Kinostarts der Woche: Was lieben die Franzosen bloß an so diesem „Marsupilami“?

Bei diesem Anblick mag einen die Nostalgie packen: Das gelbe Fell mit schwarzen Tupfen, die großen, dunklen Augen und der überdimensionale Schwanz, der als Allzweckwaffe fungiert, sind die Markenzeichen des Marsupilami, das seit den 50er Jahren durch die Comics seines Erschaffers André Franquin geistert.

Jetzt ist es zurück– und mit ihm das Chaos. Was Sie im Kino erwartet, und welche Filme die aktuelle Kinowoche sonst noch bietet, lesen Sie hier.

1 Spaziergang nach Syrakus

Die DDR ist 1982 ein Staat im Stillstand, regiert von greisen Männern im Politbüro, die sich von der wirklichen Lage im Land entkoppelt haben. Die Fundamente des Systems bröckeln, aber die Angst vor den Apparatschiks und der Staatssicherheit wirkt weiter.

Lars Jessens Film „Spaziergang nach Syrakus“ handelt von einer unglaublichen, aber wahren Geschichte aus dieser Zeit. Der Kellner Paul Gompitz, mit großer Lakonie und Knuffigkeit von Charly Hübner verkörpert, flieht aus der DDR, um nach Sizilien zu reisen – und kehrt zurück.

Das Markenzeichen des Helden ist seine John-Lennon-Nickelbrille. Zu seiner Berufsbekleidung gehören eine schwarze Fliege und die akkurat gebügelte weiße Kellnerjacke. Er serviert Backfisch und Bier auf einem Ausflugsdampfer, will aber mehr sehen von der Welt als „das kleine Deutschland“ (die DDR) und dessen Brüderstaaten.

Gompitz’ Anker im Leben ist seine Ehefrau Anne, mit der er mitten in der vorpommerschen Strand-, Dünen- und Kiefernwald-Idylle lebt. Die Datsche, die Anne gekauft hat, haben sie liebevoll ausgebaut.

Sein Vorbild ist der Schriftsteller Johann Gottfried Seume, der 1801/02 von der sächsischen Stadt Grimma aus nach Syrakus wanderte. Dort will Gompitz hin, einmal wenigstens. „Paul, Du machst keinen Mist!“, sagt Anne, als sie ahnt, dass es Paul in die verbotene Fremde zieht.

Es ist eine David-gegen-Goliath-Geschichte, in der Gompitz alle Bürokraten, Spitzel und Grenzsoldaten austrickst. Als Gompitz auf Hiddensee ins Meer sticht, stürmt es gefährlich. Doch der Sturkopf schafft es bis auf die dänische Ostseeinsel Møn und reist weiter, mit Bus, Bahn, zu Fuß, als Tramper.

Sieben Jahre hat es gedauert, bis der Seume-Follower Syrakus erreicht. 1989, als die DDR zu verschwinden beginnt.

Thomas Stuber hat in „Kruso“, der Verfilmung von Lutz Seilers gleichnamigen Roman, eine ähnliche Geschichte erzählt. „Spaziergang nach Syrakus“ wirkt dagegen weichgespült.

Die Härte, mit der die DDR gegen nonkonforme Bürger vorging, kommt nur am Rand vor. Im Zentrum steht die Liebes- und Trennungsstory von Paul und Anne. Sie findet ein durchaus überraschendes Ende. (Christian Schröder)

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2 Marsupilami

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Die junge Filmemacherin Kris (Hannah Einbinder) gilt als „Sundance-Wunderkind“. Und ist damit wie dazu berufen, das problematische Franchise „Camp Miasma“ aus den 1980er Jahren „wiederzubeleben“: eine Horrorfilm-Reihe über einen Serienmörder, der in einem Ferienlager notgeile Teenager jagt.

Die queere Regisseurin will „Hollywood mit seinen eigenen Waffen schlagen“. Dafür plant sie, dem Star des Originalfilms nach 40 Jahren zu einem Comeback zu verhelfen.

Billy Presley (Gillian Anderson) lebt mittlerweile in den Kulissen ihres einzigen Films, sodass sich das Kennenlern-Wochenende für die beiden Frauen zu einer bewusstseinserweiternden Zeitreise entwickelt – durch die Filmgeschichte, in die eigene Jugend.

„Sundance-Wunderkind“ Jane Schoenbrun versucht etwas Ähnliches wie Kris. Der Film ist eine irrwitzige Hommage an ein liebgewonnenes Genre, dieses Mal mit einer optimistischen Pointe.

Die Realität, der Film-im-Film, absurde Blutexzesse und erotische Fantasien vermischen sich zu einer Utopie genderfluider Identitäten und sexueller Befreiung. (Andreas Busche)

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4 A Sad and Beautiful World

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Da ist das abstrakte Wellenrelief der Ostsee. Da sind die Wackersteine der Uferbefestigungen, der lange Sandstrand, die Badenden – in langen Fahrten und Draufsichten tastet der Kamerablick eingangs ausführlich die Insel ab.

17 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle nur 250 Meter breit: Hiddensee ist ein kleines Eiland, dem ein erstaunlicher Mythos vorauseilt.

Dass die Berliner Filmemacherin Annekatrin Hendel in ihrem Inselporträt auf das Blau des Meeres verzichtet und Naturimpressionen und Menschen gefilmt in Schwarz-Weiß (Kamera: Martin Farkas) zeigt, darf man getrost als Absage an Inselklischees, Idyllisierung und Inselromantik verstehen.

Und auch als Ansage: „Ich will, dass die eigenen Farben, Sichtweisen, Erfahrungen der Zuschauer Platz in dem Film haben.“ So funktioniert auch der essayistische Dokumentarfilm „Hiddensee“, in dem Hendel ausgehend von der Gegenwart einen hundert Jahre umfassenden Bogen schlägt.

Spielszenen verleihen „Hiddensee“ eine zusätzliche artifizielle Aura. Ebenso wie das Mode-Fotoshooting, das die Designerin Maren Lass und die Fotografin Beate Nelken mit jungen Leuten veranstalten. (Gunda Bartels)

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6 The Lights, They Fall

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