Zhao Xintong begeistert Snooker-Fans in Berlin: Die Show liefert dieses Mal nicht Ronnie O’Sullivan

Kaum zu glauben, aber Ronnie O’Sullivan war tatsächlich gekommen. Der beste Snookerspieler, den die Welt bislang gesehen hat, stand am Dienstag im Tempodrom am Anhalter Bahnhof in Berlin. Besonders ist das deshalb, weil der Mozart dieser Sportart ein paar Eigenheiten mit sich bringt.
Eine davon ist, dass er mitunter wenige Stunden vor einem Turnier absagt. Begründung: keine Lust, nicht fit – whatever! Niemandem würde man so etwas verzeihen, mit einer Ausnahme: Ronnie O’Sullivan.
„Die Fans hier sind toll“, sagte der Engländer nach seinem erfolgreichen Auftakt beim German Masters gegen den Chinesen Long Zehuang. Nur der Tisch sei wahnsinnig schnell gewesen. In der nächsten Runde wartet Ali Carter, mit dem sich O’Sullivan schon manches Mal gekabbelt hat. „Oh, Ali“, sagte er, als ihm das mitgeteilt wurde. „Mein Lieblingsgegner.“
2017 war O’Sullivan zuletzt beim German Masters in Berlin angetreten. Er verlor damals in der ersten Runde und man rätselte, wie lange seine Karriere noch weitergehen würde. Wie sich herausstellen sollte: noch lange!
50 Jahre ist Ronnie O’Sullivan inzwischen alt. Viele sind mit dem Engländer groß geworden, der bereits im Teenageralter in schwindelerregendem Tempo seine Gegner mitunter deklassierte.
O’Sullivan konnte mit beiden Händen spielen, er verwandelte auch lange Bälle traumwandlerisch sicher, und sein Matchaufbau suchte seinesgleichen. Einen Spieler wie ihn hatte die Welt bis dahin noch nicht gesehen.
Sein einziges Manko: seine mentale Verfassung. O’Sullivan litt und leidet an Depressionen. Er versuchte in jungen Jahren, mit Drogen und Alkohol dagegen anzukämpfen – was natürlich zum Scheitern verurteilt war.
Sieben WM-Titel hat O’Sullivan bereits gewonnen
Die Experten sind sich sicher, dass ein mental gesunder Ronnie O’Sullivan noch viel mehr Titel hätte gewinnen können. Doch auch so sind es viele geworden – unter anderem sieben gewonnene Weltmeisterschaften.
Sein Talent macht es möglich, dass er auch noch in diesem selbst für Snookerverhältnisse hohen Alter auf Topniveau mitspielen kann. O’Sullivan wurde 2022 mit 46 Jahren Weltmeister – in diesem Alter hat das bislang noch keiner geschafft.
Aber wie viele gute Jahre hat er noch? Am Dienstag tat er sich schwer gegen Long Zehuang. Immer wieder streckte er nach einer verschossenen Kugel die Zunge aus dem Mund und schüttelte den Kopf. Einmal hantierte er minutenlang mit der Pomeranze seines Queues. Ein kleines, abstehendes Härchen an der Pomeranze habe ihn gestört, sagte er. O’Sullivan fühlte sich sichtlich unwohl, es reichte dennoch, um die Partie mit 5:1 für sich zu entscheiden.