Kinostarts der Woche: Wer will denn schon erwachsen werden?
2008 schuf Lisa Azuelos mit „LOL (Laughing Out Loud)“ ein mittlerweile ikonisches Teenager-Drama, auf das nun ein zweiter Teil folgt (nein, die US-Version zählt nicht). In 18 Jahren hat sich viel verändert – die Frisuren, der Slang, die Musik … Aber Sophie Marceau bleibt uns erhalten, französisch-charmant wie immer. Nostalgie pur!
Und sonst so? Dass die GenZ auch Horror kann, beweist Jungregisseur Kane Parsons mit „Backrooms“, seiner Fortschreibung eines Internet-Mythos. Einen Kinomythos zerstört Hugh Jackman als fragwürdiger Held in „The Death of Robin Hood“.
1 Backrooms
Stellen Sie sich vor, Sie würden einer Person einen Hund beschreiben, die noch nie zuvor einen gesehen hat. Und die müsste den Hund dann zeichnen. Einiges würde stimmen, aber nicht alles.
So beschreibt Clark (Chiwetel Ejiofor) seiner Therapeutin Mary Kline (Renate Reinsve) die Räume, die er im Untergeschoss seines Möbelhauses gefunden hat, als er dort durch eine Wand gefallen ist.
Die Räume sehen aus wie triste Bürohallen, mit gelben Tapeten, abgehängten Decken, und in ein ungesund wirkendes Neonlicht getaucht. Sie gehen scheinbar endlos weiter, sind labyrinthisch, wirken vertraut und dabei doch irgendwie – falsch.
Möbel versinken halb im Boden, Schilder sind falschherum geschrieben, und die Gestalten, die dort lauern, sehen aus, als wären sie von einer schlechten KI generiert worden. Das sind die „Backrooms“, in denen Clark sich bald verlieren wird.
Die Hintergrundgeschichte des neuen A24-Horror-Hits ist mindestens genauso spannend wie der Film selbst. Die „Backrooms“ sind entstanden aus Internet-Folklore: Ursprünglich ein Meme auf dem Imageboard 4Chan, haben zahlreiche Menschen Mythen um die mysteriösen Räume erschaffen.
Ken Parsons, damals 16 Jahre alt, nahm dieses Internetphänomen als Inspiration für eine ganze Serie an YouTube-Videos. Jetzt ist Parsons mit 20 Jahren der jüngste Regisseur, der in den USA direkt auf die Nummer eins der Kinocharts gegangen ist.
Viele Jumpscares gibt es in „Backrooms“ nicht, es geht mehr um die sehr eigene Ästhetik und die unheimliche Atmosphäre, die Parsons und sein Kameramann Jeremy Cox meisterhaft aufbauen.
Die Vibes sind definitiv da, am Plot hätte man noch etwas schrauben können. Mit dem Gefühl eines tiefen Unbehagens geht man trotzdem aus dem Kino heraus. (Inga Barthels)
2 Gorgonà
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All die Geschichten vom edlen Dieb Robin Hood, der den Reichen nimmt und den Armen gibt: bloß Legenden, verbreitet von einem skrupellosen Verbrecher, der nach Jahrzehnten des Mordens und Plünderns von schlechtem Gewissen und auf Blutrache sinnenden Angehörigen seiner Opfer geplagt wird.
Ein eindrucksvoll zerfurchter Hugh Jackman spielt als Variation seiner Rolle im Superhelden-Abgesang „Logan“ (2017) den alternden Robin, der von Little John (Bill Skarsgård) in ein letztes Gemetzel hineingezogen wird.
Schwer verletzt findet er unter falschem Namen Zuflucht in einem entlegenen Kloster, dessen bis zur Selbstaufgabe altruistische Äbtissin (Jodie Comer) ihn gesundpflegt.
Michael Sarnoski, dessen Trüffelschweindrama „Pig“ 2021 einen ähnlich verwitterten Nicolas Cage zeigte, dekonstruiert den Kinomythos nachhaltig.
Die überaus brutale erste Filmhälfte kontrastiert mit der fast kitschigen Klosteridylle, die durch Robins Vergangenheit gefährdet ist. Der elegische Schluss schlägt einen Bogen zu Richard Lesters „Robin and Marian“ von 1976, der dem Mythos seinen eigenen Stempel aufdrückte. (Jörg Wunder)
4 The Love That Remains
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Wer in den späten Nullerjahren Teenager war und Lisa Azuelos’ „LOL“ gesehen hat, vorzugsweise bei einer Übernachtungsparty mit einer Horde Freundinnen, wird auch diesen Film lieben.
Zwar kommt bei „LOL 2.0“ die frühere Protagonistin Lola nicht mehr vor, aber ihre kleine Schwester Louise ist als verlorene 25-Jährige, die nach einer Trennung wieder bei ihrer Mutter einzieht, eine würdevolle Nachfolgerin.
Wieder dabei ist zum Glück die großartige Sophie Marceau als Mutter, die auch 15 Jahre später nicht erwachsen werden will.
Gut, die einzelnen Handlungsstränge sind etwas flach, und auch der Mutter-Tochter-Konflikt, der im Original so schön komplex erzählt wurde, wird im zweiten Teil allzu schnell aufgelöst. Aber darüber kann man hinwegsehen und sich in der Nostalgie wälzen, die durch die vielen Referenzen auf den ersten Film aufkommt.
So erinnert man sich in der Szene, in der Louise auf dem Fahrrad die Boombox lauter dreht, an den ikonischen Moment im Bus, als Lola und Maël sich die Kabelkopfhörer teilen – und auch an die Ahnung, dass es hier um die ganz großen Gefühle geht. (Emma Rotermund)
6 Nulpen
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