Zum Tod von Jürgen Große: Ein Auge für das Absurde und Ungewöhnliche

Als Mitte der Zweitausender der Mainstream den ungeliebten Begriff „Street-Art“ prägte und rohe urbane Motive in Mode kamen, hatte Jürgen Große sich seinen Spitznamen „Urban Jürgen“ schon längst verdient. Kaum ein anderer war in den vergangenen Jahrzehnten so wichtig für die Berliner Graffiti-Szene wie er.

„Jürgäään“ mit starker Betonung auf der zweiten Silbe mit lang gezogenem „ä“, meldete er sich am Telefon, wenn irgendjemand ihn morgens um 5 Uhr anrief, weil ein Graffiti dokumentiert werden musste oder für ein hanebüchenes selbst beauftragtes Projekt im öffentlichen Raum Baumaterial fehlte. Der Zigarillo rauchende Bauleiter und Stadtfotograf mit der markanten Glatze war dann meistens längst wach, auf dem Weg zur Arbeit oder noch auf der Suche nach frischen Motiven. Die frühen Morgenstunden mochte er am liebsten, da hatte er die Stadt für sich.

Der  „Urban-Jürgen-Platz“.

© Lutz Henke

2005 fand im Rahmen der Ausstellung „Backjumps – The Live Issue #2“ auf dem Kreuzberger Mariannenplatz eines der wichtigsten Urban-Art-Projekte der Berliner Geschichte statt: Die „City of Names“ wurde errichtet. Damals wurde zum ersten Mal ein Großteil der sonst verborgenen aktiven Writer-Szene sichtbar und baute sogar Strukturen, eine eigene Stadt aus Buchstaben. Es war nur angemessen, dass der wichtigste Platz (die Endstation der Miniatur-U-Bahn-Linie) „Urban-Jürgen-Platz“ getauft wurde. Der Bauleiter war längst selbst zum Fundament geworden.

Jürgen war als bescheidener und oft wortkarger Unterstützer nie besonders sichtbar. Es wäre angemessen, ihm endlich auch im echten Berlin einen Platz zu widmen. Du wirst uns fehlen, „Urban Jürgen“.