Nachruf auf den Comicpionier Hermann Huppen: „Er gehörte zu den besten Zeichnern seiner Generation“

Als Zeichner war er ein Handwerker alter Schule. „Ich glaube an das Kunsthandwerk, nicht an Konzepte, die man dann am Computer umsetzt“, erzählte der Belgier Hermann Huppen dem Tagesspiegel vor einigen Jahren in einem Interview. „Ich ziehe meine Freude daraus, echte Kunst mit meinen Händen zu schaffen“, betonte der Zeichner, der als Künstlernamen nur seinen Vornamen benutzte. „Das würde ich mit dem Computer nie so empfinden.“

Ich gehe in meinen Bildern auf und arbeite so lange an ihnen, bis sie eine intensive Ausstrahlung haben.

Comiczeichner Hermann 2010 im Tagesspiegel-Interview

Mit seiner mit zahlreichen Branchenpreisen ausgezeichneten Kunst und den von ihm teilweise allein und teilweise zusammen mit anderen Szenaristen geschaffenen Bestseller-Serien war der gelernte Schreiner und studierte Möbeldesigner einer der wichtigsten Comiczeichner des 20. Jahrhunderts. Am vergangenen Wochenende ist Hermann mit 87 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Das teilte sein Verlag Le Lombard mit. 

Comic-Cover des am 22.03.2026 gestorbenen belgischen Zeichners Hermann
Klassiker: Die von Greg geschriebene und von Hermann gezeichnete Reihe „Comanche“ wurde vor einigen Jahren beim Splitter-Verlag neu veröffentlicht.

© Splitter-Verlag

Hermann galt als Pionier des franko-belgischen Comics. Seine ersten Arbeiten veröffentlicht er 1966 im Magazin „Tintin“. In den folgenden Jahren machte er sich dann mit Abenteuerserien wie „Andy Morgan“ und „Comanche“, deren Szenario der Autor Michel Louis Albert Régnier alias Greg verantwortete, international einen Namen. In Deutschland wurden sie in den 1970er Jahren in der damals sehr populären Zeitschrift „Zack“ abgedruckt.

Er hat Generationen von Künstlern beeinflusst.

Aus dem Nachruf der Zeitung „Le Monde“

Sein Werk umfasst Western- und Science-Fiction-Comics ebenso wie historische Stoffe und Fantasy-Erzählungen. „Mit seinen 120 in sechzig Jahren veröffentlichten Alben galt er als einer der größten realistischen Zeichner des französisch-belgischen Comics und hat Generationen von Künstlern beeinflusst“, schreibt die französische Zeitung „Le Monde“ in einem Nachruf.

Comic-Cover des am 22.03.2026 gestorbenen belgischen Zeichners Hermann.
Ein weiterer „Comanche“-Band aus dem Splitter-Verlagsprogramm.

© Splitter-Verlag

Auch seine Figuren wirkten im Vergleich zu denen anderer Zeichner rau und hatten sowohl vom Charakter wie vom Erscheinungsbild her Ecken und Kanten. „Ich gehe in meinen Bildern auf und arbeite so lange an ihnen, bis sie eine intensive Ausstrahlung haben“, erzählte der Zeichner im Interview. „Zeichnungen müssen intensiv sein, sonst interessieren sie mich nicht.“ Gerade im Comic, wo man mit unbewegten Bildern arbeite und doch Bewegung vermitteln wolle, „muss man sich besonders bemühen, die Zeichnungen lebendig wirken zu lassen“.

Rauer Strich. Szene aus dem aktuellen "Jeremiah"-Band.
Wiederbelebt. Eine Szene aus der vor einigen Jahren in „Zack“ veröffentlichten Fortsetzung der Reihe „Andy Morgan“.

© Illustration: Hermann/Zack

„Hermann war ein begnadeter Stilist, seine Zeichnungen haben einen großen Wiedererkennungswert und viele seiner dynamischen Actionszenen – seien es nun die Schießereien im Wilden Westen oder die Naturkatastrophen bei Andy Morgan – waren schlichtweg atemberaubend“, schwärmt Ulrich. Mit der großformatigen Neuauflage des Comic-Klassikers in einer schwarz-weißen und einer vierfarbigen Ausgabe will der Verlag „das großartige Artwork von Hermann“ herausstellen, wie Ulrich sagt.

Klassiker. Hermann ist seit Mitte der 1960er Jahre als Comiczeichner und Autor im Geschäft.
Erkennbar am Schnauzbart: In der 2025 auf Deutsch veröffentlichten Graphic Novel „Wiedersehen mit Comanche” wurde Hermann von Romain Renard zeichnerisch verweigt.

© Splitter-Verlag

In dem Neo-Western-Thriller „Wiedersehen mit Comanche“ griff der Comicautor Romain Renard zentrale Motive von „Comanche“ auf – und gab einer wichtigen Figur das Aussehen von Hermann inklusive seines markanten Schnauzbarts. Der Comic wurde Ende des vergangenen Jahres von einer Kritikerjury zur besten Neuerscheinung der Saison gewählt.