Berlin Mile beim Halbmarathon: Durchs Brandenburger Tor – ohne Leiden, aber mit vielen glücklichen Kindern

Als ich das erste Mal die Ankündigung für den neuen Lauf im Rahmen des Halbmarathons gesehen habe, dachte ich: Was ist das denn für ein Quatsch?
Die Berlin Mile, ein Rennen über eine Meile auf der Zielgeraden des Halbmarathons, steht 2026 zum ersten Mal im Programm. Eine Meile sind 1609 Meter, für eine solche Distanz würde ich mir normalerweise nicht mal die Laufschuhe anziehen. Doch dann sah ich einen Zusatz: Ideal für Familien, und zugelassen sind Kinder ab Jahrgang 2020.
Meine Tochter läuft gerne und hat uns beim Sponsorenlauf ihrer Grundschule derart überrascht, dass der Förderverein vermutlich Luftsprünge gemacht hat. Einmal mit ihr unter dem Applaus der Zuschauer Unter den Linden entlang, durchs Brandenburger Tor, ins Ziel – das wäre ein Erlebnis, dachte ich und meldete uns kurz entschlossen an.
Am Samstagmittag machten wir uns wie mehr als 3000 Teilnehmer auf den Weg zur Strecke. Zwischen Berliner Dom und Humboldt Forum warteten wir auf den Start. Neben uns stand eine spanischsprachige Familie mit zwei Kindern, eine Gruppe mit der Aufschrift „Special Olympics“ anstatt von Startnummern und Frauen um die 70. Es war ein buntes Feld, das sich die Laune vom durchwachsenen Wetter und dem kühlen Wind nicht verderben ließ.
Als es um 14 Uhr losging, wanden wir uns im Slalom durch die Masse. Sechsjährige haben selten einen gleichmäßigen Laufstil, sondern sprinten, bis sie nicht mehr können, erholen sich kurz und rennen dann wieder volle Pulle weiter. So absolvierten wir eher ein Intervalltraining als einen Mittelstreckenlauf.
Auch wenn die Kulisse nicht mit dem Halbmarathon zu vergleichen ist, standen zahlreiche Menschen am Rand und feuerten die Teilnehmer an. Der Vorteil bei solch kurzer Strecke ist, dass man die Zielgerade entspannt auf sich wirken lassen kann. Doch es war schon seltsam, ohne einen Tropfen Schweiß durch das Brandenburger Tor zu laufen.
Beim Halbmarathon oder der vollen Distanz ist die Zielgerade Belohnung für die Plackerei auf den vorherigen Kilometern. Es herrscht ein emotionales Durcheinander aus Leiden, Erleichterung und Euphorie. Das fehlt beim Berlin Mile.