Tiefer informiert und besser durchgehört: Der Deutschlandfunk baut sein Programm um

Großer Bahnhof an diesem Donnerstagmorgen im Berliner Haus des Deutschlandfunks am Hans-Rosenthal-Platz: Die Chefs des meistgehörten Informationssenders der Republik haben sich eingefunden, um der Öffentlichkeit und ihren Medienkolleginnen und -kollegen die doch radikale Programmreform zum 30. November vorzustellen.
Neben dem Intendanten Stefan Raue und der neuen Deutschlandfunk-Chefredakteurin Susanne Schwarzbach, die seit drei Monaten im Amt ist, sind es vor allem die Programmdirektorin Jona Teichmann und Deutschlandfunk-Kulturchef Matthias Gierth, die erklären, was sich in Zukunft alles ändert.
Teichmann sagt: „Der Deutschlandfunk bleibt, was er ist: journalistisches Leitmedium mit Tiefe, Analyse und Einordnung. Ein Angebot zum gemeinsamen Nachdenken, das überrascht und einlädt zum Weiterhören. Mit der Reform stellen wir sicher, dass wir diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht werden können.“
Wir müssen auch für die nachfolgenden Generationen ein qualitativ hochwertiges, attraktives Programm machen.
Matthias Gierth, Deutschlandfunk-Kulturchef
Und Kulturchef Gierth ergänzt: „Auch wenn die Hörerzahlen für den Deutschlandfunk seit Jahren sehr gut sind, können wir nicht die Augen vor der Realität verschließen: Viele unserer Hörerinnen und Hörer sind älter, wir müssen auch für die nachfolgenden Generationen ein qualitativ hochwertiges, attraktives Programm machen.“
Es gab keine Not, diese Reform zu unternehmen: die Hörerzahlen sind tatsächlich gut, laut aktueller Media-Analyse hören unter der Woche täglich mehr als 2,52 Millionen Menschen den Deutschlandfunk, auch die Finanzen sind stabil. Man verweist also auf Vorgaben des Reformstaatsvertrags der Länder, die auf die Bedeutung des Austauschs mit dem Publikum, auf die Digitalisierung und auf jüngere Hörerinnen und Hörer zielen.
Und vor allem diese jungen Menschen sind es vermutlich, denen ein sofort funktionierendes Informationsangebot geboten werden soll, auf Kosten der eingeführten, den Tag kleinteilig strukturierenden Magazine, die zukünftig wegfallen.
Wie zum Beispiel „Tag für Tag – aus Religion und Gesellschaft“, wie der „Büchermarkt“, „Tonart“, „Wirtschaft am Mittag“, „Forschung aktuell“, „Europa heute“, das Bildungsmagazin „Campus und Karriere“ und die Sendung „Deutschland heute“. Stattdessen soll es tagsüber „Informationsstrecken“ geben, die „Informationen am Morgen“ oder „Informationen am Mittag“ oder „Informationen am Abend“ heißen, morgens eine Stunde später beginnend, ab 6 Uhr, abends früher, ab 17 Uhr.
Noch mehr Informationen und Hintergrund
Dazu gesellen sich abends der „Hintergrund“ und ein weiteres neues Format mit dem Titel „Im Dialog“, in dem zwei Stunden lang zu einem aktuellen Themen der direkte Kontakt mit dem Publikum gesucht wird. Natürlich versucht man, das Programm in Richtung Podcasts zu verschieben, um damit den nicht zuletzt der Digitalisierung zugrunde liegenden, veränderten Hörgewohnheiten gerecht zu werden.
Für alle diese Sendungen sollen die Fachredaktionen zuarbeiten, auch in Konkurrenz zueinander, was Wertigkeit und Attraktivität der Themen anbetrifft.
Und wie die Hörer das neue Angebot annehmen, ist, wie immer bei solchen Unternehmungen, zunächst mit einem Fragezeichen zu versehen. Eine Petition gegen die Reform gibt es schon, nur haben die im Vergleich zu den täglich zwei bis zweieinhalb Millionen Hörerinnen und Hörern pro Tag bislang erst rund 4700 Menschen unterschrieben. Womöglich ist die Flexibilität auf Hörerseite größer als geahnt.
Gegen eine Veränderung spricht selten etwas, und die Untergangsgesänge können vom 30. November an immer noch angestimmt werden.