Bosse, der stabile Typ für instabile Zeiten: Diese Konzerte in Berlin sollten Sie nicht verpassen
Erfolg ist auch die verbindende Klammer unserer anderen Tipps. Ein irischer Songwriter, französische Flamencopop-Stars, zwei Frauen mit Dancefloor-Ambitionen – sie alle zählen zu den Größen ihres Fachs. Und was einer Berliner Band (noch) an Reichweite fehlt, macht sie durch Wut und Wucht mehr als wett.
1 Dermot Kennedy

© Silken Weinberg
Was Jan Böhmermann bereits 2017 der deutschen Songwriterszene attestierte, nämlich auf die Algorithmen der Streamingportale ausgerichtete „Industriemusik“ zu produzieren, ist auch im internationalen Maßstab diskutabel.
Der 1991 in einem Vorort von Dublin geborene Musiker lenkt auf Hits wie „Power Over Me“ oder „Outnumbered“ die Emotionen seiner Fans in die richtigen – und damit auch verkaufsfördernden – Bahnen. (wun)
2 Gipsy Kings

Unstrittig ist hingegen, dass die Gipsy Kings in der zweiten Hälfte der Achtziger mit ihrem leutseligen Mix aus Flamenco, katalanischer Rumba und lateinamerikanischer Popmusik eine neue Klangfarbe in die Hitparaden gebracht haben.
Das Weltmusik-Imperium der aus zwei Roma-Familien gebildeten südfranzösischen Band währte zwar nur einige Jahre, hinterließ aber bleibenden Eindruck. (wun)
3 Kafvka

Denn die gemeinschaftsstiftende Kraft ihres von Rage Against The Machine inspirierten Crossover-Indierocks hat vielleicht das Potenzial, die immer noch vorhandene, aber bequem oder ängstlich gewordene Mehrheit vom heimischen Sofa zu reißen. (wun)
4 Bosse

Bosses neues Album „Stabile Poesie“ zementiert seinen Ausnahmestatus als gefühlter Indie-Künstler in einer Major-Welt. Als einer, der dort noch immer nicht richtig reinpasst, aber mitspielt – und weder Kitsch noch große Geste scheut.
Weil er Bock hat und für die Musik brennt, im Herzen mehr Thees Uhlmann als Tim Bendzko. „Alles was ich wollte, alles, was ich will, bist du“ etwa heißt es im Opener „Liebe hat nicht ewig Zeit“ als Gruß an die Münchner Freiheit.
„Vergangenheit“ setzt auf dezentes Autotune, sein Hyperpop-Versatz „Einmal alles bitte“ auf Explizites. Mit „Schwesterherz“ wagt er wieder ein Lied für ein Familienmitglied und kommt damit davon, weil in jedem Wort spürbar bleibt: Der fühlt das alles wirklich so.
Der Danger-Dan-artige Chorgesangs-Rausschmeißer „Lass dich nicht ficken“ setzt ein Ausrufezeichen gegen Hass und Sexismus im Netz.
Davor erklärt Bosse in „Peu à peu“ noch: „Ich wünsch’ dir jemand der dich liebt so wie du bist, und das wünsche ich mir auch“. Stabile Poesie in instabilen Zeiten. (soet)
5 Madison Beer

Das gelingt auf ihrem dritten Album „Locket“ selbstbewusst und formvollendet. (wun)
6 Lights