Die Klassik-Tipps der Woche für Berlin: Hier kommt die brisanteste Opern-Premiere der Saison

Die Oper „Der fliegende Holländer“ gilt als idealer Einstieg in die Welt von Richard Wagner. An der Deutschen Oper inszeniert der Schweizer Regisseur Milo Rau und gibt dem Werk eine neue Deutung. Das dürfte Diskussionen geben, die sicher eingepreist und vor allem erwünscht sind.

Außerdem zu erleben: einer der weltbesten Harfenisten, eine Oscar-Gewinnerin, der Rundfunkchor lädt zur Lounge und das DSO spielt Videospiel-Soundtracks.

Das sind unsere Klassik-Tipps der Woche.

1 Rundfunkchorlounge

Pressefoto Event Rundfunkchorlounge
Intime Location: die Rundfunkchorlounge im Heimathafen

© Rundfunkchor/Patricia Haas

Wenn auf Brahms „Sehnsucht“ (Es rinnen die Wasser) „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel folgt, befinden sie sich in der Rundfunkchorlounge im Heimathafen. Seit zehn Jahren lädt der Rundfunkchor zu Themenabenden mit Musik und Gesprächen.

Die erste Ausgabe dieser Spielzeit trägt den Titel „Sauberes Wasser und schmutzige Geschäfte“. Moderatorin Vivian Perkovic spricht mit Umweltjuristin Dr. Laura von Vittorelli und Mika Schachenmayr von Fridays for Future. Der Rundfunkchor unter Gijs Leenaars und weitere Solisten beleuchten das Thema mit Chor- und Kammermusik.

Bei Aoi Hasegawas „Petrichor“ lässt der Chor Regen hörbar werden. Das Gedicht „La mer est plus belle“ ist in der Vertonung von Debussy sowie von Nadia Boulanger zu hören sowie zahlreiche weitere Werke – ob a capella oder mit Klavier und Cello Begleitung.

2 Game on Symphony

Raúl da Costa Klavier - zu DSO Gaming Konzert
Die Inszenierung von Milo Rau integriert Videos, die im Sommer in Israel aufgenommen wurden

© Matthias Horn

Bleibt Deutschland nach dem Holocaust auf ewig in seiner Schuld gefangen? Der Schweizer Autor und Regisseur Milo Rau ist dafür bekannt, sein Publikum mit radikalen Deutungen aufzurütteln. In seiner Inszenierung von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ verwandelt er die Geschichte des ruhelos über die Meere irrenden Seefahrers in eine Reise durch die deutsche Vergangenheit. Kann das Land, auf dem die Verbrechen der Nazis bis heute lasten, durch eine Versöhnung mit Israel Erlösung finden? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Die mythische Erzählung des bekennenden Antisemiten Wagner wird durch eingeblendete Filmaufnahmen direkt mit unserer Zeit konfrontiert.

„Ich versuche immer, eine Oper und die Wirklichkeit aneinander zu messen und beides aufeinanderprallen zu lassen“, sagt Rau. Nun führt er zum ersten Mal Regie bei einer Wagner-Oper. Der „fliegende Holländer“ ist bei Wagner mit dem Mythos von Ahasver, dem „ewigen Juden“, verbunden. „Der Holländer trägt eine schwere Schuld, er kann nicht sterben und muss auf einem Geisterschiff herumirren“, sagt er. „Für mich verkörpert er das kollektive Bewusstsein von der deutschen Schuld am Holocaust. Senta, die ihn erlösen will, steht hier für Israel. Nur die Liebe Israels – oder zumindest sein Einverständnis – kann Deutschland von dieser Schuld befreien.“

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Xavier de Maistre war Solo-Harfenist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und den Wiener Philharmonikern. Seit 2001 unterrichtet er an der Musikhochschule in Hamburg

© Nikolaj Lund

Rudern oder Harfe? Vor dieser Entscheidung stand Xavier de Maistre in seiner Jugend. Im Boot hatte er es bereits bis in die französische Nationalmannschaft geschafft. Er war von seiner Harfenlehrerin aber so begeistert, dass er auf ein großes Rennen verzichtete und lieber an einem Harfenwettbewerb teilnahm. Er stieg nie wieder in ein Ruderboot, verriet er in einem Interview.

Heute gilt er als der bedeutendste Harfenist der Gegenwart, der die Harfe als Soloinstrument in den Fokus rückte, auch indem er vergessene Werke wiederentdeckte aber auch neue Stücke in Auftrag gab. Das Harfenkonzert „Trans“ der finnischen Komponistin Kaija Saariaho (1952-2023) durfte er 2016 uraufführen. Saariaho gibt der Harfe einen eigenen Raum, bringt sie in Dialog mit anderen Soloinstrumenten.

Dima Slobodeniouk dirigiert das Rundfunk-Sinfonieorchester. „Trans“ wird gerahmt von Samy Moussas Orchesterhymne „Adgilis Deda“ und Schostakowitschs eher selten gespielter 6. Sinfonie.

5 Kammermusik mit Hecker & Helmchen

Martin Helmchen und Marie-Elisabeth Hecker, 2025, Copyright www.peterrigaud.com
Die Komponistin Hildur Guðnadóttir hat ihre früheren Werke für großes Orchester arrangiert

© Camille Blake

Bei ihren ersten Alben hätte sie versucht, allein ein Streichorchester zu sein, so die Komponistin, Sängerin und Cellistin Hildur Guðnadóttir. Jetzt, 20 Jahre und einen Oscar, einen Golden Globe (für „Joker“) sowie einen Emmy und Grammy (für die HBO-Serie „Chernobyl“) später, konnte sie sich den Traum erfüllen, ihre Musik von einem Orchester gespielt zu hören. Damit feiert sie das 20-jährige Jubiläum ihres ersten Albums „Mount A“.

Die Meisterin des Minimalismus, die sich zwischen klassischer und experimenteller Musik bewegt, blickt auf „This will be us“ (DG) auf Stationen und Werke ihrer Karriere zurück. Darunter auch auf den Score von „Joker“. Wie auf dem Album spielt sie mit dem Deutschen Symphonie-Orchester unter der Leitung von Robert Ames.

7 Kathrin Pechlof Trio

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