KI-Video statt realer Aufnahmen: Das ist über die Fehler im „heute journal“ des ZDF bekannt

Die Aufregung nach einem Beitrag im „heute journal“ des ZDF vom Sonntag ist groß: Als es um die teils brutalen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE ging, war in der Nachrichtensendung ein KI-generiertes Video zu sehen. Die Sequenz zeigte eine Festnahme, die es nicht gegeben hat.

Noch dazu wurden an einer anderen Stelle Aufnahmen verwendet, die zwar real waren, aber aus dem Jahr 2022 stammten und nichts mit einem ICE-Einsatz zu tun hatten. Kritisiert wird der Sender einerseits für den Beitrag selbst, andererseits für sein Verhalten danach.


Was war genau zu sehen?

„Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump gibt. Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele“, leitete Moderatorin Dunja Hayali den Beitrag ein. Es ging zunächst um eine Mutter und ihr Kind, die vor vier Jahren aus Honduras in die USA gekommen sind und sich davor fürchten, von ICE-Beamten aufgegriffen und abgeschoben zu werden.

Screenshot Video KI ZDF

© ZDF/Screenshot: Tagesspiegel

Das ZDF zeigt einen Clip, in dem vermeintlich zu sehen ist, wie eine Frau von ICE-Mitarbeitern abgeführt wird, während zwei Kinder sich an sie klammern und weinen. Nur ist dieses Video nicht echt.

In der Aufnahme ist das Wasserzeichen von „Sora“ zu sehen, dem Video-KI-Tool der Firma OpenAI. Es handelte sich also um ein Video, das durch künstliche Intelligenz erstellt wurde. Einer nachfolgenden Recherche des „ZDF heute“ zufolge kursiert das Video bereits seit Monaten in den sozialen Medien.

Auf die KI-Aufnahme folgt eine Sequenz, die einen Jungen zeigt, der von einem Mann in Uniform abgeführt wird. Im Sprechertext hieß es dazu am Sonntagabend: „Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab oder nehmen Minderjährige vor ihren Schulen mit.“ Doch auch an dieser Stelle leistete sich die Redaktion einen Fehler. Die Aufnahme stammt bereits aus dem Jahr 2022 und entstand im Kontext einer Amokdrohung an einer Schule.

Zuerst berichtete am Montag das rechte Online-Portal „Nius“ über den Fall, am Dienstag dann auch andere große deutsche Medien und die Nachrichtenagenturen.


Wie reagierte das ZDF?

Zunächst räumte das ZDF auf Anfrage ein, dass in dem Beitrag zu Einsätzen der US-Migrationsbehörde ICE KI-generierte Bilder verwendet worden waren. Diese hätten gekennzeichnet werden müssen, was bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht geschehen sei.

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Wie lautet die Kritik?

Nathanael Liminski, nordrhein-westfälischer Medienminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, sprach von einem „No-Go“. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den Auftrag, durch verlässliche und ausgewogene Informationen zur Meinungsbildung beizutragen“, sagte er dem „Stern“. Die Machart dieses Beitrags torpediere dieses Ziel. Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, werde auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sprach von einem „unangenehmen Vorgang“. Das untergrabe auch die Glaubwürdigkeit des Senders, sagte der parteilose Politiker dem Sender Welt TV. „Aber die Kollegen haben sich entschuldigt. Sie haben einen Fehler gemacht. Ich finde, damit ist die Sache dann auch gut.“ Fehler passierten in vielen Redaktionen. (mit dpa)