Kinostarts der Woche: So sieht er aus, der Todesengel
„Der Tod wird kommen“ – so der Titel und die unumgehbare Gewissheit von Hochhäuslers neuem Thriller, der gekonnt Elemente seiner französischen Vorbilder zu einem Krimi-Melodram vermischt.
À propos Frankreich: Richard Linklaters Nouvelle Vague ist eine wundervolle Hommage an Godards gefeierten Debütfilm „Außer Atem“ (1959). Außerdem zu sehen: eine herausragende Amanda Seyfried in „The Testament of Ann Lee“.
Was sich ansonsten diese Woche im Kino lohnt, lesen Sie hier.
1 Nouvelle Vague
Er trägt Sonnenbrille, raucht Kette, ist mürrisch und wortkarg. Jean-Luc Godard, wie er 1959 in Paris sein Regiedebüt „Außer Atem“ mit Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo realisierte, ist eine Kultfigur, ein Mythos. Richard Linklater feiert diesen Mythos mit „Nouvelle Vague“, ohne ihn nostalgisch zu verklären.
Sein im selben Format wie „Außer Atem“ realisierter Schwarz-Weiß-Film rekonstruiert die Dreharbeiten auf spielerisch coole Weise, indem er sich eben jene Freiheiten nimmt, die Godards Erstling auszeichneten.
Resultat ist eine heitere Annäherung an jenes bahnbrechende Werk, das in Guerillataktik entstand, ohne festes Script, Studio oder Kameraschienen.
Linklater spricht von einer Hommage. Er war 30, als er 1990 „Slacker“ realisierte. Bis dahin dachte er, Kino sei Hollywood. Bis er „Außer Atem“ sah und begriff: Es geht auch autodidaktisch, anarchisch, ohne viel Geld. Noch Jahrzehnte nach der Premiere bei der Berlinale 1960 wirkte „Außer Atem“ wie ein Befreiungsschlag.
Vieles ist indes ähnlich. Belmondo war ein Unbekannter, bevor Godard ihn aus dem Boxstudio holte. Entsprechend besetzte Linklater seinen Part mit dem fast unbekannten Aubry Dullin, während Seberg-Darstellerin Zoey Deutch bereits einen Namen hat, wie ihre Figur.
Der Gangster, der skrupellos tötet; die junge Amerikanerin, die ihn verrät, nur um herauszufinden, ob sie ihn wirklich liebt – Linklater mildert den amoralischen Plot ein wenig ab. Er schlägt sich auf die Seite der Liebe, entscheidet sich gegen den Nihilismus. (chp)
Eine ausführliche Rezension können Sie hier lesen.
2 Für immer ein Teil von dir
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Eine Ikone der Emanzipation, die die Shaker-Sekte gründete, steht im Zentrum eines der eigenwilligsten Filme des Jahres.
Amanda Seyfried spielt Ann Lee, die im 18. Jahrhundert in England, später in Amerika Gläubige um sich sammelte und eine neue religiöse Gemeinde anführte, die die Gleichstellung aller Menschen vor Gott praktizierte und von ihren Mitgliedern ein Leben im Zölibat verlangte.
Die Überforderung der Sinne ist das Prinzip von Mona Fastvolds dritter Regiearbeit: ein Biopic, das die religiöse Hingabe seiner Protagonistin und die filmische Form so konsequent in eins setzt, dass man sich in dieser radikal subjektiven Perspektive immer wieder zu verlieren droht.
Ein Musical, das nicht in künstlicher Überhöhung die vierte Wand der Erzählung durchbricht, sondern in dem Gesang und Tanz selbst als Teil der Erzählung fungieren.
Seyfried ist spektakulär in der Rolle der Seelenretterin, die für die Gleichstellung ihrer Zeitgenossinnen kämpfte. Wenn sie singt und tanzt, erzittert die Szene vor spiritueller Inbrunst. (abu)
Eine vollständige Rezension können Sie hier lesen.
4 Good Luck, Have Fun, Don’t Die
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Wie eine entrückte Madonna sitzt die jugendliche Protagonistin auf dem Sofa, auf Fragen und Zumutungen aller Art antwortet sie mit einem trägen „No sé“ (Ich weiß nicht). Dazu wedelt sie ein wenig mit ihren Glitzerlacknägeln.
Ihren Lehrer Óscar Restrepo macht das ratlos, für ihn ist die 15-jährige Yurlady die größte literarische Hoffnung Kolumbiens. Ihre wunderschönen Gedichte schreibt sie in einer überfüllten Sozialwohnung neben dem Fernseher in eine Kladde; reicht doch, findet sie.
Der regelmäßig betrunkene Óscar selbst ist auch Dichter (oder war es zumindest mal). Man sieht diesem Antihelden, der sein Leben inklusive der Beziehung zu seiner Tochter komplett in den Sand gesetzt hat, ganz gerne dabei zu, wie er an diesem störrischen Genie scheitert. Ziemlich exakt so wie seine Mitmenschen an ihm.
Leichte Kost ist das nicht, vor allem, weil die Kamera auf vieles draufhält, was man nicht sehen möchte (Herrentoilette!), aber den Figuren bleibt ein schöner Raum für ihre Geheimnisse. Niemand ist eine Insel (und Güte wird manchmal über Bande belohnt), auch daran erinnert dieser hübsch sperrige Film. (ans)
6 Der Tod wird kommen
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