Tag 8 bei der Berlinale: Die zerfurchte Haut der Welt

„Mann, siehst Du blass aus“, sagt die Visagistin, während sie eine hellere Creme für meine Haut raussucht. Tief in der zweiten Halbzeit der Berlinale brauchen die Untiefen auf meinem Gesicht eine Auffrischung. Immerhin, die Schminkbox schmückt den vom zersplitterten Schnee zerfurchten Potsdamer Platz. Seine Falten machen mir wirklich Sorgen.

Die Berlinale hat wieder die ganze Stadt erobert. Fast alle Kinosäle sind bis zum letzten Platz besetzt, am Ende dürften mehr als 300.000 Tickets verkauft worden sein. Der Berlinale-Schal im Merch-Shop ist längst ausverkauft. Berlin wärmt sich im Februar an sich selbst. Und alle, die dabei sind, wollen glänzen.

Als ich am verschneiten Brandenburger Tor den Empfang des Fernsehsenders Arte verlasse, fängt mich ein bekannter Schauspieler vor der Tür ab: „Kannst du mir dein Bändchen geben, damit ich reinkomme?“ Der deutschen Filmbranche scheint es echt nicht gut zu gehen.

In der Urania wird während der Filme am meisten gehustet. Vielleicht stimmt hier was mit der Klimaanlage nicht, oder mit den Leuten. Zu sehen ist ein georgischer Kurzfilm, in dem ein Mensch von einem nahezu unheilbaren Krebs geheilt wird. Dabei wird sein komplettes Immunsystem zerstört, danach bekommt er ein neues. Gekonnt reingeschnitten werden Szenen von der Auflösung der Sowjetunion – auch dies eine Schocktherapie. Die allerdings hat nicht geklappt.

Berlinale-Autor Robert Ide in der Schminkbox am Potsdamer PlatzTag 1 der Berlinale In der Höhle der Eisbären Tag 3 bei der Berlinale Berlin zeigt Brust Tag 5 bei der Berlinale Der Bär muss was essen Tag 7 der Berlinale Macht Filme, macht Babys!

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Einen schlechten Film habe ich noch nicht gesehen – keine Ahnung, was diesmal schiefgelaufen ist. Aber wer genau hinguckt, erkennt: Die Welt liegt in Sorgenfalten. Die Berlinale tröstet kurz, hellt uns auf wie eine Creme. Meine soll bis morgen halten.