Kinostarts der Woche: Chéri, ich komme! Wie geht Orgasmus Ü50?
Den meisten dürfte der Begriff „Gender-Pay-Gap“ bekannt sein. Ein Schlafzimmer-Pendant dazu gibt es übrigens auch: die „Orgasm-Gap“. Dreimal dürfen Sie raten, wer auch hier mal wieder den Kürzeren zieht. Der Problematik widmet sich Regisseurin Rheem Kherici in ihrer neuen Liebeskomödie („Chéri, ich komme!“).
Wofür sich der Kinobesuch diese Woche sonst noch lohnt, lesen Sie hier.
1 Toy Story 5
Es gibt Filmtitel, die einen eher ins Kino locken als „Toy Story 5“. Die „5“ im Titel mag nach öder Franchise-Routine klingen. Doch kurzweilige, amüsante und anrührende 102 Minuten später weiß man: Die Kinomagier von Pixar, haben es mal wieder hinbekommen.
„Toy Story 5“ erzählt die hochkomplexe, verästelte, mittlerweile Jahrzehnte realer und fiktiver Zeit überspannende Geschichte von Woody, Buzz, Jessie und all den anderen Spielzeugen und ihren menschlichen Eigentümern kongenial weiter.
Wie in jedem Teil gibt es auch hier eine existenzielle Bedrohung für die Spielzeuge. Bonnie, die mit überbordender Fantasie gesegnete achtjährige Besitzerin der kunterbunten Rasselbande, wird von ihren Mitschülerinnen gehänselt, weil sie noch uncool mit analogen Spielzeugen hantiert, anstatt, wie in ihrer Alterskohorte längst üblich, ihre Zeit vor dem mobilen Endgerät mit Social Media und Games zu verbringen.
Bonnies reflexhafte Verbannung ihrer geliebten Spielzeuge und die von den Eltern gut gemeinte Anschaffung eines Lilypads, eines altersgerechten Tablets mit Froschaugen, verwandeln das Kind in eine bildschirmsüchtige Userin. Und das Sleepover mit den ersehnten neuen Freundinnen entpuppt sich als geistloses Zeittotschlagen ohne Gemeinschaftserlebnis oder kreativen Funken.
Natürlich geben sich die Toys, angeführt vom hemdsärmeligen Cowgirl Jessie, nicht so einfach geschlagen von den neumodischen Geräten und setzen alles daran, Bonnie auf den Pfad des fantasievollen Spielens zurückzuführen.
Wie die besten Pixar-Filme ist auch „Toy Story 5“ ein Kinospaß für alle Altersgruppen. Es gibt Action, Slapstick und Niedliches für die Kleinen und Drama, Popkultur-Zitate und Meta-Ebenen für die Großen. Vielschichtige Themen wie Bildschirmsucht und das Abtauchen in virtuelle Realitäten werden auf eine für Kinder verständliche Ebene heruntergebrochen und ohne moralisierenden Unterton verhandelt. (Jörg Wunder)
2 Wham! 10 Days In China
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Es gibt ja diesen Kinotrick, dass man dem Antihelden ein süßes Tier zur Seite stellt, und schwupps, färbt die Sympathie ab.
In der Verfilmung des Bestsellers „H is for Hawk“ sind weder die menschliche noch die tierische Hauptfigur besonders flauschig: Helens neue Mitbewohnerin Mabel, ein Habichtweibchen, ist so wunderschön wie furchterregend.
Und sie selbst (super: Claire Foy aus „The Crown“) eigenbrötlerisch, arrogant und schroff. In einer Szene sieht man die Nachwuchs-Wissenschaftlerin bei einer äußerst distinguierten Teeparty auf dem Campus von Cambridge: Sie – den flatternden Vogel auf der Faust – erklärt einer Professorin genervt den Unterschied zwischen Falke und Habicht („Kampfhubschrauber im Tiefflug“).
Die Liebe zu Greifvögeln verband sie mit ihrem Vater (Brendan Gleeson). Und in der Trauer nach dessen Tod kauft sie den jungen Habicht quasi als Rettungsring.
Während sie mit dem schönen Monster ringt, versteht man, dass Trauer einen absolut aus der Bahn werfen kann – und zur Bewältigung blutige Fasanen in einer verlotterten Küche gehören können.
Wer keinen Trost braucht, könnte diese (wahre) Selbsttherapie allerdings einen Tick langweilig finden. (Antje Scherer)
4 Dreams – Gefährliches Verlangen
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20 Jahre lang hat Fanny ihre Orgasmen Tom nur vorgespielt. Die Lust, die sich in Toms Gesicht beim Höhepunkt zeigt, trotz aller Sorgen, die sich aus seiner Arbeitslosigkeit ergeben, will Fanny endlich auch erleben.
Kurz fühlt sich Tom betrogen und als Versager, dann bildet sich der Ingenieur und Erfinder mithilfe eines Stapels Selbsthilfeliteratur, der Ratschläge der Buchhändlerin und des Internets fort.
Das führt unter anderem zu einem Höllenritt mit Fanny über das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes, und beinahe hätten die Vibrationen zum Erfolg geführt. Schließlich entwickelt das Paar gemeinsam einen innovativen Vibrator, den „Womanizer“.
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Doch in Wirklichkeit sind es Nuancen in der gegenseitigen Wahrnehmung und Wertschätzung der Partner, an denen das glückliche Paar wächst. Für die Inszenierung ist dieses Glück ein Problem.
Regisseurin Rheem Kherici wagt es nicht, die Sache ins wirklich Absurde zu steigern – oder sich eben subtil vorzutasten. Dabei hätte sie mit Alexandra Lamy und François Cluzet Darsteller, die zu allem bereit scheinen. So bleibt die mäßig unterhaltsame Komödie ziemlich bieder, selbst das Prädikat „frivol“ können wir nicht vergeben. (Ingolf Patz)
6 To My Sisters
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Riesenspinnen, weißer Hai, Mörder-Affen, Aliens – Filme, in denen die Bedrohung von mutierten Tieren oder anderen Lebewesen ausgeht, sind nicht totzukriegen. Und damit auch das Motiv der Natur als Racheengel gegen den rücksichtslosen Menschen.
Hier sind es skrupellose Investoren, die einen norwegischen Fjord mittels stressiger Unterwasser-Schallbehandlung zum Premium-Resort mit XXL-Lachsen hochjazzen wollen. Weg mit dem Ökosystem, Maximalprofit!
Dumm nur, dass dadurch tief drunten ein mörderischer Monster-Oktopus aufgescheucht wird.
Regisseur Pål Øie lässt Touristen in den dunklen Fluten verschwinden und dreht genreüblich an der Eskalationsschraube, mit allem, was dazu gehört: reizvoller Kontrast von malerischer Landschaft und blutigem Tierhorror sowie bombastischer Score.
Seiner Heldin, einer idealistischen Meeresforscherin, die zur Rettung an den Fjord gerufen wird, lässt Øie sogar noch eine unheimlich direkte Begegnung mit den glibberigen Riesententakeln angedeihen. Das erinnert an einen ikonischen Klassiker des Genres. Commander Ripley lässt grüßen. (Markus Ehrenberg)