Der Maschinist und der Wüterich: Sleaford Mods: Für diese sechs Konzerte in Berlin gibt es noch Karten

Und wer sich nicht anmotzen lassen mag, findet bei einer kanadischen Synthiepop-Sirene, deutschen Großstadt-Lakonikern, einem walisischen Pop-Exzentriker oder kalifornischen Indierock-Dudes Alternativen. Und ganz friedlich geht es beim „Berlin Folk Festival“ zu, wo sich die neuen Blumenkinder treffen.

1 Austra

Austra
Die Laune ist am Boden, aber gesungen wird immer: Austra.

© Lamia Karic

Katie Stelmanis, kanadische Musikerin lettischer Herkunft, hat ihr Bandprojekt nach ihrem zweiten Vornamen Austra benannt und sorgt seit 2011 mit pulsierenden Synthiepop-Hymnen für Aufmerksamkeit.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Nimmt sich auch mal ne Auszeit: Jason Williamson ist der Rohrspatz der britischen Popmusik.

© IMAGO/Avalon.red/IMAGO/Roger Alarcon / Avalon

Die Sleaford Mods, Postpunk-Rabauken aus Nottingham, sind einer der meistdiskutierten britischen Pop-Acts der letzten 20 Jahre.

Ihr grenzwertig minimalistischer Sound, ein Mix aus räudigem Industrial-Elektropunk und repetitivem Drumbox-Geschepper, hat sich auf 13 Alben nur um Nuancen weiterentwickelt.

Andrew Fearn ist der stoische Maschinist in der Schaltzentrale. Bei Konzerten scheint er nicht viel mehr zu tun, als desinteressiert dreinzuschauen und ab und zu ein Knöpfchen an seiner Klangkonsole zu drücken.

Vor ihm tobt sich Jason Williamson als menschlicher Wutknubbel aus, der mit krächzendem Sprechschreigesang seine gegen alles und jeden, vor allem aber den Kapitalismus in seinen hässlichen Auswüchsen gerichteten Schimpfkanonaden abfeuert.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Mach es wie die Blumenkinder: Die Solinger Band Suzan Köcher’s Suprafon.

© Nadia Wardi

Das Konzertplakat mit der floralen Ästhetik sagt eigentlich alles, „Flower Stage“ und „Power Stage“ sowie eine „Woodstock“-Area beseitigen letzte Zweifel: Beim „Berlin Folk Festival“ trifft sich die Blumenkinder-Szene zum Flower-Power-Revival.

Bemerkenswert ist daran, dass bei 17 Acts kaum Retro-Verdacht aufkommt. Lediglich die als Headliner fungierenden Drugdealer haben mit dem Kalifornier Michael Collins einen Routinier aus der Spätphase des Laurel-Canyon-Folks dabei.

Ansonsten treten jüngere Musiker auf, wie Songwriter-Koryphäe Joan Shelley, Neo-Hippie-Bands mit sprechenden Namen wie Floral Image und Birds Flying Backwards oder das Solinger Quartett Suzan Köcher’s Suprafon (Foto), das verspulten Psychedelic-Pop zum Besten gibt.

4 Die Regierung

Die Regierung
Experte für Ohrwürmer im Kleinformat: Gruff Rhys.

© Ryan Eddleston

Einer der reizendsten Exzentriker der britischen Pop-Szene ist Gruff Rhys. Der 55-Jährige ist, obwohl er Kopf einer der interessantesten Bands der letzten 30 Jahre war und als Originalgenie vom Rang eines Damon Albarn gilt, außerhalb seiner Blase ein eher unbesungener Held.

Vollständig heißt er Gruffudd Maredudd Bowen Rhys, was ihn als Waliser ausweist: Wales ist das Land der seltsamen Namen. Seine erste Band nannte sich Ffa Coffi Pawb, phonetisch etwa gleichklingend wie das englische „Fuck Off, Everyone“.

Die Band, mit der er berühmt wurde, hieß allgemein verständlich Super Furry Animals. Im Grunde so etwas wie die walisischen Beatles, zumindest was die Ansammlung von Talent angeht.

Gemeinsam mit Manic Street Preachers, Catatonia oder Gorky’s Zygotic Mynci waren sie Teil einer Bewegung namens „Cool Cymru“, das walisische Gegenmodell zu „Cool Britannia“ mit Blur, Oasis und Co.

Doch so erfolgreich (sieben Top-20-Alben in UK) die Super Furry Animals auch waren, ehe sie 2010 in einen bis heute andauernden Zauberschlaf fielen, scheint das Arbeiten im Kollektiv Gruff Rhys’ Fantasie noch eingehegt zu haben.

Erst seine Soloalben erweisen ihn als Hexenmeister zeitgenössischer Psychedelik. Rhys hat die Kunst des Konzeptalbums fürs 21. Jahrhundert neu erfunden, ohne nervige Begleiterscheinungen wie Egozentrik, Pomp und Pathos.

Rhys’ Themenalben sind verspult, aber immer grandiose Popmusik. Denn Gruff Rhys ist nicht nur Nerd, sondern auch ein ausgefuchster Komponist, der sein beatleskes Harmonieverständnis in den Dienst origineller, nie ausufernder Songs stellt.

Sein jüngstes Album heißt „Dim Probs“, komplett auf Walisisch eingespielt. Stücke wie „Pan ddaw’r Haul i Fore“ (dt.: Wenn die Sonne am Morgen aufgeht) oder „Chwyn Chwyldroadol“ (Revolutionäres Unkraut) sind psychedelische Ohrwürmer im Kleinformat.

Karge Songwriter-Folkpop-Arrangements verfremdet Rhys mit der Klangästhetik antiker Analog-Synthesizer, die er während seiner Beschäftigung mit früher elektronischer Popmusik aus Wales liebengelernt hat.

6 The Growlers

The Growlers

Ihre meist gechillten, nur gelegentlich, wie im tollen Strokes-Soundalike „Problems III“ (bitte das surreale Video anschauen!), im Tempo anziehenden Songs huldigen dem Lebensgefühl zwischen Meer und Wüste.