Olympische Winterspiele: Olympia-Fehlstart für deutsche Springerinnen – Prevc weint

Den deutschen Skispringerinnen blieb beim großen Medaillen-Showdown nur die Zuschauerrolle, die geschlagene Topfavoritin Nika Prevc weinte bitterlich in den Armen ihres Trainers: Die erste Schanzen-Entscheidung bei den Olympischen Winterspielen in Italien bot Drama und Spektakel, aber nicht das erhoffte erste Edelmetall für das deutsche Team.

Selina Freitag belegte als Beste aus dem Team von Bundestrainer Heinz Kuttin in Predazzo den siebten Platz. „Ich habe es im Vorfeld gesagt, wir kommen hierher, um um Medaillen zu kämpfen“, sagte der unzufriedene Kuttin in der ARD. Er wisse jedoch, „dass du nach so einem Tag nicht draufhauen kannst, dass du wirklich Ruhe bewahren und sachlich bleiben musst und einfach weiterarbeiten musst.“

Norwegerin Stroem gelingt Gold-Coup

Freitag machte ihr guter zweiter Sprung Mut. „Der zweite Sprung ist auf jeden Fall Motivation. Also weiter dran arbeiten, dass wir da oben stehen“, sagte sie. „Jetzt ist auch so ein bisschen der Druck abgefallen und das nehme ich mit.“

Zur Olympiasiegerin krönte sich überraschend nicht die Slowenin Prevc, sondern Anna Odine Stroem aus Norwegen. Sie jubelte ausgelassen mit ihren Teamkolleginnen und schien ihren Erfolg kaum fassen zu können. Stroem verwies Prevc mit Sprüngen auf 100 und 101 Meter auf den zweiten Platz. Bronze ging an die Japanerin Nozomi Maruyama. „Sie ist schlagbar. Jeder hat mal einen guten und mal einen schlechten Tag“, kommentierte Freitag Prevc’ Silberrang.

Reisch sprang als zweitbeste Deutsche auf den neunten Platz. Fahnenträgerin Katharina Schmid landete auf Rang 16. Sie alle waren in einem packenden Kampf um die Podestplätze nur Nebendarstellerinnen.

„Im Moment bin ich ein bisschen enttäuscht“, sagte Schmid. „Es war vielleicht nicht ganz so locker. Aber wer ist schon bei Olympia locker?“

Polonaise und Vuvuzelas an der Schanze

Bei eisigen Temperaturen an der Schanzenanlage im Val die Fiemme sahen die Zuschauer auf den gut gefüllten Tribünen schon im ersten Durchgang eine spannende Sprungshow. Die lange Wartezeit vor dem großen Finale vertrieben sich einige von ihnen mit einer Polonaise, französische Fans hatten Vuvuzelas dabei. Wegen großer Glätte musste das Olympia-Maskottchen beim Gehen gestützt werden.

Viele Fans waren aus Slowenien vor allem für Prevc gekommen. Sie durften sich zwar über die erste Medaille beim ersten Olympia-Wettkampf der Karriere für die 20-Jährige freuen. Mit dem erhofften Gold wurde es aber nichts.

Die Schwester von Vierschanzentourneesieger Domen Prevc dominiert diesen Winter eigentlich, wie ihr Bruder bei den Männern. Sie gewann in dieser Saison schon 13 Weltcupspringen und liegt im Gesamtweltcup souverän vorne.

Für Stroem war es ebenfalls die erste Olympia-Medaille und dann gleich Gold. Es ist der mit Abstand größte Karriereerfolg der 27-Jährigen.

Schub der Eröffnungsfeier bleibt aus

Die deutschen Springerinnen waren nicht als Topfavoritinnen, aber durchaus mit realistischen Medaillenchancen gestartet. Freitag schaffte es in diesem Winter bereits sechsmal auf das Podest. Im Gesamtweltcup liegt die 24 Jahre alte Sächsin auf Rang fünf. Sie sprang in Predazzo nun 94,5 und 97,5 Meter weit.

Auch Reisch zeigte zuletzt Leistungen auf konstant hohem Niveau. Im Training auf der umgebauten Olympia-Schanze lief es bei ihr ebenfalls gut. Nun reichte es jedoch nur zu Sprüngen auf 92 und 93 Meter.

Für Fahnenträgerin Schmid ist die letzte Saison ihrer Laufbahn bei weitem nicht die beste. Trotzdem hatte sich die siebenmalige Weltmeisterin aus Oberstdorf Medaillenchancen ausgerechnet.

Die emotionalen und glückseligen Momente der Eröffnungsfeier, die Schmid als „mega-mega-cool“ bezeichnete, sollten einen zusätzlichen Schub geben. Das gelang mit Sprüngen auf 89 und 97,5 Metern nicht. Juliane Seyfarth als vierte deutsche Starterin schied bereits nach dem ersten Durchgang aus.

Die Springerinnen haben nun bis Dienstag Wettkampfpause. Dann steht das Mixed-Team auf dem Programm.

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