Popcorn, Licht aus, Film ab!: Berlin ist im Filmfestival-Fieber (ja, jetzt im Frühling!)

Jede Woche sichten wir für Sie die wichtigsten neuen Filme und gerne würden wir Ihnen an dieser Stelle erzählen, dass dies immer in (Programm-)Kinos geschieht.

In Wahrheit schauen manche von uns Filme beruflich (privat, leider auch) oft spätabends auf dem Laptop, manchmal sogar das Happy End noch in der Bahn auf dem Handy. Bitte folgen Sie diesem Beispiel nicht!

Wie glücklich es macht, Filme gemeinsam zu erleben, daran erinnern uns Festivals – und gerade ist Berlin voll im Filmfest-Modus. Wir sehen uns im Dunklen, Ihr Ticket-Team!

1 Filme aus der Großstadt

Filmstill aus Gropiusstadt Supernova zur Ankündigung des Festivals achtung berlin
„Gropiusstadt Supernova“ erzählt von den ungleichen Lebensrealitäten junger Menschen.

© Konrad Waldmann

Auch im 22. Jahr geht es bei „achtung berlin“ um Kino aus der Hauptstadt. Okay, so ganz streng sind sie da nicht, aber zumindest irgendeinen Bezug zu Berlin oder Brandenburg sollten die Filme schon haben.

Ansonsten stehen drei „A“ im Zentrum: Atmosphäre, Augenhöhe mit dem Publikum, aktuell. Es gibt acht Sektionen, davon vier Wettbewerbe. Insgesamt laufen rund 80 Filme und Serien, die Spielfilme und Dokus der Wettbewerbe sind mindestens Berlin-Premieren.

Themen dort sind unter anderem Klassismus wie in „Das Glück der Tüchtigen“; die Lebensrealität junger Menschen zwischen Abschiebung und Schauspielschule in „Gropiusstadt Supernova“ (Foto) oder eine komplizierte Geschwisterbeziehung zwischen Brandenburg und Berlin („Plan F“).

Wie tief das Festival bohrt, zeigt unter anderem die Retrospektive „Der Nachhall der Baseballschlägerjahre“, in der man Filme wie „Oi! Warning“ (1999) der Brüder Dominik und Benjamin Reding oder „Stau – Jetzt geht’s los“ (1992) von Thomas Heise nach vielen Jahren wiedersehen oder neu entdecken kann. Spielorte sind u.a. Colosseum, Lichtblick, Wolf, Il Kino und Bali. (ans)

2 Schätze aus den Archiven

Pepe, der Paukerschreck
Unter Kenner:innen gepflegten Klamauks gefeiert: „Pepe, der Paukerschreck“ (1969)

© Zeughauskino/SDK

Die „seriöse“ Filmgeschichtsschreibung hat ihn eher verschmäht. Dabei zählt der Österreicher Harald Reinl zu den wichtigsten Regisseuren des westdeutschen Nachkriegskinos.

Viele seiner gut 60 Spielfilme waren, wie die „Winnetou“-Trilogie, gewaltige Erfolge. Von künstlerischen Ambitionen ließ sich Reinl nicht bremsen.

Die Retrospektive „Kino ohne Rast“ versammelt 25 Werke des Unterhaltungsfilmprofis, darunter nicht nur bekannte Klassiker, sondern auch nostalgische Trash-Perlen wie „Pepe, der Paukerschreck“ von 1969, dritter Teil der „Die Lümmel von der ersten Bank“-Klamauk-Reihe. Am Reck, von links: Rudolf Schündler, Ruth Stephan und Komödien-Urgestein Theo Lingen (Sa 18.4., 20 Uhr). (wun)

3 Filme aus der arabischen Welt

Filmstill aus dem Film Cotton Queen zur Ankündigung des Festivals ALFILM
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Packendes Coming-of-Age-Drama: „Cotton Queen“ von Suzannah Mirghani

© Frida Marzouk

In dem Dorf am Nil, in dem Nafisa lebt, dreht sich alles um Baumwolle. Sie selbst wird von ihrer Großmutter streng beaufsichtigt. Bis ein Geschäftsmann mit gentechnisch verändertem Saatgut auftaucht und der jungen Frau einen Heiratsantrag macht …

Plötzlich vermengen sich ihre Träume und die wirtschaftlichen Interessen des Dorfes. „Cotton Queen“ (Foto) ist eine Co-Produktion aus dem Sudan, Saudi-Arabien, Katar und Deutschland. Und eine spannende Coming-of-Age-Geschichte.

Zum 17. Mal leuchtet das „ALFILM Festival“ die vielfältige Szene der arabischen Welt aus und nimmt ein großes Spektrum an Ländern, Genres und Themen in den Blick. Für viele der Festivalfilme gilt wohl leider: Wer sie jetzt nicht sieht, sieht sie nie. (ans)

4 Jüdische Filmemacher im Exil

Diese spannende Reihe über jüdische Filmschaffende im Exil hat einen Nachteil: Die Karten sind immer so schnell weg. Auch bei „The Seventh Cross“ von Fred Zinnemann, in dem Helene Weigel eine Nebenrolle hat (1944), hilft nur das Rumhängen an der Abendkasse (Centrum Judaicum, 23.4., 18 Uhr).

Da die Plätze kostenlos sind, kann es durchaus sein, dass manch eine:r nicht auftaucht. Im Anschluss diskutieren Knut Elstermann und Jenny Erpenbeck.

Die nächste Chance wäre „Grand Hotel“ von 1932 nach dem Roman von Vicki Baum (Urania, 28.4., 19:30 Uhr, Restkarten). Aber dann: Am 10. Mai um 18 Uhr läuft „Hotel Berlin“ (1945) im Kino Krokodil. Da sollte es spätestens klappen! (ans)

5 Menschenrechte im Film

Nur verwenden bei Berichterstattung über den Film Mothers of Chibok beim Human Rights Film Festival Berlin
Führt nichts Gutes im Schilde: Ben Kingsley in „Desert Warrior“.

© Capelights Pictures

Vier Tage lang wird es im Zoo Palast gruselig, blutig, mysteriös und verstörend. 18 internationale Produktionen sind beim Fantasy Filmfest (ab 18 Jahre!) zu sehen.

Die US-Produktion „Obsession – du sollst mich lieben“ (Do, 19 und 19:15 Uhr) eröffnet das Festival. Am selben Tag läuft „Desert Warrior“ mit Ben Kingsley (Foto) als sadistischem Kaiser (Do, 21:30 Uhr).

Mit dem Thriller „Rosebush Pruning“ (Titelbild, Fr, 19:30 Uhr) ist zudem ein prominent besetzter Film (u.a. Elle Fanning, Callum Turner, Pamela Anderson, Riley Keough, Jamie Bell) zu sehen, der bereits auf der Berlinale lief. Offizieller Kinostart ist am 23. April. (wei)