„Polizeiruf 110“ aus Halle: Warum muss die Ost-Ballade enden?

Eine ältere Frau wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Der Täter muss sich gewaltlos Zugang zu ihrer Wohnung verschafft haben. Hat das Opfer ihren Mörder vielleicht selbst in die Wohnung gelassen? „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr).

Je mehr Puzzleteile die Hallenser Kommissare Koitzsch und Lehmann in ihrer Ermittlung zusammentragen, desto klarer wird es: Der mysteriöse Mord ohne Motiv weist starke Parallelen zu dem an Uwe Baude vor einiger Zeit auf.

Die Opfer waren einsame Menschen. Was verbindet sie sonst noch? Und was haben eine alte Bekannte, Frau Sommer (Cordelia Wege), und Rita Schmidtke (Jule Böwe), beide aus einer Selbsthilfegruppe für Bindungssüchtige, mit den Morden zu tun?

Koitzsch und Lehmann kommen einem Serientäter, einem Schlüsseldienst und alten Stasi-Seilschaften auf die Spur. Dabei gerät Koitzsch in Lebensgefahr.

Dritter und letzter Fall mit den lakonischen Hallenser Kommissaren Koitzsch (Peter Kurth) und Lehmann (Peter Schneider), der sich als leise-schaurig inszeniertes Psychodrama und mit der eindringlichen Geschichte der beiden Ermittler – kurz nach der Wende ging Koitzschs Ex-Frau mit der gemeinsamen Tochter in den Westen – wiederum vom „Tatort“-Einerlei abhebt (Buch: Clemens Meyer, Regie: Thomas Stuber).

Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht so richtig. Ich habe selbst im Januar 2025 aus der Presse erfahren, dass das wohl so geplant war – nur drei Filme.

Schauspieler Peter Schneider auf die Frage, warum die erfolgreiche „Polizeiruf“-Reihe aus Halle nach nur drei Fällen endet 

Ein würdiger Abschluss, der so offenbar nicht allen Beteiligten einleuchtet. Vor fünf Jahren feierten Kurth und Schneider ihre „Polizeiruf 110“-Premiere. Der Fall „An der Saale hellem Strande“ wurde zum Publikumshit. Fast acht Millionen Menschen schalteten ein.

Beim zweiten Fall in 2024 war die Quote noch besser, die Kritiken waren positiv. Dennoch ist nach diesem dritten Fall Schluss.

ARD/MDR POLIZEIRUF 110: DER WANDERER ZIEHT VON DANNEN, am Sonntag (15.02.26) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Rita Schmidtke (Jule Böwe, l.) und Katrin Sommer (Cordelia Wege, r.). © MDR/Felix Abraham, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter MDR-Sendung bei Nennung "Bild: MDR/Felix Abraham" (S2+). MDR/HA Kommunikation, 04360 Leipzig, Tel: (0341) 300 6477 oder - 6463
Was haben sie mit den Morden zu tun? Rita Schmidtke (Jule Böwe, l.) und Katrin Sommer (Cordelia Wege).

© MDR/Felix Abraham/MDR/Felix Abraham

Warum die erfolgreiche Reihe nach drei Fällen endet, beantwortete Schneider der „Hörzu“ so: „Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht so richtig. Ich habe selbst im Januar 2025 aus der Presse erfahren, dass das wohl so geplant war – nur drei Filme.“

Er verstehe es vor allem nicht, weil es gerade diese „Quote Ost“-Bewegung gebe, wo man sagt: 20 Prozent der Bevölkerung sind ostsozialisiert, also sollten die Geschichten über den Osten beziehungsweise Menschen und Städte und Krimifälle im Osten auch von Leuten erzählt werden, die hier sozialisiert wurden.

Wehmut ja, Ostalgie nein. Mit Peter Kurth (ein waschechter Mecklenburger) und Peter Schneider (in Leipzig geboren) lässt man sich gerne von Ost-Befindlichkeiten oder alten Stasi-Geschichten erzählen, die bis in die Gegenwart ragen.

Dafür sind nun wohl wieder die Kommissare in Magdeburg, Rostock oder Dresden zuständig. Die Ost-Ballade aus Halle zieht von dannen. Es war ein besonderes Kapitel in der Geschichte des deutschen Fernseh-Krimis. Ein besonders gutes.