Neues Album „Music, Fashion, Film“: Charli xcx befreit sich aus dem Schatten von „Brat“
Als Charli xcx im Frühjahr die ersten Singles ihres neuen Albums „Music, Fashion, Film“ veröffentlichte, konnte man sich schon Sorgen machen. Hat der britische Popstar den „Brat Summer“ womöglich immer noch nicht verkraftet? Im Sommer 2024 wurde ihr „Brat“-Album zu einem popkulturellen Phänomen. Von überall leuchtete einem die giftgrüne Farbe des Albumcovers entgegen. Selbst die damals noch hoffnungsfrohe Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris klinkte sich ein, und Charli xcx wurde vom Underground-Darling zu einem veritablen Popstar.
Ihre gemischten Gefühle gegenüber diesem plötzlichen Mainstream-Erfolg elf Jahre nach ihrem ersten Album verarbeitete Charli xcx bereits in „The Moment“, einer Mockumentary, die auf der Berlinale Premiere feierte. Darin wurde sie von seelenlosen Label-Chefs genötigt, giftgrüne Kreditkarten zu promoten und den „Brat“-Erfolg so lange wie irgend möglich aufrechtzuerhalten.
Zwischendurch veröffentlichte die 33-Jährige noch den Soundtrack zu „Wuthering Heights“. Der war durchaus respektabel, wirkte aber auch ein wenig so, als wolle sie den Nachfolger von „Brat“ noch etwas hinauszögern. „I think the dancefloor is dead / So now we‘re making rock music”, hieß es dann auf der Leadsingle des neuen Albums. Charli xcx und die Producer ihres Vertrauens, A.G. Cook und Finn Keane, setzten dann auch wirklich jede Menge verzerrte Gitarren darin ein.
Der Hals tut weh vom vielen Headbangen
Diese erneute Abgrenzung von „Brat“ war eigentlich unnötig, hat Charli xcx doch hinreichend deutlich gemacht, dass sie keinen Bock hat, den Erfolg des Albums weiter in die Länge zu ziehen. Sie singt dann aber auch davon, dass ihr vom vielen Headbangen schon der Hals wehtun würde, was immerhin darauf hinweist, dass hier alles mit einem Augenzwinkern geschieht, wie ja eigentlich immer bei ihr.
Auf dem eingängigen, an Nullerjahre-Indierock erinnernden „Wink Wink“ macht sie dieses Augenzwinkern gleich zum Refrain, wenn sie verspricht, dass sie nun kein böses Mädchen mehr sei, oder vielleicht doch, Zwinker, Zwonker.
Drei Ikonen auf dem Albumcover
Ja, es geht auf „Music, Fashion, Film“ über Charli xcx‘ neu gefundenen Ruhm und die damit zusammenhängenden Möglichkeiten – sie ist eines der Gesichter von Yves Saint Laurent, sitzt bei Modeschauen in der ersten Reihe neben Madonna und Kate Moss, ist zu Gast auf der Met-Gala. Und sie hat Ausflüge als Schauspielerin gewagt, unter anderem in dem neuen Film von Gregg Araki.
Diese Erfahrungen verarbeitet sie auf „Music, Fashion, Film“, auf dessen Cover sie drei Ikonen der jeweiligen Genres zusammengebracht hat: John Cale, Marc Jacobs und Martin Scorsese.