Kinostarts der Woche: Wie findet man seine Tochter in einer Millionenstadt?
Mit dem Taxi durch eine Millionenstadt zu fahren, um eine geliebte Person wiederzufinden erscheint schwieriger, als die berühmte Nadel im Heuhaufen zu entdecken. In Guillaume Senez’ „A Missing Part“ gelingt Taxifahrer Jay (Romain Duris) das Unmögliche. Seine Reise bleibt trotzdem beschwerlich.
Was diese Woche im Kino außerdem sehenswert ist, lesen Sie hier.
1 Romería – Das Tagebuch meiner Mutter
Ihren Vater hat Marina (Llúcia Garcia) nie kennengelernt. Er starb vor ihrer Geburt. Wenig später folgte die Mutter, bei deren Verwandtschaft in Katalonien das Mädchen aufwächst.
Im Jahr 2006 hat sich die 18-Jährige nach Galizien in die spanische Hafenstadt Vigo aufgemacht, um zum ersten Mal ihre väterliche Verwandtschaft zu besuchen, die nie den Kontakt zu ihr gesucht hat. Nacheinander lernt sie Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen kennen, die sie herzlich begrüßen und gleich auf einen kleinen Segeltörn einladen.
Wie sehr sie ihrer Mutter gleiche, bekommt Marina immer wieder zu hören und sieht, wie sich in den Gesichtern der Verwandten gemischte Gefühle aus Trauer, Scham und Schuld abzeichnen. Ihre Eltern haben in der Stadt an der Atlantikküste in den Achtzigern ihr wildes Leben verbracht.
Nach dem Ende der Franco-Diktatur herrschte die gesellschaftliche und kulturelle Aufbruchstimmung der „La Movidad“, die Schluss mit den versteinerten Konventionen der Elterngeneration machte. Dazu gehörten auch exzessiver Drogenkonsum und bald schon die Aids-Krise, die in Spanien besonders viele junge Menschen dahinraffte – so wie Marinas Eltern, die als Junkies an den Folgen der HIV-Infektion starben.
Auch nach 20 Jahren wird über diese Zeit nicht gern gesprochen. Nur allmählich geben die Verwandten Erinnerungen an Marinas Vater frei. Die spanische Regisseurin Carla Simón, erzählt eine autobiografisch inspirierte Familiengeschichte. Ihre Eltern sind ebenfalls in den Achtzigern an Aids gestorben.
Mit feinem Gespür für emotionale Zwischentöne verfolgt Simóns Film die Identitätssuche der jungen Protagonistin, die mit sanfter Neugier die widersprüchlichen Geschichten über ihre Eltern aufnimmt und schließlich in einer Traumsequenz ihre eigene Erinnerung kreiert. (Martin Schwickert)
2 Enzo
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
In ein paar Tagen wollen der Museumskurator Charlie und die Buchhändlerin Emma heiraten. Ein scheinbar harmloses Spiel beim Dinner mit Freunden bringt alles zum Einsturz.
Vor ihrer Hochzeit hätten sie einander die schlimmste Tat gebeichtet, die sie je begangen haben, erzählen Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie).
Die Neugier ist in der angetrunkenen Runde groß, aber Emmas Geständnis stellt die Jugendsünden der anderen in den Schatten. Mit 15 hat sie ein schockierendes Verbrechen geplant und in letzter Sekunde nicht ausgeführt.
Der norwegische Regisseur Kristoffer Borgli („Dream Scenario“) eröffnet ein neues Subgenre: die schwarze, romantische Dramödie. Mitreißend und humorvoll analysiert der Film die emotionalen und moralischen Erwartungen einer modernen Paarbeziehung, die genussvoll destabilisiert wird.
Zendaya und Robert Pattinson passen sich mit ihrer ambivalenten Performance in einen Film ein, der den sich überschlagenden Gefühlen seiner Figuren freien Lauf lässt und romantische Liebeskonzepte mit Fragen bewirft, ohne diese beantworten zu wollen. (Martin Schwickert)
4 Alpha
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Jay ist wirklich „Lost in Translation“. Der leidlich japanisch sprechende Franzose fährt jede Nacht mit seinem Taxi durch Tokio, in der verzweifelten Hoffnung, in der 40-Millionen-Stadt seine Tochter Lily wiederzufinden.
Seit der Trennung von seiner Frau vor neun Jahren hat er sie nicht gesehen. In Japan gilt das System des alleinigen Sorgerechts, meist ist der Vater da raus. Für seine Suche hat Jay den Job als Koch an den Nagel gehängt.
Dann passiert das Unvorstellbare: Lily steigt tatsächlich in sein Taxi. Für einen unbeschwerten Tag mit der Tochter setzt Jay seine Existenz aufs Spiel… Wer nach diesen 100 eindringlichen Minuten sein Herz nicht an den Vater verloren hat, der hat keines mehr.
Hauptdarsteller Romain Duris („Die drei Musketiere: D’Artagnan“), im Grunde ein Wiedergänger jenes schlaflosen Bob Harris/Bill Murray aus Sophie Coppolas „Lost in Translation“, macht die Verlorenheit des Fremden, der trotz aller Bemühungen nie wirklich zu diesem Land gehören wird, mit nuanciertem Spiel spürbar. Und das komplett kitschfrei. (Markus Ehrenberg)
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
6 Als wäre es leicht
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.
Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.
Nach dem Mega-Erfolg von „Der Super Mario Bros. Film“ 2023 war ein Sequel unvermeidlich. Wie der Titel andeutet, geht es in der erneut von Aaron Horvath und Michael Jelenic inszenierten Fortsetzung hinaus ins Weltall.
Der Sohn des schurkischen Schildkröterichs Bowser tritt in die Fußstapfen seines Vaters und will mithilfe der Kräfte einer entführten Prinzessin das Universum vernichten. Da sind jedoch unser Lieblingsklempner Mario und sein Bruder Luigi vor.
Noch rasanter und anspielungsreicher, aber weniger anrührend als das Original, ist „Der Super Mario Galaxy Film“ ein quietschbuntes, schnell wieder vergessenes Kinovergnügen.
Kleine Mario-Fans könnten von der Bilderflut überfordert werden, größeren sei die Originalfassung mit den Stimmen von Chris Pratt, Anya Taylor-Joy und Jack Black empfohlen. (Jörg Wunder)