Im Reich der Ultrareichen: Konsum im Zeichen des Untergangs
Champagner, Rolex und natürlich: die Yacht. So sehen sie aus, die ultimativen Insignien und Symbole der Reichen und Superreichen. Vor allem das Luxusboot entscheidet über to be or not to be im Feld der internationalen Ultrarichness – oder, mit dem Titel des neuen Buchs von Evan Osnos gesagt: Yacht oder nicht Yacht.
Hatte sich schon Julia Friedrichs in Crazy Rich, ihrer Erkundung der superreichen Realität hierzulande ausführlich der Yacht gewidmet, so wählt der US-amerikanische Publizist einen anderen Einstieg: „Am 20. Januar 2025 erlebte die Welt, wie die amerikanische Politik sich ohne Scham und völlig unverhohlen der Plutokratie in die Arme warf. Donald Trump legte seinen Amtseid auf einer Bühne voller Milliardäre ab.“
Die drei reichsten Menschen der Welt, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Elon Musk, saßen neben vorherigen Trump-Kritikern wie Google-Mitbegründer Sergey Brin und Apple-CEO Tim Cook: „Es tummelten sich so viele Milliardäre auf der Bühne, dass die Führer des Kongresses auf die Zuschauerränge verbannt wurden.“
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Ein Modell auch für Deutschland? Ja, so Zucman, in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe, dies sei eine Frage der Gerechtigkeit und budgetären Nachhaltigkeit: Eine Mindeststeuer von 2 Prozent des Vermögens für deutsche Haushalte, die mehr als 100 Millionen besitzen, generiere jährlich etwa 17 Milliarden Steuereinnahmen. Zucman räumt systematisch gängige Vorbehalte gegen die Vermögenssteuer aus; seine Interventionsschrift bietet eine verständliche Handreichung für alle, die sich an der Debatte um Steuergerechtigkeit beteiligen wollen (und es verstört, wenn sich manch hiesige Ultrareiche, so Julia Friedrichs, auf 1 Prozent Steuern runterrechnen lassen).
Yacht oder Nicht Yacht? Der Geltungsreichtum ist letztendlich banal, hat aber gravierende ökologischen Konsequenzen. Eine gut ausgestattete Dieselyacht produziert so viel Treibhausgase wie 1500 PKWs. Dabei ist der verantwortungslose Konsum nur eine Seite der Medaille. Die andere ist ein politisches Menetekel: „Der Untergang Roms dauerte 500 Jahre, aber wie der Historiker Ramsay MacMullen einmal schrieb, ließe er sich in drei Wörtern zusammenfassen: ,fewer have more’, immer weniger haben immer mehr.“