Häufiger Streitpunkt: Was tun, wenn der Streit ums Geld die Beziehung zerstört?

- Finanzielle Fragen können oft Spannungen in Beziehungen erzeugen
- Um diese Spannungen zu lösen, kann es helfen, viel zu kommunizieren
- Zudem sollte auch die eigene Haltung zum Geld reflektiert werden
Mehr interessante Artikel rund um Psychologie finden Sie am Ende dieses Beitrags.
Bei Geld hört nicht nur die Freundschaft auch – auch die Liebe kann unter Geldsorgen leiden. Insbesondere, wenn einer der beiden Partner größere Schulden angehäuft hat und darüber gelogen hat. Denn: Schon kleine Lügen können das Vertrauen in einer Beziehung bröckeln lassen. Wie man mit seinem Partner richtig über Geld kommuniziert, verraten wir Ihnen hier.
Tipp 1: Sprechen Sie das Thema Geld lieber früher als später an
“Paare scheuen das Thema Geld wie der Teufel das Weihwasser”, stellt der Paartherapeut und ehemalige Dozent für Wirtschaftspsychologie Gisbert Straden gegenüber der “Berliner Morgenpost” fest. Häufig spielt dabei die Angst davor, wegen seiner Schulden verlassen zu werden oder weniger wert zu sein, eine gewisse Rolle. Doch Straden rät: Je früher man über das Thema Geld in einer Beziehung spricht, desto besser.
Bestenfalls sollten Paare schon in der ersten Datingphase ansprechen, welche Erwartungen Sie hinsichtlich des Themas Finanzen haben. Dazu zählen triviale Fragen wie die, wer die Rechnung im Restaurant zahlt, aber auch Fragen nach einem gemeinsamen Konto oder einer gemeinsamen Finanzplanung. “Offene Gespräche schaffen Klarheit”, so der Paartherapeut. “Unausgesprochene Erwartungen wie ‘Es wird schon gut gehen, auch wenn wir uns trennen’ führen dagegen dazu, dass das Paar “hart auf dem Boden der Realität aufschlägt.”
Tipp 2: Finanzielle Unterschiede ansprechen und Lösungen finden
Besonders kompliziert wird es beim Thema Finanzen, wenn nicht beide Parteien gleich viel Geld zur Verfügung haben, etwa durch Lohnunterschiede. Im Jahr 2024 lag die Gender Pay Gap laut dem Statistischen Bundesamt noch bei etwa 16 Prozent – das macht durchaus einen Unterschied. Andersherum kommen wiederum viele Männer nicht damit klar, wenn ihre Partnerin mehr verdient als sie.
Grund dafür ist, dass unsere Finanzen auch unsere soziale Position beeinflussen – auch die innerhalb der Beziehung. So gut wie nie beginnt ein Partner die Beziehung in der Absicht, seine finanziellen Mittel zur Machtausübung zu missbrauchen. Doch mit größeren Einkommensunterschieden nehmen Besserverdienende oft unbewusst eine autoritäre Rolle ein.
Die Lösung dafür: “Reden. Klarheit schaffen über Werte, Visionen, Träume. Ansprechen, wie es dem Partner mit diesem Ungleichgewicht geht, was er oder sie fühlt und diese Gefühle ernst nehmen – und auf keinen Fall kleinreden”, so Straden. Das hilft, sich mehr als Team und nicht als Einzelspieler zu verstehen. Möchte man trotz extremer Differenzen ein gemeinsames Konto, kann ein Drei-Konten-Modell hilfreich sein. Vom Gemeinschaftskonto gehen so unter anderem Miete, Einkäufe, Versicherungen und Urlaube ab.
Tipp 3: Den Stellenwert von Geld im Leben kommunizieren
Gehen die Partner unterschiedlich mit dem vorhandenen Geld um, kann das ebenfalls Streit provozieren. Während ein wohlhabender Partner wohl eher freizügiger mit dem Geld umgeht, wird ein weniger finanziell gutgestellter Partner sich seine Ausgaben eher zweimal überlegen. Das kann zu Spannungen führen.
Stradens Rat dazu: Paare sollten sich früher oder später über den Stellenwert von materiellem Reichtum im Leben einig werden. Dabei kann das Beantworten einiger Fragen helfen:
- Was sind die Hintergründe für den jeweiligen Umgang mit Finanzen?
- Welches Thema rund um Geld bereitet einem im Speziellen Sorgen?
- Was müsste passieren, damit man mit seiner finanziellen Situation zufrieden ist?
- Welchen Stellenwert hat Geld im eigenen Leben?
Der Austausch mit dem Partner sollte zum Ziel haben, sich der eigenen Einstellung zum Geld bewusst zu werden und sich auf einen Umgang mit den Finanzen zu einigen.
Tipp 4: Eigene Haltung zum Geld überdenken
Hat man erst einmal mit dem Partner die Beziehung zum Geld besprochen, ist schon mal ein Teil der Arbeit geschafft. Aber ebenso wichtig ist es, die Ansichten, die man noch aus dem Elternhaus mitbringt, ordentlich aufzuarbeiten. “Wir sehen leider oft, dass Menschen aus weniger begüterten Familien damit Schwierigkeiten haben”, erklärt Straden. “Denn Menschen streben in ihrer Entwicklung meist nach oben, selten horizontal und nie nach unten. Die eigenen sozialen Wurzeln, die Teil unserer Identität sind, werden dabei oft verlassen oder sogar verleugnet.”
Doch es gibt Hoffnung: Denn die Möglichkeit zu einer ordentlichen Einigung ist meist größer, als zunächst gedacht. Schließlich ist die Identität auch das, was den Partner angezogen hat, erklärt Straden. Wichtig ist es hierbei, zu hinterfragen, welche Rolle Kultur, ethnische Herkunft, Zugehörigkeit, Macht und Status bei den Ansichten zu Geld spielen. Und: Will man sich davon weiter prägen lassen?
Als Paar finanzielle Fragen zu meistern, erfordert auch, dass man jeweils eine gesündere Haltung entwickelt – und Unterschiede zulässt.
Mehr spannende Beiträge rund um Psychologie finden Sie hier:
sfx/bos/news.de