„Babelsberg ist nicht nur Stress“: Warum Daniela Zuklic Jugendkultur ins Thalia-Kino holt
Frau Zuklic, ist Babelsberg ein Problemkiez?
Ich finde nicht, dass man das jetzt schon Problemkiez nennen könnte. Wir sind nicht Neukölln. Wir sind immer noch in Badelsberg. Da wird relativ häufig auf sehr hohem Niveau gejammert.
Das entzündete sich unter anderem am Großeinsatz im November 2024, als es eine Schlägerei vor einem Babelsberger Restaurant und mehrere Verletzte gab.
Soweit ich weiß, sollen das ja politisch motivierte Akteur:innen gewesen sein, die nicht aus Babelsberg und auch nicht aus Potsdam waren. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass Leute von außen kommen und in Babelsberg Probleme machen. Zum Vorwurf, dass die Linksorientierung von Babelsberg 03 unter anderem dafür ursächlich sein soll, kann ich nur sagen: Mir ist ein linksorientierter Fußballverein lieber als so eine rechte Kaderschmiede wie bei anderen in Brandenburg ansässigen Fußballvereinen.
Inwiefern war diese Gemengelage vor Ort Impuls für die neue Filmreihe „Kiezkino“ am Thalia?
Ich fand den Ruf nach mehr Polizeipräsenz in Babelsberg und dieses laute Aufbäumen mancher Unternehmer:innen hier im Kiez einfach zu laut. Ich dachte mir, wir müssen da mal einen Konter setzen. Es geht darum, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie nicht überall unwillkommen sind.
Ihre Diagnose: Jugendlichen fehlt in Babelsberg und Potsdam der Raum?
Absolut. Wir wollen ihnen vor allem zeigen: Babelsberg ist nicht nur Stress. Es gibt hier nicht nur Erwachsene, die sich von euch bedroht fühlen, sondern Babelsberg hat auch Orte, an denen ihr sein dürft und sein sollt, wo ihr kein Problem seid.
Dazu kamen dann die 10.000 Euro Preisgeld als Bestes Kinder- und Jugendkino Deutschlands. Genau der richtige Zeitpunkt?
Klar tut so ein Preisgeld gut, es stärkt darin, auf einem guten Weg zu sein. Ein Teil davon fließt in diese Reihe. Andere Fördermittel haben wir dafür nicht eingeworben. Wir machen das on our own expense. Ich bin generell eher der Typ „Machen statt Meckern“. Die Kinobranche jammert ja gerne, dass die Jungen fehlen. Ich verstehe meinen Beruf so, dass ich mir überlege: Was müssen wir für Anreize setzen, damit Jugendliche Kino wieder als einen Ort wahrnehmen, an dem auch sie stattfinden – und nicht nur gebildete Personen, die über 45 sind.
Die Reihe will mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen über Filme ins Gespräch über ihr Leben kommen. Wie stellen Sie das an?
Wir beginnen mit der kleinen Reihe aus fünf Filmen zu fünf unterschiedlichen Themen, die wir als Rückmeldung von Jugendlichen bekommen haben. Ich habe einen jugendlichen Sohn, der hat Freunde und Freundinnen. Ich habe versucht, den Austausch mit denen zu finden. Auch mit Jugendlichen, die ein bisschen weiter von ihm entfernt sind.
Das erste Thema, auf das Sie gestoßen sind, liegt quasi vor der Tür: Fußball und Fankultur.
Wir behandeln das anhand des Dokumentarfilms „A guardia di una fede” über den ehemaligen Anführer der Ultras von Atalanta Bergamo. Danach gehen wir mit verschiedenen Fußballvereinen ins Gespräch: Warum sind Fans so wichtig? Warum fühlen sich Jugendliche davon angezogen? Was ist so toll daran, am Wochenende bei minus 10 Grad draußen seinen Verein zu unterstützen?
Wird es nach jedem Film ein Gespräch geben? Es geht auch um sehr intime Themen wie sexuelle Identität.
Wir zeigen „Die jüngste Tochter“ von Hafsia Herzi. Das ist ein ganz aktueller französischer Film über eine junge Muslima, die feststellt, dass sie auf Frauen steht und ihre ersten Erfahrungen in der queeren Szene von Paris macht. Dazu wird es tatsächlich kein Gespräch geben, sondern da wird im Anschluss der Verein andersartig e.V. den Jugendlichen die Möglichkeit geben, einzeln in den Austausch zu gehen.
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Ihr größter Feind als Kinobetreiberin ist aber gar nicht das Budget der Teenager, sondern sind die Streamingplattformen, oder?
Das stimmt. Ab 12, 13, 14 ist es schwer, sie von ihren kleinen Monitoren wegzulocken. Gerade diese Corona-Generation, die jetzt erst wieder lernt, aktiv zu werden. Aber jemand, der mal auf einem Konzert war, weiß, wie geil das ist, wenn 5000 Leute gleichzeitig einen Song hören. Man kann die gleiche Musik allein zu Hause hören, aber das wird niemals das gleiche Erlebnis sein. Und diese Emotionen, die sich in solchen Momenten transportieren, das kann Kino halt auch.