Graphic Novel zur Balkanroute: Reem Helous Fluchtgeschichte kommt ins Museum

Ein plötzlicher schöner Duft im Flüchtlings-Schlauchboot, der unerwartet Hoffnung macht; schräge Schlepper, denen junge Frauen die Stirn bieten: zwei Szenen aus der Graphic Novel „Die Balkanroute“, an der die Berlinerin Reem Helou aktuell arbeitet.

Der Tagesspiegel berichtete im Sommer 2025 über das Projekt, in dem die aus Syrien stammende Zeichnerin ihre Flucht 2015 verarbeitet. Durch den Artikel ist das Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin auf die Illustratorin und Bühnenbildnerin mit einem Master of Fine Arts aufmerksam geworden.

Bereichernde Zusammenarbeit

„Die Fluchtgeschichte sowie das Graphic-Novel-Projekt haben mich sehr beeindruckt und dazu veranlasst, Kontakt mit der Künstlerin aufzunehmen“, berichtet Bibliothekarin Ursula Wallmeier. Daraus sei eine enge und sehr bereichernde Zusammenarbeit entstanden: „Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts des Instituts für Museumsforschung, des Ethnologischen Museums / Museums für Asiatische Kunst sowie des Exzellenzclusters Temporal Communities der Freien Universität Berlin werden wir in der Ausstellung „ErzählStoff“ die Entstehung dieser Graphic Novel vorstellen.“

Reem Helou aus Syrien sitzt an ihrer Graphic Novel "Die Balkanroute". Die 39-Jährige Illustratorin, Bühnenbildnerin und Master of Fine Arts ist 2015 nach Berlin geflüchtet.
Reem Helou bei der Arbeit an ihrer Graphic Novel „Die Balkanroute“.

© Reem Helou

Sie habe fasziniert, wie Helou mit dem Handy und mit Notizen schon während der Ausnahmezeit in ihrem Leben alles dokumentiert und dank Humor, auch Galgenhumor, vieles verarbeitet habe. Aktuell sucht Helou einen Verlag und ist auf Präsentationstour. Sie sitzt gerade an der Version ihres Buches auf Deutsch.

Reem Helou aus Syrien sitzt an ihrer Graphic Novel "Die Balkanroute". Die 39-Jährige Illustratorin, Bühnenbildnerin und Master of Fine Arts ist 2015 nach Berlin geflüchtet.
Wachposten an den Kontrollstellen auf der Straße in Syrien: Eine Szene aus der Graphic Novel „Die Balkanroute“.

© Reem Helou

Grußworte sprechen Andrew James Johnston (Co-Sprecher des EXC 2020 Temporal Communities), Alexis von Poser sowie Patricia Rahemipour vom Forschungscampus Dahlem. Im Anschluss geben die Kuratorinnen und Kuratoren Einblicke in die Konzeption und Entstehung der Ausstellung.

Flechtmatten machen Literatur zum Erlebnis

Literatur verbinden viele Menschen in unserer Kultur zumeist mit dem gedruckten Buch. „ErzählStoff“ fordere zum Perspektivwechsel heraus, heißt es bei den Staatlichen Museen: Ausgehend von überraschenden Objekten, wie chinesischen Orakelknochen, einem japanischen Paravent oder geflochtenen Matten von der ostafrikanischen Swahili-Küste, werde „Literatur in ihrer Materialität, als gelebte Praxis und ästhetische Erfahrung in den Blick gerückt“.