Kultur-Juni for Family: Spaß und Spektakel für junge Berliner – ohne Bällebad

Wer mit Kind aus einer Kleinstadt nach Berlin kommt, fühlt sich möglicherweise wie im Himmel: so viele Museen, Konzerte, Theater mit Familienprogramm von 0 bis 18 Jahren, Wahnsinn!

Nach einer Weile ebbt die Begeisterung dann oft etwas ab, unter anderem weil Karten im Kinderbereich so schnell weg (und teilweise echt teuer) sind.

Trotzdem ist das Kulturangebot für Familien (noch!) extrem vielfältig. Hier picken wir mal aktuelle Feste heraus, für große und kleine Berliner:innen. Viel Spaß wünscht Ihr Ticket-Team!

1 Bauklötze staunen

Open House im Hamburger Bahnhof, Open House. Tage der offenen Tür 2025, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, 13. bis 15. Juni 2025Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart / Marlene Gawrisch 
Bunt, bunter, Party: Beim Open House im Hamburger Bahnhof kann man dieses Jahr Kunst machen, klar, aber auch Rollschuh fahren und mit 400.000 Holzklötzen spielen.

© Marlene Gawrisch

Manchmal übertrifft die Realität die kühnsten Träume. Für kleine Baumeister:innen, die mit dem letzten Klötzchen zu Hause an ihre Grenzen stoßen, ist die historische Halle des Hamburger Bahnhofs der Himmel.

400.000 Holzwürfel hat Lina Lapelytė ausgekippt, mit denen Performer:innen und die Besuchenden Burgen, Berge und Portale bauen. Die Installation ist natürlich nicht nur ein Kinderspiel.

Wer entscheiden muss, ob er das Monument eines anderen zerstören muss, um sein eigenes Werk zu vollenden, ist ganz nahe dran an den schwierigen Entscheidungen der Erwachsenenwelt.

Kleine und große Besucher:innen können T-Shirts an der Siebdruckstation bedrucken oder per Cyanotypie das Blau vom Himmel holen. Im Rieckhallenatelier werden Ausstellungsbanner zu Taschen und wer schon immer mal im Museum Rollschuhfahren wollte, sollte auf jeden Fall zum Rollerdisco Drawing vorbeischauen.

Disco gibt es auch vor der Tür im Museumsgarten mit dem ersten Berlin Beats DJ-Set der Saison mit Kikelomo. (ipa)

2 Märchenhaftes erleben

Impression vom Kunstfest 2025
Ein zurückgelassener Teddybär: Artefakte geben Einblicke in Fluchtgeschichten

© Markus Gröteke/Zentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Zum Weltflüchtlingstag öffnet das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung seine Türen.

Neben einigen spannenden Lesungen und Gesprächen über Krieg, Genozide und Flucht für Erwachsene gibt es auch ein reichhaltiges Programm für Kinder und Familien: etwa eine Kinderführung (ab 4 Jahren) darüber, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen, oder eine Quiz-Tour.

Nicht speziell für Kids, aber bestimmt trotzdem spannend für Familien: „Diaries in Motion“, ein Zirkustheater mit Jonglage, Akrobatik und Tanz über Selbstbestimmung, Freiheit und Gemeinschaft (12 und 15 Uhr). (ero)

4 Waldluft schnuppern

Der Düppeler Forst im Südwesten mag mit seinen rund 1300 Hektar Größe zu den kleineren Berliner Forsten gehören.

Dennoch gibt es hier viel zu entdecken. Und das erleichtert seit 30 Jahren die Waldschule Zehlendorf.

Das Revier mit seinen bedeutenden Altbaumbeständen ist Vogelschutzgebiet, Teile davon sind sogar Unesco-Weltkulturerbe. Die Waldschule ist fußläufig vom S-Bahnhof Wannsee zu erreichen.

Zum Jubiläum gibt es ein buntes Programm mit Kräuterwerkstatt, Messerschnitzen, Baumstammweitwurf, Barfußpfad, einem kleinen Waldparcours und Entdeckertouren. (wei)

5 Ganz schön sportlich!

Boy playing table tennis at sports court model released, Symbolfoto, ANAF04381
Sorgt für musikalische Untermalung beim Schlendern: Das Trio Scho

© Nataliya Fenko

Seien wir ehrlich: Aus Sicht eines typischen Innenstadtbewohners klingt Reinickendorf nach Jottwede. Und vom Augustekiez haben viele von uns Ignoranten noch nie gehört.

Ein Grund mehr, sich am Wochenende aufzumachen zur zweitägigen „Allee der Klänge“.

In Innenhöfen und Gärten, auf Wiesen und in Grünanlagen spielen 13 Bands, Solisten und Ensembles (Foto: Trio Scho) ein polyglottes Gemisch aus Tarantella, Karpaten-Folk, Afrobeat, Chansons, Bossa Nova und mehr.

Für Kids gibt es Musik von Richards Kindermusikladen (ihr Hit: „P.O.M.M.E.S“) sowie Bewegungsspiele zum Mitmachen (Fr 14 Uhr). (wun)

7 Kultur für alle!

Wir haben es oben schon dezent angedeutet – die Fülle an kulturellem Angebot in der Stadt ist nüscht, was wir ewig sicher haben.

Aktuell läuft eine Aktionswoche der Initiative „#DeineStimmeFürKultur“, die im Vorfeld der Berlin-Wahl die Vielfalt der Kultur in der Stadt sichtbar machen und verteidigen will.

Es gibt immer wieder Möglichkeiten mitzumachen, etwa bei einem Tanzflashmob vor dem Gesundbrunnen-Center.

Profis von Luna Park sowie Kinder aus dem Kiez, die in den Projekten des Vereins tanzen, machen vor – alle anderen tanzen spontan mit, so gut es eben geht. (ans)

8 Für kleine Musikfans

Deine Freunde

Was mit dem Versuch von Ex-Echt-Drummer Florian Sump begann, als Kindergärtner einen Song für „seine“ Kinder aufzunehmen, wurde zu dem Trio, das gerade sein achtes Studioalbum „Die Kinder spielen verrückt“ veröffentlicht hat und regelmäßig Hallen mit seinen Hits für Kinder zwischen sechs und zwölf füllt.

Mit fetten Beats und klugen Texten über Pyjama-Partys, Tagträume und Quatsch mit Soße wollen sie vor allem eins: Kinder ernst nehmen.

Dafür machen sie Hip-Hop mit Pop-Einschlägen. Ihre Musik soll Spaß machen – den Kindern und ihnen selbst. (thp)

9 Berlin im Spielmodus

Lego World Play Day Berlin

Moment mal – diese Bühne sieht ja ganz anders aus! Das Publikum sitzt hier rund um ein Dirigentenpult: Ist das etwa ein Orchester?

Unter der künstlerischen Leitung des Kollektivs Kobakant mit Anna Vera Kelle wird dieses interaktive Theaterstück ab 13 Jahren zur Orchesterprobe.

Zunächst scheint alles normal: Instrumentengruppen bilden sich und spielen Mozarts Symphonie Nr. 40. Doch es wird immer klarer, dass es hier um Diskriminierung und Mobbing geht.

Wer gehört dazu? Wer wird ausgegrenzt? Und ab wann leisten wir Widerstand? (thp)