„Minions & Monster“ im Kino: Sind wir nicht alle ein bisschen gelb im Kopf?
Warum sollte es den Minions anders ergehen als der großen Norma Desmond, der gefallenen Stummfilmdiva aus Billy Wilders Noir-Drama „Boulevard der Dämmerung“? Der Beginn der Tonfilm-Ära beendete in den späten 1920er Jahren tatsächlich die Karrieren vieler Stummfilmstars, deren Stimmen plötzlich nicht mit ihren Leinwand-Personas – buchstäblich – in Einklang zu bringen waren.
Das Problem der Minions liegt also auf der Hand. Das Cartoon-Esperanto der gelben ADHS-Speedballs, die ihr Schöpfer Pierre Coffin einmal „liebenswerte Idioten“ nannte, macht sie mit der technischen Neuerung in Hollywood über Nacht unanstellbar.
Nun sind Henry und James, die Filmnerds der Truppe, auf sich allein gestellt, ausgerüstet mit einem Abschiedsgeschenk des exzentrischen Regisseurs Max, gesprochen von Christoph Waltz: einer Filmkamera. Klar, dass den gelben Chaosstiftern nichts Besseres einfällt, als der Welt einen Monsterfilm zu schenken. Mit Kreaturen aus dem Buch eines bösen Zauberers, dessen Weg die Minions in der frühen Menschheitsgeschichte auf ihrer sinnstiftenden Suche nach einem „Big Boss“ kreuzten.
Die Minions eroberten die Spielzeugregale
Der Aufstieg der Minions von Sidekicks des Superschurken Gru zu verhaltensauffälligen Stars mit eigenem Franchise ist eine der unwahrscheinlicheren Erfolgsgeschichten Hollywoods in der jüngeren Vergangenheit. Gewöhnlich beruht der kommerzielle Erfolg von familienfreundlicher Unterhaltung heute auf bereits existierenden Produkten wie Videospielen oder Kinderspielzeug. Die Minions eroberten die Spielzeugregale jedoch vom Kino aus, erstmals 2010 als knuffig-fiese Helfershelfer in „Ich – Einfach unverbesserlich“.
Der dritte Solofilm der kleinen Quälgeister mit Latzhose und Schweißerschutzbrille (der siebte insgesamt) erzählt nun, sozusagen als Prequel, ihre unglaubliche Origin Story in Hollywood.
„Minions & Monster“ ist auch eine Hommage an das frühe Kino, mit Cameo-Auftritten von Kevin, Stuart, Bob, Dave, Jerry und ihren Hunderten von Lookalikes in den Filmen der Brüder Lumière, den Fantasy-Miniepen von Georges Méliès und den frühen Slapstickfilmen eines Charlie Chaplin. Das Episodische der ersten Filmbilder der Kinogeschichte, die mehr von der Action als von einer Handlung angeleitet waren, macht auch die Eskapaden der Minions aus.
In dieser Einfachheit lag von Anfang an der Reiz der Minions, die die Kleinen mit immer absurderen Volten und einer frühkindlichen Freude am Chaos bei Laune halten und die Eltern wieder das im tretmühlenhaften Alltag verwahrloste innere Kind wiederentdecken lassen. Ursprünglich war ihre liebenswerte Boshaftigkeit bloß als Pausenfüller für die Untaten des Hauptschurken gedacht.
Ein Filmset wird in Schutt und Asche gelegt
Aber schon mit dem ersten Film von 2015 erwies sich der bezaubernde Erfindungsreichtum ihrer Zerstörungslust auch ohne klassische Dramaturgie als tragfähige Unterhaltung. Die gelbe Welle schwappte aus den Kinderzimmern in die Welt, in Spielzeug- und Kühlregale. Und man muss angesichts der täglichen Katastrophennachrichten konstatieren: Ein bisschen mehr Gelb kann die Welt gerade wirklich gut gebrauchen.
Provo-Regisseur Uwe Boll und Elon Musk Eine unschöne Alternative gegen Deutschland In der Hitze der Stadt Diese acht Filme fangen den Berliner Sommer ein Kinodebüt von „Supergirl“ Ganz schön auf den Hund gekommen
Lesen Sie jetzt auch:
Der Charme von „Minions & Monster“ hat viel damit zu tun, dass die Handschrift des Schöpfers immer noch zu erkennen ist. Im Gegensatz zu den postmodern-zitathaften Studio-Animationsfilmen bleiben die Minions ihrem infantilen Spieltrieb treu. Außerdem bestätigt sich wieder einmal die These, dass den knuddeligsten Knuddelmonstern am allerwenigsten über den Weg zu trauen ist.