Die Klassik-Tipps der Woche für Berlin: Simon Rattle dirigiert das Werk eines seiner liebsten Komponisten
16 Jahre lang war Simon Rattle Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. In der Stadt ist er noch immer zu Hause und kehrt regelmäßig ans Pult des Orchesters zurück. In diesem Jahr steht ein Werk von Leoš Janáček im Zentrum des Programms. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dessen Œuvre.
An der Deutschen Oper wird es spektakulär mit Stockhausen, auf dem Musikfest experimentell und elektronisch. Aber auch Händel und Wagner sind in dieser Klassik-Woche zu erleben. Das Musikfest geht mit dem RIAS Kammerchor zu Ende. Das sind unsere Klassik-Tipps der Woche.
1 Opernkonzert mit Klaus Florian Vogt

© Harald Hoffmann
Es wäre wohl untertrieben zu behaupten, Klaus Florian Vogt ist voll im Stoff. Der Tenor ist einer der großen Wagner-Interpreten unserer Zeit. Seinen Durchbruch feierte er vor rund 25 Jahren mit „Lohengrin“. In diesem Jahr sang er bei den Bayreuther Festspielen gar alle großen Rollen in allen vier Opern des Zyklus in einem Sommer.
Begleitet vom Rundfunk-Sinfonieorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer singt er in diesem Opernkonzert zahlreiche Arien aus Wagner-Opern (Meistersinger, Parsifal, Lohengrin, Tannhäuser) und Carl Maria von Webers „Freischütz“, der ein Vorbild für den jungen Wagner war.
Den Abschluss bilden zwei Werke aus Operetten von Franz Léhar. Der Weg von Wagners Leitmotiven und dem „Wall of Sound“ zur populären Kultur ist bekanntlich nicht allzu weit.
2 Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker

© Gert Mothes
Das Ensemble Modern gehört zu den weltweit führenden Formationen für Neue Musik. Rund 20 Uraufführungen spielt es jedes Jahr. So auch beim Musikfest. Márton Illés’ Komposition „von mund zu mund“ ist ein Auftragswerk, gemeinsam mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart, dem SWR Experimentalstudio und den Berliner Festspielen. Sie alle bringen das Werk für Stimmen, Ensemble und Live-Elektronik unter der Leitung von Michael Wendeberg (Foto) im Rahmen des Musikfests auf die Bühne des Kammermusiksaals.
„Von mund zu mund“ (Text: Felix Reinhuber) erzählt die Geschichte der Sprachentwicklung des Menschen über die Zeit. Vor der Pause erklingen von Clara Iannotta „They left us grief-trees wailing at the wall“ und „echo from afar (ii)“, die beide während der Pandemie entstanden. Hier kommen verstärkte Instrumente und Elektronik zum Einsatz.
„They left us“ ist beeinflusst von der Erkrankung der Mutter der Komponistin, der Pandemie und einer eigenen schweren Krankheit. Das Stück „war ein bisschen wie die Suche nach Geborgenheit in einer besonders schwierigen Situation“, so die Komponistin. Der Schmerz zeigt sich in abrupten Ausbrüchen der Musik.
4 Karlheinz Stockhausen „Mittwoch aus Licht“

© Marcus Lieberenz/bildbuehne.de
Selbst Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ ist ein kleiner Spaziergang im Vergleich mit dem Zyklus „Licht“, der jedem der sieben Wochentage eine abendfüllende Oper widmet. Maxime Pascal hat bereits die anderen sechs Teile aufgeführt, mit „Mittwoch“ an der Deutschen Oper Berlin vollendet er seine Reise durch den Stockhausen-Kosmos.
„Seit über 15 Jahren arbeite ich nun quasi täglich an diesem Zyklus. Bis zu 200 Mitwirkende können für die Aufführung eines der sieben Teile nötig sein. Das erfordert eine große Hingabe aller Beteiligten. Ich bin sicher, dass es sich um ein bedeutendes Werk handelt. Diese Oper wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts vollendet und stößt Türen auf. Es geht um den Krieg und wie er die Kindheit sowie die folgenden Generationen beeinflusst. Dieses Thema ist in unserer verrückten Zeit leider immer noch sehr aktuell.“ Der Zyklus „Licht“ ist für ihn eine Feier des Lebens, der Natur, der Humanität und der Klänge sowie des Zuhörens, betont er.

© Youqi
Es ist ein Taumel zwischen Sehnsucht, Wahnsinn und Schmerz: Die Kantate „Il Delirio amoroso“ von Georg Friedrich Händel im Zentrum des Saisonauftakts der Akademie für Alte Musik. Entstanden in seiner Zeit in Italien, erzählt sie die Geschichte der Schäferin Clori nach dem Tod ihres Geliebten Tirsi. Es singt Sopranistin Jiayu Jin (Foto). Händel lässt hier einzelnen Instrumenten immer wieder Raum.
Weitere Werke im Programm sind die Suite aus der Oper „Alcina“ mit zwei Arien, das Oboenkonzert g-Moll HWV 287 (Solistin: Xenia Löffler) sowie Gigue und Passacaille aus der Oper „Radamisto“. Musikalische Leitung: Bernhard Forck.
6 RIAS Kammerchor mit dem DSO