Das Ende von „Euphoria“: Irgendwo zwischen Manosphere und christlicher Propaganda

Das wars jetzt also mit „Euphoria“. Showrunner Sam Levinson hat in der „New York Times“ verkündet, dass es keine Fortsetzung seiner Serie geben wird. Wer sich die dritte Staffel der HBO-Show angeschaut hat, die Anfang der Woche mit einem Finale in Spielfilmlänge zu Ende ging, hat sich das ohnehin schon denken können. Es ist besser so, wirkte das Ganze doch wie die Fantasien eines Teenager-Jungen, der zu viele Quentin-Tarantino-Filme geschaut hat – und Reels aus der Manosphere.

2019 war die erste Staffel über eine Gruppe von Teenagern in einem Vorort Kaliforniens ein riesiger Erfolg für HBO und machte den Cast, insbesondere Zendaya, Jacob Elordi und Sydney Sweeney, zu Hollywood-Stars. Die Show provozierte mit exzessivem Drogenkonsum, Sex und Gewalt, und sah dabei so toll aus, dass man über das zweifelhafte Drehbuch getrost hinwegsehen konnte.

Basierend auf der israelischen Miniserie des gleichen Namens verarbeitete Showrunner und alleiniger Drehbuchschreiber Sam Levinson, Sohn des Regisseurs Barry Levinson, mit „Euphoria“ seine eigenen Erfahrungen als jugendlicher Drogenabhängiger. Zendaya gewann für ihre Rolle als Protagonistin Rue, die süchtig nach Opiaten ist, zwei Emmys als beste Hauptdarstellerin.

Vier Jahre zwischen den beiden Staffeln

Über vier Jahre hat es dann gedauert, bis „Euphoria“ mit einer dritten Staffel zurückgekommen ist. Vier Jahre voller negativer Schlagzeilen: Crew-Mitglieder beschwerten sich über eine „toxische“ Arbeitsumgebung beim Dreh der zweiten Staffel. Barbie Ferrera, die eine der Protagonistinnen Kat spielte, verließ die Serie. Sie habe keine Entwicklung mehr für ihren Charakter gesehen, sagte sie in Interviews. „Ich wollte nicht einfach nur die fette beste Freundin sein.“

Die Schauspielerinnen Minka Kelly und Sydney Sweeney erzählten, dass sie sich gegen bestimmte Nacktszenen in „Euphoria“ gewehrt haben, weil sie sie als unnötig betrachteten, was Levinson akzeptiert habe. Spätestens, als seine neue Show „The Idol“ 2023 auf HBO startete, wurde klar: Sam Levinson hat ein Problem mit Frauen. Die Serie über einen Popstar, die eine Affäre mit einem Kultführer anfängt, erhielt vernichtende Kritiken, wurde als „Folterporno“ und vom „Guardian“ als „eine der schlechtesten Sendungen, die je gemacht wurden“ kritisiert.

Es grenzt an ein Wunder, dass Levinson überhaupt noch einmal seine „Euphoria“-Stars zusammentrommeln konnte. Bei der Staffel-Premiere in Los Angeles erschien Zendaya nur für wenige Minuten, ließ sich weder mit Levinson noch mit dem Cast fotografieren. Gerüchten zufolge wolle sie mit Sydney Sweeney, die seit einer umstrittenen Jeans-Kampagne und des Bekanntwerdens ihrer Registrierung als Republikanerin zu einer Art Postergirl der Neuen Rechten in den USA geworden ist, nichts zu tun haben.

Stills aus "Euphoria", Credit: Warner Bros. Discovery
Er spielt nur noch eine Nebenrolle in „Euphoria“: Jacob Elordi als Nate.

© PR/Warner Bros. Discovery

Geht es um eine Kritik an der Gen Z, die nichts anderes im Kopf zu haben scheint als Klicks und Aufmerksamkeit um jeden Preis? Aber „Euphoria“ funktioniert ja selbst seit jeher nach der Logik der sozialen Medien: Provokation, um möglichst viele Reaktionen hervorzurufen. Trolling, könnte man das auch nennen.

Cassie, inzwischen berühmtes Only-Fans-Girl, spult in diversen Podcasts Manosphere-Phrasen vom „Mann als Jäger“ ab. Das soll wohl Satire sein, wirkt aber scheinheilig angesichts des offensichtlichen Spaßes, den es Levinson zu machen scheint, seine weiblichen Charaktere zu degradieren.

Einer der Schauspieler starb an einer Überdosis Fentanyl

Oder will uns Levinson die Gefahren von Drogen nahebringen? In der letzten Folge lässt er Rues Mentor Ali (Colman Domingo) eine lange Rede über die Gefahren von Fentanyl halten, mitsamt Statistiken, wie viele junge Menschen daran in den USA sterben. Durchaus verständlich, hat Levinson doch 2023 einen seiner „Euphoria“-Darsteller, Angus Cloud, an eine Überdosis Fentanyl verloren. Doch der ernste Tonfall passt so gar nicht ins nihilistische „Euphoria“-Edgelord-Universum.

Stills aus "Euphoria", Credit: Warner Bros. Discovery„Das Drama – Noch einmal auf Anfang“ Robert Pattinson und Zendaya in der Beziehungskrise Die tollsten Frauen im Fernsehen Zehn Serienheldinnen, die unvergessen bleiben

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Er empfinde das Ende als hoffnungsvoll, erzählte Sam Levinson der „New York Times“.  Ist das also die Moral von der Geschicht? Der amerikanische Traum erfüllt sich nicht mit schnellem Ruhm, Geld, Sex oder Drogen, sondern einzig im Zurückbesinnen auf das einfache Leben mit Gott. Das finale Bild der Serie ist die amerikanische Flagge, die neben dem Hof im Wind weht. Vielleicht ist das die ultimative Provokation: „Euphoria“ als konservatives Manifesto. Damit hätte zumindest niemand gerechnet.