Demokratische Architektur: Gut wirds nur, wenn viele mitmachen

Vergangene Woche schrieb das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig (wieder einmal) deutsche Städtebaugeschichte: Die Bundesregierung wurde in letzter Instanz verurteilt, die deutsche CO2-Bilanz radikal zu verbessern. Wie es die vom Bundestag verabschiedeten Gesetze und die internationalen Verträge vorsehen, muss sie alles tun, um die Emissionen bis 2030 – das sind noch vier Jahre! – auf 65 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken.

Ohne den tiefgreifenden Umbau unserer Städte, unseres Verkehrs, unseres Wohnens, unserer Verwaltungen wird das nicht gehen. Es wird auch nicht genügen, „die Fachleute“ und „den Markt“ agieren zu lassen. Wir müssen selbst mitmachen, und sei es nur, um unsere Städte nicht sozial noch weiter auseinanderbrechen zu lassen – und als Antidot gegen die üble und letztlich antidemokratische „Deutschland geht unter“-Miesepetrigkeit.

Wege in diese Richtung zeigt das Aedes Architekturforum in der Christinenstraße noch bis Ende der Woche in der Ausstellung „Democratic Design“. Bürgerbeteiligung ist zwar der Gottseibeiuns vieler Planerinnen und Planer – doch hier lernt man, wie viel gute Laune sie machen kann. Klar sind nicht alle Ergebnisse unumstritten, etwa der Radschnellweg unter dem Dach der U-Bahntrasse am Landwehrkanal oder das Verfahren um die Kreuzberger einstige Dragonerkaserne. Aber die Rettung des Mündungsgebiets der Schelde in den Niederlanden, die französischen oder Münchner Gemeinschaftshäuser auf den Dächern bestehender Bauten, das Straßen-Projekt Kopernikus in Rudolstadt (ja, noch ist Thüringen nicht verloren an AfD-Autoritätshörige) – das alles weckt gute Geister auf. Auch wenn bei den Fotos aus dem selbstverwalteten Studentenheim aus Holz in Heidelberg die große Frage allen Gemeinschaftswohnens bleibt: Wer putzt das Klo, wer die Küche?

"East Quay", Initiator:innen: Invisible Studio / Onion Collective Credit: Piers Taylor