ARD und ZDF stellen Spartensender ein: Mit weniger Ballast in eine bessere Zukunft

Nein, Tagesschau24 ist kein wettbewerbsfähiger Nachrichtenkanal. Nein, ARD alpha bietet kein nachhaltiges Bildungsfernsehen. Nein, One sendet in Zeiten der Mediatheken kein notwendiges Best-of von öffentlich-rechtlichen Produktionen.

Was die ARD im Zuge des Reformstaatsvertrags an linearem Fernsehen aufgeben will, weil aufgeben muss, ist kein Verlustprogramm. Es wird zum Ende 2026 Ballast abgeworfen, und was eingespart wird, kann in das weiterbestehende Portfolio investiert werden, denn der Rundfunkbeitrag beläuft sich auch weiterhin auf monatlich 18,36 Euro.

Die Trennung von den drei Programmen bedeutet zugleich eine Bündelung der Aktivitäten von ARD und ZDF: Phoenix bleibt als gemeinsames Informationsangebot von ARD und ZDF bestehen, Neo wird zum gemeinsamen Angebot für junge Erwachsene, Info zum Dokumentationskanal.

ARD und ZDF wollen und können damit ihre drei nutzungsstärksten Angebote in den Bereichen Information, Bildung, Dokumentation und Unterhaltung für junge Erwachsene skalieren. Es wäre in diesen wahnsinnigen Nachrichtenzeiten ja nur von Vorteil, wenn sich Phoenix zum gemeinsamen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal emanzipieren könnte. Und wer soll Sendungen mit den Schwerpunkten Bildung und Dokumentation anbieten, wenn nicht die beitragsfinanzierten Anstalten?

Bei den weiterbestehenden Kooperationsprogrammen wie eben Phoenix und 3sat, Arte und Kika haben ARD und ZDF ja gezeigt, dass ihre Zusammenarbeit im Sinne von Reichweite und Attraktivität funktioniert. Die Losung für die forcierte Kooperation muss heißen: Nicht mehr vom Gleichen, sondern mehr vom Besten.

„Tagesschau“, „Brennpunkte“ und „heute-journal“ melden seit dem Beginn des neuen Kriegs in Nahost rekordverdächtige Einschaltquoten. Das sind zugleich Nachweise, wie lebendig das linear ausgespielte Fernsehen ist. Diese Fixpunkte im Programm wie Einschaltpunkte im Alltag der Fernsehzuschauer brauchen, wenn Spartenkanäle wegfallen oder neu konzipiert werden, verstärkten Einsatz und Mittel. Und was linear weiter reüssieren wird, muss digital nicht außen vorbleiben.

Es zeigt sich doch, dass die Informationsleistung Kern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, des Rundfunks von ARD und ZDF ist. Wenn zudem die vom Gesetzgeber formulierten und vom Beitragszahler finanzierten Programmelemente Bildung und Kultur in den Fokus steigender Anstrengung geraten, dann leisten die öffentlich-rechtlichen Sender das, was ihre DNA sein muss: Public Service, Grundversorgung, ein Rundfunk für alle.