Finnischer Hattrick aus dem Nichts

Petar Musa machte sich in der Halbzeitpause intensiv warm und nach dem äußerst schwachen ersten Durchgang war ein zeitiger Wechsel absolut verständlich. Der kroatische Winterzugang des 1. FC Union hat sich in den vergangenen Wochen im Sturmzentrum meist mit Joel Pohjanpalo abgewechselt und so schien der Arbeitstag des Finnen ein frühes Ende zu nehmen. Doch Trainer Urs Fischer hatte andere Ideen, wechselte zur Pause den angeschlagenen Max Kruse aus – und Pohjanpalo dankte es ihm.

Fünf Minuten nach Beginn der zweiten Hälfte ging Union gegen Werder Bremen in Führung, zwei Minuten später stand es 2:0. Torschütze jeweils: Pohjanpalo. Vorbereiter des zweiten Treffers: Musa. Eine Viertelstunde später machte der Finne auf Pass von Musa gegen nun auseinanderfallende Gäste per Konter seinen lupenreinen Hattrick perfekt. „Das ist ein überragendes Gefühl“, sagte Pohjanpalo. Durch die deutliche Leistungssteigerung gewannen die Berliner am Samstag im leeren Stadion An der Alten Försterei gegen Bremen letztlich verdient 3:1 (0:0).

Damit verbessert sich Union zumindest bis Sonntag auf Rang sieben und darf weiter auf eine Europapokalteilnahme hoffen. „Der internationale Platz wäre die Krönung, aber wir machen die Saison nicht davon abhängig“, sagte Torwart Andreas Luthe. „Der Klassenerhalt ist eigentlich unsere Meisterschaft.“ Etwas getrübt wurde die Berliner Freude jedoch durch die womöglich schwere Knieverletzung von Cedric Teuchert, die er in der Nachspielzeit ohne fremde Einwirkung erlitt. „Ich hoffe, bei Cedi geht alles gut, aber das sah nicht gut aus“, sagte Pohjanpalo.

Für Bremen spitzt sich die Lage hingegen zu. Nach der siebten Niederlage in Folge wird es für Werder immer enger. In dieser Form ist die Mannschaft erster Anwärter auf den zweiten direkten Abstiegsplatz nach Schalke 04.

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Im dritten Spiel innerhalb von acht Tagen rotierte Fischer auf vier Positionen. „Die Spiele gegen Stuttgart und Dortmund haben viel Kraft gekostet“, hatte Unions Trainer schon im Vorfeld gesagt und beorderte Julian Ryerson, Nico Schlotterbeck, Christian Gentner und Pohjanpalo anstelle von Christopher Trimmel, Grischa Prömel, Keita Endo und Musa in die Startelf. Damit stellte Fischer auch wieder auf Dreierkette um.

Die taktische Änderung war aber eher nicht der Grund für die schwache erste Hälfte. Angesichts der fast schon chronischen Bremer Erfolgslosigkeit war es nicht sonderlich überraschend, dass Werder sehr defensiv auftrat und erst einmal darauf bedacht war, kein Gegentor zu kassieren.

Union tat sich gegen die kompakten Gäste allerdings überraschend schwer. Die Berliner hatten viel Ballbesitz, spielten geduldig hinten herum, ließen aber jegliche Kreativität vermissen. In der gegnerischen Hälfte fehlten die Ideen, die es gegen eine tiefstehende Abwehr braucht. Wenn doch mal ein Spieler einen guten Einfall hatte, haperte es massiv an der Umsetzung – und der Ball geriet wahlweise zu lang, zu kurz, zu stark oder zu schwach.

Der Zufall hilft beim 1:0

So war trotz der sehr begrenzten Anzahl an Mitarbeitern, Journalisten und Auswechselspielern im Stadion immer wieder ein enttäuschtes Raunen zu hören. Es war wirklich nicht schön, was die Mannschaften in den ersten 45 Minuten boten. „In der ersten Hälfte waren wir zu behäbig und zu kompliziert“, sagte Christian Gentner. Ein von Marco Friedl gerade noch abgeblockter Schuss von Robert Andrich und ein letztlich harmloser Abschluss von Bremens Milot Rashica waren die einzigen halbwegs nennenswerten Strafraumszenen. Selbst sechs Eckbälle halfen Union nicht zu mehr Gefahr und so war Fischer seine Unzufriedenheit deutlich anzumerken. „Da kannst du nicht abseits stehen!“, rief er wütend in Richtung Pohjanpalo, nachdem dieser eine gute Pressingsituation unaufmerksam zunichte gemacht hatte.

In den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel deutete zunächst nichts darauf hin, dass sich die Qualität des Spiels deutlich verbessern würde. So musste der Zufall kräftig mithelfen, um zumindest Union aus der Lethargie zu erwecken. Ein Eckball von Marcus Ingvartsen prallte von Marvin Friedrich zu Bremens Niclas Füllkrug und von dort vor die Füße Pohjanpalos. Der Stürmer traf den Ball aus wenigen Metern nicht wirklich gut, das reichte aber für das wichtige Führungstor. „Dass wir durch einen Standard in Führung gehen konnten, war der Dosenöffner“, sagte Fischer.

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Bremen war nun geschockt und ließ sich zwei Minuten später überrumpeln. Einen langen Ball aus der eigenen Hälfte verlängerte Musa per Kopf in den Lauf von Pohjanpalo und der traf mit rechts ins linke Eck. Beim 3:0 waren erneut die beiden Stürmer entscheidend beteiligt, dieses Mal traf Pohjanpalo auf Pass von Musa mit links in die rechte Ecke. „Wir leisten uns einen 15-Minuten-Blackout, das ist nicht erklärbar“, kritisierte Bremens Trainer Florian Kohfeldt.

Seine Mannschaft fiel in dieser Phase in ihre Einzelteile auseinander und Union hatte weitere Chancen. Musa und Robin Knoche scheiterten aber an Jiri Pavlenka. Fischer wechselte nun munter durch und der dreifache Torschütze Pohjanpalo bekam seinen verdienten Applaus von den wenigen Anwesenden. Das Spiel trudelte nun seinem Ende entgegen, Bremen zeigte aber zumindest noch eine kleine Reaktion. Theodor Gebre Selassie köpfte den Ball ins verwaiste Tor, nachdem Andreas Luthe bei einer Faustabwehr nicht allzu glücklich ausgesehen hatte. Zu mehr reichte es für Werder aber nicht.