Tag 3 bei der Berlinale: Berlin zeigt Brust

Als ich Lars Eidinger sehe, denke ich: Okay, vielleicht habe ich doch das falsche Outfit an. Ich hatte vor der Berlinale extra ein paar Hemden gebügelt, aber die anderen Männer hier sind nicht so pingelig. Viele streifen einfach ein Sakko über ihre nackte Haut.

„Ich laufe so herum, weil ich die Kunst feiern will“, sagt Lars Eidinger, der sich eine pinke Blume ans offene Jackett gesteckt hat, und schaut mich mit seinem schelmischen Leinwandlächeln an. Immerhin hat er seinen Penis bedeckt, was in seinen Filmen ja selten der Fall ist.

Vielleicht macht der Lars einfach immer, was er will, und vielleicht sollen das immer alle sehen. Bevor er seine rechte Brustwarze wieder kurz mit seinem hin- und her rutschenden Jackett bedeckt, sagt er: „Ich würde mich auch so anziehen, wenn ich einkaufen gehe.“ Irgendwas irritiert mich daran. Genau, das Wörtchen „würde“.

Ich zeige mich angreifbar, aber auch stark, weil ich es tue.

Schauspielerin Lea von Acken läuft luftig bekleidet über den Roten Teppich

Wie viel Würde liegt eigentlich darin, dass Schauspielerinnen auf Berlinale-Partys fast immer fast nichts anhaben? Die „Opening Night“ im Luxushotel Stue artet zu früher Stunde zu einem Defilee an Dekolletees aus. Nahezu alle deutschen Tatort-Ermittlerinnen zeigen sich hier von ihrer persönlichen Seite.

Am Champagnerbrunnen der letzten Jahre kann sich die wild tanzende Meute allerdings nicht laben, das jederzeit sprudelnde Berlinale-Wasser lagert diesmal in einer Badewanne mit Eiswürfeln. Eine Frau im Glitzerfummel, die ich jahrelang nicht gesehen habe, umarmt mich innig: „Ich hab dich vermisst.“ Ich find’s ganz gut, dass ich ein Hemd anhabe.

Schauspielerin Lea von Acken bei der BerlinaleTag 1 der Berlinale In der Höhle der Eisbären