Sensationsmeister aus der Schweiz: Mauro Lustrinelli wird neuer Trainer des 1. FC Union Berlin

Der 1. FC Union Berlin hat einen neuen Cheftrainer für seine Profimannschaft der Männer gefunden: Mauro Lustrinelli. Das bestätigte der Verein am Donnerstagnachmittag. „Ich habe hier gute Menschen getroffen, wir haben die gleichen Werte und das ist mir sehr wichtig“, sagte Lustrinelli bei seiner Vorstellung im Stadion An der Alten Försterei. „Die Geschichte von Union hat mich fasziniert.“

Unions Präsident Dirk Zingler hatte am Dienstag im Rahmen der Mitgliederversammlung erklärt, dass der Verein die Trainersuche auf drei Kandidaten eingegrenzt habe und noch im Mai zu einer Einigung kommen wolle. Nun ging alles sehr schnell.

Lustrinelli ist in seiner Schweizer Heimat gerade zum ersten Mal Meister geworden. Den FC Thun führte er vor einem Jahr zum Aufstieg und in dieser Saison sensationell zum Titel. Sein Vertrag war noch bis 2028 gültig, laut Sky zahlt Union eine Ablösesumme in Höhe von einer Million Euro.

„Der Meistertitel mit einem Aufsteiger spricht für seine fachliche Qualität, aber auch für seine Fähigkeit, eine Gruppe zu führen und zu begeistern. Zudem entspricht seine Art, Fußball spielen zu lassen, unseren Vorstellungen. Wir wollen aktiver spielen, verstärkt junge Spieler integrieren und gemeinsam erfolgreich sein“, sagte Unions Sportchef Horst Heldt.

Lustrinelli wird Nachfolger von Marie-Louise Eta, die nach der Entlassung von Steffen Baumgart im April zur ersten Cheftrainerin eines Männer-Bundesligisten ernannt worden war. Die 34-Jährige wird in der kommenden Saison Unions Frauenteam trainieren.

Thun ist nicht nur mein erster Klub, es ist mein Klub.

Mauro Lustrinelli

Nach Urs Fischer, der die erfolgreichste Phase in Unions Vereinsgeschichte zwischen 2018 und 2023 wesentlich geprägt hatte, setzt der Verein nun erneut auf einen Trainer aus der Schweiz. Als Spieler war Lustrinelli ein treffsicherer Stürmer, der mehr als 100 Tore geschossen und mit der Schweiz an der WM 2006 in Deutschland teilgenommen hat. Ein Jahr zuvor hatte er bei einem 2:0-Testspielsieg seines FC Thun gegen Hertha BSC einen Doppelpack erzielt.

Auch wenn sie das in Köpenick sicher gerne hören, basiert die Entscheidung für den Trainer Lustrinelli eher auf dessen erfolgreicher Arbeit in den vergangenen Jahren als auf Toren gegen den Stadtrivalen. Nach seinem Karriereende als Spieler Ende 2011 begann er in Thun als Assistenztrainer. In dieser Funktion arbeitete er 2013/14 auch unter Fischer. Zwischenzeitlich war er beim Schweizer Verband für verschiedene Jugendnationalmannschaften verantwortlich, bevor er 2018 als Cheftrainer nach Thun zurückkehrte.

Neuer Fokus auf die Jugend

„Thun ist nicht nur mein erster Klub, es ist mein Klub. Wir haben hier schon einmal ein Märchen geschrieben, vor gut 20 Jahren in der Champions League. Deshalb bin ich so stolz darauf, was wir jetzt geschafft haben“, sagte er in einem Interview mit Blick nach dem Gewinn der Meisterschaft. Doch trotz der Chance, mit Thun erneut im größten europäischen Wettbewerb zu spielen, entschied er sich für den Schritt in die Bundesliga.

Mit Fischer hat er im Vorfeld bewusst nicht gesprochen, um sich einen eigenen Eindruck machen zu können. „Ich möchte mich nicht mit ihm vergleichen. Druck kannst du dir nur selbst machen, und für mich ist wichtig, das auch zu genießen und als Herausforderung zu sehen“, sagte Lustrinelli, dessen Herkunft aus dem italienischsprachigen Bellinzona deutlich zu hören ist. Neben seiner Muttersprache und Deutsch spricht er auch Französisch und Englisch.

Bei Union wartet eine schwierige Aufgabe auf Lustrinelli. Seit der Trennung von Fischer im November 2023 hat sich kein Trainer nachhaltig durchsetzen können. Nenad Bjelica, Bo Svensson und Steffen Baumgart wurden alle vorzeitig entlassen. Union hielt zwar stets die Klasse, eine fußballerische Entwicklung war aber nicht zu erkennen.

Offensiv und dynamisch. Hohes Pressing, nach Ballgewinn wollen wir schnell und vertikal umschalten.

Mauro Lustrinelli über seine Spielphilosophie

Zingler hatte das Anforderungsprofil an den neuen Trainer zuletzt deutlich umrissen – und dieses unterscheidet sich im Vergleich zu den vergangenen Spielzeiten. „Wir schließen die erste Phase in der Bundesliga ab, weil der Klub sich weiterentwickelt hat“, sagte Unions Präsident und forderte einen Fußball, der die nachrückenden Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie Ausnahmetalent Linus Güther besser zur Geltung bringen soll.

Anders als Fischer gilt Lustrinelli als Trainer, der intensiv auf junge Spieler setzt. Taktisch setzte er in Thun meist auf ein 4-4-2-System, ihm seien aber die Spielprinzipien wichtig, nicht so sehr die Formation. „Ich will offensiv und dynamisch spielen“, sagte Lustrinelli. „Ich verlange viel, auch von mir selbst. Ich verlange, dass wir jeden Tag eine Gewinnermentalität haben und den Willen, besser zu werden.“

Mit der Entscheidung auf der Trainerposition wird auch der personelle Umbruch in der Mannschaft vermutlich bald Form annehmen. Mit Danilho Doekhi und Diogo Leite haben zwei Schlüsselspieler den Verein ablösefrei verlassen, weitere Abgänge werden folgen. Neuzugänge hat Union bisher nicht offiziell verkündet.