Madonna, Angine de Poitrine, Sienna Spiro, JJerome87: Die Alben der Woche im Soundcheck

Jeden Freitag stellen vier Popmusikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche in der Sendung „Soundcheck“ bei Radio eins vor. Diese Woche mit folgenden Platten:
Angine de Poitrine: „Vol. II“ (Les Cassettes Magiques Spectacles Bonzaï/ ATO)
Bereits im April ist das Album Vol. II von Angine de Poitrine erschienen, benannt nach der französischen Bezeichnung für Angina pectoris, also anfallartig auftretende Brustschmerzen. Und das passt ziemlich gut für die kanadische Band, oder besser die beiden außerirdischen Raum-Zeit-Reisenden Klek und Khn de Poitrine, die seit einiger Zeit überall in den Charts ganz weit oben stehen.
Sie nennen ihre Musik Dada-Pythago-Cubist–Mantra-Rock und treten als grunzende Außerirdische auf. Allein das allein macht sie schon wunderbar anders. Sie tragen überdimensionale Pappmaschee-Masken, schwarz-weiß gepunktete Kostüme, spielen verlässlich am Ton vorbei, die Tonschritte sind kleiner als gewohnt, und obwohl wirklich komplex, entfalten sie große Sogwirkung. Alles in allem ein guter Grund, die Besprechung nachzuholen. Milena Fessmann, radioeins
Madonna: „Confessions II“ (Warner Music)
Fast zwanzig Jahre ist es her, dass Madonna mit „Confessions on a Dance Floor“ dem Dance-Pop einen neuen Höhepunkt bescherte. Seitdem folgten viele Richtungswechsel bei ihr: mal elektronisch, mal R&B-lastig, mal bemüht zeitgeistig. Nun schließt sich der Kreis: „Confessions II“ entstand erneut mit Stuart Price, der schon das 2005er Werk so herrlich clubglitzerig mitprägte. Der Sound bewegt sich zwischen House und Disco und wendet sich so bewusst zurück, statt auf Zukunftsvibes zu setzen.
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Die Songs wirken entschleunigt und organisch, gelegentlich von der warmen Sonne des Laurel Canyons der Sechziger geküsst. Wie Fragmente eines Traums lesen sich die Songtitel: Tiere, Stoffe, Medikamente, Landschaften und rätselhafte Figuren stehen nebeneinander und auch musikalisch setzt das Album zwischen Folk, Math-Rock und Ambient eher auf Atmosphäre als auf klare stilistische Verortung. Claudia Gerth, radioeins
Sienna Spiro: „Visitor“ (Capitol/Universal)
Den Großteil ihres Lebens habe sie sich wie auf der Durchreise gefühlt. Vielleicht ist Sienna Spiro auch deswegen bemerkenswert weit gekommen: Mit zehn Jahren schrieb sie ihren ersten Song, mit zwanzig standen drei ihrer Singles gleichzeitig in den Billboard Top 100 – bevor ein Album existierte.
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