Staffage dienen. Ihre Aura gibt den extravaganten Entwürfen der Gegenwart eine Überzeitlichkeit, ja Klassizität. Umgekehrt profitiert die Kunst wenig von der Gegenüberstellung. Höchstens schärft sich der Blick für raffinierte Details in der Kleidung der Porträtierten.
