Zum Tod des Bildhauers Hans Scheib: Kanten, Grotesken und freie Gedanken
Aufgerissene Augen, lange, schmale Körper, oft nackt und sehr gegenwärtig – so sehen sie aus, die Figuren, die der Bildhauer Hans Scheib mit Kettensäge und Meißel aus Holzblöcken herausgezaubert hat. Er arbeitete mit Kiefernholz, weil die Bronze in der DDR den Marx- und Leninbüsten vorbehalten war, wie er es einmal formuliert hat.
Die Farben springen sofort ins Auge. Eine Figur ist in einen kanariengelben Mantel mit kantigen Falten gehüllt. Eine andere hat einen rot geschminkten Mund und rote Fußnägel. Solche Details machen die Figuren Scheibs lebendig, geben ihnen Charakter, den Menschen genauso wie den Pferden, den Ziegen und den Äffchen, die er dargestellt hat. Nach der Ausreise in den Westen auch manchmal in Bronze.

© Andreas Klaer
Hans Scheib, 1949 in Potsdam geboren und aufgewachsen in Berlin, absolvierte eine Schriftsetzerlehre, bevor er Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte. Dort lernte er Gleichgesinnte kennen, die wie er den Sozialistischen Realismus ablehnten.
Subversives Kunstmilieu der DDR
Mit Künstlerfreunden wie Peter Herrmann, A. R. Penck und Strawalde gehörte er zu den jungen neoexpressiven Künstlern der DDR. Scheib organisierte Ausstellungen sowie mehrtägige Verkaufsevents und Feste in seinem Ladenatelier in Prenzlauer Berg, scharf beobachtet und manchmal auch drangsaliert von der Staatssicherheit. 1985 siedelte er nach West-Berlin über.

© Andreas Klaer
Im Laufe der Jahrzehnte wurde Scheib mit zahlreichen Kunstpreisen ausgezeichnet. Eine Figur, die nackt auf einem Bein stehend die Deutschlandfahne hochhält, ist Teil der Sammlung des Deutschen Historischen Museums. Auch die Nationalgalerie und das Landesmuseum Berlinische Galerie besitzen Werke von ihm, ebenso wie andere Institutionen im In- und Ausland.