Nach dem Monsun: Das späte Glück von Tokio Hotel: Diese Konzerte in Berlin sollten Sie nicht verpassen
Außerdem für Sie ausgewählt: Mummenschanz-Metal, Sturm und Drang aus Wien, Friesenpunks, Experimentalrocker aus New York und die schottischen Erben der Byrds. Dies sind unsere Konzertempfehlungen für die nächsten Tage.
1 Behemoth & Dimmu Borgir

© Landstreicher/Promo
Halloween ist zwar noch ein paar Tage hin, aber wer noch Verkleidungstipps zum Leute erschrecken sucht, wird bei diesem Black-Metal-Doppelkonzert garantiert fündig.
Denn die beiden Acts, die polnische Band Behemoth (Foto) und Dimmu Borgir aus Norwegen, knüppeln nicht nur Schredderlärm mit genreüblichem Grunzgesang, sie pflegen auch eine Vorliebe für morbiden Mummenschanz.
Musiker mit beelzebubigen Kunstnamen wie Nergal, Inferno (Behemoth), Shagrath oder Silenoz (Dimmu Borgir) verbergen ihr ziviles Antlitz hinter leichenblasser Schminke und garstigen Latexkrallen. Schrill.
2 Leftovers

Natürlich sind Vergleiche mit Nirvana oder Pixies schon wegen des selbstzerstörerischen Brüllgesangs unvermeidlich, aber auch die frühen Tocotronic – ohne Ironie und Freiburg – sind nicht so weit weg. Völlig zu Recht reklamiert die Band aber die Gegenwart für sich, gelingt den Leftovers doch ein gänzlich antinostalgischer Zugriff auf große Emotionen.
3 Tokio Hotel

Als zusätzlich zur realen Dauerbelästigung durch enthemmte Fans und Hater noch Social Media sein hässliches Haupt erhob, zogen die Kaulitz-Brüder die Reißleine. 2010 verlegten sie ihren Wohnsitz nach Kalifornien, wo sie – L.A. hat eine andere Promi-Dichte als Hamburg – unbehelligt leben können.
Seither sind sie als Teil einer Celebrity-Patchworkfamilie (Tom) und genderfluides Role Model (Bill) zu allseits gemochten Paradiesvögeln der Popwelt geworden, die sich in diversen Medienformaten harmlos-niedlich selbst inszenieren.
Und die sich vermarkten, schließlich ist Tokio Hotel immer noch die globale Plattform für ein Geschäftsmodell. Auf der wurde eben kürzlich das siebte Album „Encore“ lanciert, das die Band künstlerisch in guter Verfassung präsentiert.
Ihr handwerklich und stimmlich grundsolider Emo-Pop schlägt kein neues Kapitel in der Pophistorie auf, kann aber, besonders in potenziellen Hits wie „Wanderlust“ oder „Dye My Hair“, mit internationalen Topacts wie Thirty Seconds From Mars oder Imagine Dragons locker mithalten. Da legen wir uns gern auch mal wieder eine CD ein.
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4 Turbostaat

© Anna Powell Denton
Wenn es um ambitionierte Albumprojekte geht, macht Ryan Lott (links) niemand etwas vor: Gemeinsam mit Gitarrist Rafiq Bhatia (rechts) und Schlagzeuger Ian Chang (Mitte) bildet der 47-jährige Amerikaner die Experimentalrock-Band Son Lux, die seit 2008 von New York aus ein Alternativ-Imperium zu den Art-Pop-Weltherrschern Radiohead aufbaut.
Zu Lotts risikofreudigen Vokalexkursionen intonieren Son Lux irrwitzige Achterbahnfahrten durch albtraumartige Klanglandschaften. Nachdem die Albumtrilogie „Tomorrows I-III“ (2021) und die Filmmusik zum Oscar-Abräumer „Everything Everywhere All at Once“ das Komplexitätslevel in unmessbare Höhen geschraubt hatten, gibt sich das neue Album vordergründig bescheiden: neun Songs, 36 Minuten, vergleichsweise konventionelle Songstrukturen.
Doch der Titel „Out Into“ ist nicht zufällig gewählt: Ohne ihre Wurzeln in Post-, Math- und Progrock zu verleugnen, kennzeichnet die neuen Stücke ein Wille zum Groove, der an Neunziger-Hip-Hop (Jungle Brothers) oder die P-Funk-Supertanker Funkadelic denken lässt. Extraterrestrischer Reptiloiden-Soul für planetare Hipsterscharen. Ganz weit draußen!
6 Teenage Fanclub