„Wir wollen unsere Ziele optimal absichern“

Stefan Kretzschmar gehört zu den erfolgreichsten deutschen Handballern. Trotzdem konnte er international nie eine Goldmedaille gewinnen. Mit dem Kroaten Igor Vori holt er nun einen Spieler zu den Füchsen, gegen den er sowohl im Finale der WM 2003 als auch bei Olympia 2004 verlor.

Herr Kretzschmar, durch die Verletzung von Kreisläufer Johan Koch war der Verein gezwungen, personell nachzurüsten. Was hat der Transfermarkt und das finanzielle Budget zu dieser Zeit denn überhaupt noch für Möglichkeiten geboten?
Dadurch, dass das Transferfenster schon zu ist, mussten wir schauen, wer unseren Anforderungen gerecht werden kann, obwohl er aktuell nirgends spielt. Ich hatte sechs Spieler auf dem Zettel, die für mich in Frage kamen. Da habe ich in der letzten Woche bei meinem Mallorca-Urlaub etwas mehr telefonieren müssen, als es mit lieb war und unter anderem mit Bjarte Myrhol, Jesper Nøddesbo und Bartosz Jurecki gesprochen. Aber Igor Vori war derjenige, der es sich sofort zugetraut und sich fit genug gefühlt hat. Seine absolute Bereitschaft hat dann den Ausschlag gegeben. Das Finanzielle musste letztlich Bob Hanning absegnen und der hat aufgrund der Lage, in der wir uns befinden, grünes Licht gegeben.

Als es das letzte Mal zu einem Engpass am Kreis kam, wurde Thomas Oehlrich reaktiviert. War er erneut eine Option?
Das war genauso ein Thema. Doch leider konnte Oehle das nicht mit seiner Arbeit bei der Polizei vereinbaren. Er hätte uns punktuell in einigen Spielen helfen können, allerdings nicht im täglichen Trainingsprozess. Das ist etwas schade, weil er es gerne gemacht hätte und gut zur Mannschaft passt. In der Phase, in der wir uns gerade befinden mit dem Ligaendspurt und der European League, brauchen wir aber jemanden, der permanent dabei ist und wo es keine Fragezeichen gibt. Und da wir im Nachwuchs niemanden haben, der auf der Position adäquat einsetzbar ist, mussten wir uns etwas anderes überlegen.

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Die Wahl fiel auf Vori, gegen den Sie sowohl im WM-Finale 2003 als auch bei den Olympischen Spielen 2004 verloren haben.
Ich habe ihm schon gesagt, dass ich ihn sofort wieder rausschmeiße, wenn er hier im kroatischen Nationaltrikot auftaucht. Da hat er mir versprochen, das nicht zu tun. Aber vielleicht habe ich ihn auch genau deswegen geholt. Ich weiß, was er für ein Kämpfer ist. Bei meinen Gesprächen mit Domagoj Duvnjak und Marko Kopljar, die ihn beide von der Nationalmannschaft gut kennen, wurde mir außerdem versichert, dass es ein guter Charakter ist. Er soll sehr fleißig sein und einer Mannschaft viel geben.

Also wird es keine Trauma-Aufarbeitung geben müssen?
Wir haben eigentlich nur Witze darüber gemacht. Mit ihm war es einfach. Vor allem wusste er sofort, worum es uns geht. Er ist sich bewusst, dass er für gute Stimmung in der Kabine sorgen und den Jungs Sicherheit geben kann. Und wenn er uns dadurch hilft, Ziele zu erreichen, die wir nicht dachten, erreichen zu können, dann soll mir das recht sein.

Vori ist bereits 41 Jahre alt und hat seit zwei Jahren nicht mehr professionell gespielt. Wie kann er die Mannschaft sportlich unterstützen?
Inwiefern er uns sportlich helfen kann, wird sich zeigen. Vori soll vor allem Mijajlo Marsenic Pausen verschaffen und uns da absichern. Aber er hat körperlich ein Gardemaß, ist ein schlauer Spieler und hat viel internationale Erfahrung. Außerdem spricht er Deutsch – das macht die Integration leichter. Man muss ihm Handball nicht erklären. Wenn wir die entscheidenden Spiele in Nantes in einer ausverkauften Halle spielen oder in Magdeburg antreten, wird er nicht nervös sein. Er weiß, was er dann zu tun hat.

Körperlich stark und erfahren. Igor Vori (l.) soll den Füchsen am Kreis helfen, die Berliner treffen am Donnerstag auf Lemgo…Foto: Imago

Diese Routine verbunden mit seinem Kampfgeist kann dem Team nur helfen.
Ja. Und für uns ist es wichtig, der Mannschaft zeigen, dass wir sie nicht hängen lassen und unsere Ziele optimal absichern. Selbst wenn es schwer wird, tun wir alles für die Mannschaft, damit sie nicht allein dasteht. Deswegen reisen wir auch erstmals mit einer Chartermaschine nach Frankreich und dann weiter zum Bergischen HC und versuchen alles, damit das Team in den letzten Monaten so erfolgreich wie möglich sein kann.

Sie sprechen von Zielen. Was ist möglich in der European League und der Bundesliga?
Wir wollen alles probieren und so gut wie möglich unseren Job machen. Doch die Saison ist noch lang und unser Programm hat es in sich. Da wäre es arrogant, auf die Champions League zu schielen. Besonders, da wir uns da mit Kiel und Flensburg messen. Wir müssen den Fokus behalten. Jeder ist gefährlich, Lemgo heute ist gefährlich. Das müssen wir erst einmal gewinnen. Trotzdem werden wir es intern so formulieren, dass wir das bestmögliche aus der Saison herausholen wollen und natürlich gehen wir nicht in ein Spiel, um es zu verlieren. Wo das dann hinführt, wird sich zeigen.