Kinostarts der Woche: Sebastian Bezzel und das „Empty-Nest-Syndrom“

Wer braucht den anderen mehr, die Kinder die Eltern oder die Eltern die Kinder? Für viele junge Erwachsene ist der Auszug aus dem Elternhaus ein großer Schritt, doch auch Eltern kann es ganz schön aus der Bahn werfen, wenn sie plötzlich allein im leeren Nest sitzen, siehe Sönke Wortmanns neuer Film „Die Ältern“ mit Sebastian Bezzel (Foto).

1 „Wuthering Heights“ – Sturmhöhe

Mit Emily Brontë hat diese Adaption wenig zu tun – das macht Regisseurin Emerald Fennell bereits auf den Filmpostern deutlich, wo „Wuthering Heights“ in Anführungszeichen geschrieben ist.

Wie die meisten Filmadaptionen vor ihr konzentriert sich die „Saltburn“-Regisseurin auf den ersten Teil des Romans von 1847 – und sortiert dabei ordentlich um. Die junge Catherine Earnshaw lebt mit ihrem alkohol- und spielsüchtigen Vater (Martin Clunes) in dem Anwesen Sturmhöhe.

Im Rausch hat der Vater ein Findelkind aufgenommen, dem Catherine den Namen Heathcliff verpasst. Gespielt wird er vom „Adolescence“-Star Owen Cooper. Die beiden verbindet eine innige Liebe, die später in Verlangen umschlägt.

Heathcliff und Catherine werden als Erwachsene dargestellt von Jacob Elordi und Margot Robbie, letztere hat den Film auch produziert. Als Catherine sich entscheidet, aus der finanziellen Not heraus den wohlhabenden Edgar Linton (Shazad Latif) zu heiraten, verlässt Heathcliff Sturmhöhe, um Jahre später als reicher Mann wieder aufzutauchen.

Optisch ist „Wuthering Heights“ ein Spektakel, mit Wänden aus rosafarbener Haut, völlig anachronistischen, metallisch glänzenden Kleidern und Weihnachtsdekorationen, die das KaDeWe locker in den Schatten stellen. Das Ganze erinnert in seiner unverschämten Opulenz an Sofia Coppolas „Marie Antoinette“, aber in kinky. Der Sex, zu dem es schließlich kommt, ist dann aber erstaunlich zahm.

Emerald Fennell schraubt den Camp-Faktor hoch. Alles ist total drüber und wird mit einem Augenzwinkern serviert. Das Problem ist nur, dass große Gefühle bei so viel ironischer Distanz nicht aufkommen wollen, und die gehören nun mal zwingend zu jeder Romanze. Dass die Seelen von Catherine und Heathcliff aus dem gleichen Stoff gemacht seien, wie es in einem der berühmtesten Zitate heißt, ist hier leider kaum zu spüren. (Inga Bartels)

2 Once Upon A Time In Gaza

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Hannes (Sebastian Bezzel) ist mit dem bisherigen Lebensverlauf rundum zufrieden. Als Schriftsteller hat er es mit einer Fantasy-Buchreihe zu Erfolg und Wohlstand gebracht.

Aber nun will der Verlag kein Folgewerk mehr veröffentlichen. Der Stoff gilt als auserzählt – und so scheint es sich auch mit Hannes’ Dasein zu verhalten. Als die 21-jährige Tochter auszieht, beschließt ihre Mutter ebenfalls, neue Wege zu gehen.

Nach „Das Pubertier“ findet auch Jan Weilers Nachfolgeroman „Die Ältern“ in der Regie von Sönke Wortmann den Weg ins Kino. In der Rolle des kriselnden Familienvaters kann Sebastian Bezzel („Eberhof“-Krimis) seine wunderbar mäandernde Selbstironiefähigkeit gewinnbringend einsetzen.

Dass hier ein Vater, der im Homeoffice die Familie zusammengehalten hat, ins tiefe Tal des Empty-Nest-Syndroms fällt und sich auch in der Liebe neu orientieren muss, ist eine interessante, nicht nur im Kino selten beachtete Perspektive.

Das führt nicht zu großen Plotverwerfungen oder brüllenden Pointen, aber zu einer genau beobachteten Lebensabschnittsvergrößerung, die mit feinem Humor durchzogen ist. (Martin Schwickert)

4 Das Beste liegt noch vor uns

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Mike Davis (Chris Hemsworth) ist ein sehr akribischer Dieb. Bei seinen Beutezügen im Großraum Los Angeles wendet er keine physische Gewalt an, ist nie auf Überwachungskameras zu sehen und hinterlässt keine Spuren.

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Chris Hemsworth, der nach goldenen Jahren als Marvel-Superheld Thor seinen Platz in Hollywoods Starhierarchie sucht, brilliert als melancholisch zergrübelter Gentleman-Gangster. Mark Ruffalo, Halle Berry und Barry Keoghan (als cholerischer Schläger) überzeugen in gut geschriebenen Nebenrollen.

Der Brite Bart Leyton hat nach einem Roman von Don Winslow diesen in Zeiten hochgetunter Actionspektakel (die in Hemsworths Post-Marvel-Karriere bislang dominierten) untypischen Noir-Thriller gedreht, der sich viel Zeit für präzise Charakterzeichnung und behutsamen Spannungsaufbau nimmt.