Neues Album von Lucinda Williams: Mit heiligem Zorn gegen Präsident Trump

Ein unpolitischer Mensch war Lucinda Williams nie. Bereits in ihrer Jugend verweigerte die Songwriterin aus Louisiana den Loyalitätseid auf die amerikanische Flagge, den US-amerikanische Schülerinnen und Schüler traditionell jeden Morgen abzulegen haben. Dieser stille Protest gegen den Vietnamkrieg führte zu einem Schulverweis, der erst durch einen Anwalt der US-amerikanischen Bürgerrechtsorganisation ACLU aufgehoben wurde.

Williams war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt, las Malcolm X, engagierte sich in der Anti-Kriegs-Bewegung und verteilte Flugblätter der Studentenorganisation SDS. Dass Protest so früh Teil ihres Selbstverständnisses war, lag auch in der Familie begründet: Ihr Vater war der Universitätsprofessor und Dichter Miller Williams, der unter anderem 1997 bei der Amtseinführung von Bill Clinton las.

1998 veröffentlichte Lucinda Williams „Car Wheels On A Gravel Road“, mit dem ihr nach gut zwei Dekaden im Musikgeschäft der Durchbruch im Mainstream gelang und das bis heute als Americana-Klassiker gilt. Der amerikanische Süden mit all seinen Ambivalenzen tropfte aus diesen Songs, und doch schien Williams’ politisches Selbstverständnis hier nur unterschwellig durch.

Spätestens ab der ersten Präsidentschaft von Donald Trump artikuliert sie es deutlicher, beruft sich dabei ausdrücklich auf die Tradition des Songwritings der 1960er-Jahre, auf Bob Dylan und die Idee, dass Musik immer auch gesellschaftliche Verantwortung trägt.

Dem gerade im Country oft postulierten „Shut up and sing“ schleuderte sie vor einigen Jahren entgegen: „Hören Sie sich Woody Guthrie an. Für mich ist das ganz klar Teil meines Jobs.“

Jetzt veröffentlicht die Frau, die am 26. Januar ihren 73. Geburtstag feiert, also ein neues Album. „World’s Gone Wrong“ heißt es, und schon der Titeltrack deutet an, dass sie diesen Teil ihrer Profession ernster denn je nimmt. In dem Song tut sie etwas, das wenige so gut können wie sie: Sie erzählt eine große Geschichte, indem sie auf eine kleine blickt.

Die Welt, die da außer der Spur läuft, ist nicht nur die, die wir in den Nachrichten sehen. Es ist auch die eines namenlosen Paars. Er verkauft Autos, sie arbeitet als Krankenschwester. Morgens schälen sie sich aus dem Bett, beide sind überarbeitet.

In ihrer Heimatstadt wächst der Leerstand, und das was da im Fernsehen läuft, ergibt auch keinen Sinn. Am Ende suchen die beiden ihr Heil in einem Tanz über den gefliesten Küchenboden, um all den Ärger wenigstens eine Sekunde lang zu vergessen.

Mit Mavis Staples covert sie Bob Marley

Williams vergisst ihn nicht, das gesamte Album ist geprägt von einem heiligen Zorn. „How Much Did You Get For Your Soul“ heißt es einmal, „wie viel haben sie dir für deine Seele gegeben?“ Der gleichnamige Song über den Pakt mit dem Teufel ist ein finsterer Blues und als Kommentar auf all diejenigen zu lesen, die sich jetzt, in der zweiten Amtszeit von Donald Trump, als Wendehälse zeigen.

„Punchline“ heißt ein anderer Track, Williams schrieb ihn gemeinsam mit ihrem Ehemann Tom Overby. Hier geht es um all die Überforderten; um die Fragenden, um die sich immer schneller drehende Welt und um das Böse, das wächst wie ein Krebsgeschwür.

Auf dem Bob-Marley-Cover „So Much Trouble In The World“ gastiert schließlich Mavis Staples. Das passt ins Bild: Die Grande Dame des Gospels marschierte und musizierte mit den Staple Singers in den 1960er-Jahren an der Seite von Martin Luther King.

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Lucinda Williams nimmt sich da selbst nicht aus, und gerade das verleiht dem Album seine Tiefe: die Erkenntnis, dass schwierige Zeiten nicht nur nach Protest verlangen, sondern auch nach Selbstbesinnung.