Michael-Jackson-Film feiert Premiere in Berlin: Spektakel für den King of Pop trotz Missbrauchsvorwürfen
Der erste Rekord fiel schon im November: Innerhalb von 24 Stunden erzielte der Trailer von „Michael“ über 116 Millionen Aufrufe – mehr als jeder Trailer für ein Musiker-Biopic zuvor. Mittlerweile haben sich allein auf Youtube knapp sechs Millionen Menschen den ersten Werbeclip für Antoine Fuquas Spielfilm über das Leben von Michael Jackson angesehen, der am 22. April in die Kinos kommt.
Um das Interesse hierzulande weiter anzuheizen, findet an diesem Wochenende ein dreitägiges Event in der Berliner Uber Eats Music Hall statt. Beginnend mit der internationalen Filmpremiere am Freitagabend, wird dort zudem ein Blick hinter die Kulissen der Produktion versprochen, es gibt Panels mit dem Team und eine Party.
Dass „Michael“ ein Blockbuster wird, ist sehr wahrscheinlich, hat sich die Fangemeinde des 2009 verstorbenen Superstars doch in den vergangenen Jahren als überaus treu erwiesen. Das Broadway-Musical „MJ“ – derzeit auch in Hamburg zu sehen – hat allein in den USA Einnahmen von mehr als 300 Millionen Dollar erzielt, in Las Vegas generiert die 2013 gestartete Michael-Jackson-Show des Cirque du Soleil etwa zweieinhalb Millionen Dollar in der Woche, und der Hit „Thriller“ kommt regelmäßig zur Halloween-Saison wieder in die Charts.
Diese Erfolge sind möglich, weil ein großes Publikum weiterhin bereit ist, die zahlreichen Missbrauchsvorwürfe von Minderjährigen gegen Michael Jackson auszublenden. Dabei hilft, dass der Sänger, der in den Neunzigern einem millionenschweren außergerichtlichen Vergleich im Falle eines Zwölfjährigen zustimmte, nie verurteilt wurde.
Allerdings fand sein letzter Prozess 2005 und damit lange vor MeToo statt. Wie stark damals noch der Celebrity-Faktor die Verhandlung beeinflusste, zeigte im vergangenen Sommer die zweiteilige Dokumentation „Der Prozess gegen Michael Jackson“. Nach den Epstein- und Weinstein-Skandalen, nach den Verurteilungen von P. Diddy und R. Kelly erscheint ein solcher Verlauf heute nur noch schwer vorstellbar.
Zumal vor sieben Jahren zwei Männer in der ebenfalls zweiteiligen Doku „Leaving Neverland“ von ihren verstörenden Kindheitserinnerungen an Michael Jackson berichtet hatten. Diese fügten sich in das Bild des Stars, der nur zu präpubertären Jungen enge Bindungen aufbauen konnte, sie regelmäßig in sein Bett einlud und ihnen Alkohol zu trinken gab.
Kurz nahmen Radiosender Jacksons Hits aus dem Programm
Von Medikamenten, Alkohol und sexuellen Übergriffen handelt auch eine Ende Februar eingereichte Klage von vier Geschwistern gegen die Nachlassverwaltung von Jackson. Frank, Dominic, Marie-Nicole und Aldo Cascio sind die inzwischen erwachsenen Kinder eines Angestellten, der in einem von Jackson häufig besuchten Hotel arbeitete.
Jahrelang war die Familie mit dem Star befreundet, sagte mehrfach zu seinen Gunsten vor Gericht aus und Frank Cascio veröffentlichte 2011 sogar ein Buch mit dem Titel „My Friend Michael“. Durch „Leaving Neverland“ seien sie „deprogrammiert“ worden und hätten sich entschieden, von ihren Erfahrungen zu berichten, so ihr Anwalt gegenüber „Pitchfork“. Der Fall ist äußerst komplex und wurde teilweise vor ein Schiedsgericht verlegt.
Für die Jackson-Vermarktungsmaschine wird daraus wahrscheinlich wenig folgen. Selbst Dan Reeds beeindruckende Doku „Leaving Neverland“, der 2025 eine Fortsetzung folgte, sorgte nur kurzfristig für Aufregung. Ein paar Radiosender nahmen zeitweise Michael Jacksons Lieder aus dem Programm, doch im Wesentlichen laufen die Geschäfte mit dem Erbe des Stars seither ungestört weiter.
„Michael“ dürfte nun den vorläufigen Höhepunkt des posthumen Kassenklingelns bilden. Es wird erwartet, dass der von „Bohemian Rhapsody“-Produzent Graham King vorangetriebene und von Jacksons Nachlassverwaltung autorisierte Film schon am Eröffnungswochenende rund 55 Millionen Dollar einspielen wird. Laut Branchenmagazin „Variety“ verspricht sich das Studio etwa 700 Millionen Dollar weltweite Einnahmen.

© 2026 Lionsgate/Glen Wilson
Der Filmstart war ursprünglich bereits vor einem Jahr geplant gewesen. Allerdings kam es laut „Variety“ im vergangenen Sommer zu umfangreichen Nachdrehs. Diese seien nötig gewesen, weil eine Klausel im Vergleichsvertrag aus den Neunzigern entdeckt worden sei, laut der der damalige Teenager nie in einem Film erwähnt oder dargestellt werden dürfe.
Wie und ob das Team um Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“) überhaupt Missbrauchsvorwürfe thematisiert, wird man ab dem 22. April wissen. Bisher ist bekannt, dass Michael Jacksons Neffe Jaafar Jackson den erwachsenen Sänger spielen wird. Es ist sein Spielfilmdebüt, in dem er – soviel zeigen die drei inzwischen veröffentlichten Trailer – den Tanzstil seines Onkels inklusive Moonwalk sowie dessen hohe Sprechstimme akkurat imitiert.
Paris Jackson distanzierte sich von dem Film
In der Familie herrscht allerdings nicht nur Begeisterung für „Michael“. So distanzierte sich Jacksons Tochter Paris bereits im Herbst von dem Filmprojekt, nachdem einer der Schauspieler behauptet hatte, sie und ihr Bruder Prince unterstützten es. „Sagt den Leuten gefälligst nicht, ich hätte auf dem Set geholfen, bei einem Film, mit dem ich absolut nichts zu tun habe“, schrieb die Musikerin und Schauspielerin auf ihrem Instagram-Account.
Paris Jackson gab an, einen frühen Drehbuchentwurf gelesen zu haben. Als ihre Anmerkungen zu Passagen, die ihr „unehrlich erschienen oder sich nicht richtig angefühlt hätten“, nicht beachtet wurden, zog sie sich zurück.
„Michael“ zeichnet, wie bei Biopics üblich, die Aufstiegsgeschichte des Ausnahmekünstlers nach. Sie beginnt mit der Brüder-Band Jackson 5, deren jüngstes und talentiertestes Mitglied der 1958 geborene Michael war. In dieser Zeitebene wird er von Juliano Krue Valdi verkörpert.
Dass der Junge damals immer wieder Gewalt durch seinen Vater erlebt hat, soll ebenfalls Teil der Handlung sein. Und natürlich die vielen Hits, die ihn zum King of Pop machten. Wer sie heute noch genießen will, muss sich allerdings in der viel beschworenen Kunst der Trennung von Werk und Künstler üben.