Berliner Traditionskino vor ungewisser Zukunft: Alle Hintergründe und Folgen des gescheiterten Colosseum-Deals

Lange wurde es geheim gehalten, nun hat der Tagesspiegel die Riesen-Überraschung um das Berliner Traditionskino Colosseum aufgedeckt.

Bisher ging die Öffentlichkeit davon aus, dass der Investor Values die Immobilie in Prenzlauer Berg im Jahr 2022 erworben hat, um sie zu einem modernen Veranstaltungs- und Bürokomplex umzubauen. So teilte es die Hamburger Firma damals auch öffentlich mit.

Doch tatsächlich kam der Kauf nie zustande. Der Deal platzte kurz nach Bekanntgabe, Eigentümer sind weiterhin die Erben des Berliner Kino-Zars Artur Brauner. „Values Real Estate hat das Gebäudeen­sem­ble (…) nicht käuflich erworben“, teilte Firmensprecher Rüdiger Heide auf Tagesspiegel-Anfrage schriftlich mit. Dies sei eine „einvernehmliche Entscheidung“ mit den Brauner-Erben gewesen. Weitere Quellen bestätigten diese Information.

Kino Colosseum ging in Insolvenz – doch damit war es nicht vorbei

Das Areal in der Schönhauser Allee beherbergt einen der ältesten Kinosäle Deutschlands. Er wurde 1894 als Pferdewagenhalle, später als Busbahnhof genutzt. 1924 wurde dort das erste Filmtheater eröffnet.

Einer von mehreren Entwürfen für den Umbau des Kinos Colosseum an der Schönhauser Allee.

© promo/Values Real Estate

Nach der betriebsbedingten Schließung und Insolvenzanmeldung stand das Multiplex-Filmtheater seit März 2020 leer. Im Februar 2022 teilte das Immobilienunternehmen Values mit, das Colosseum von den Erben Artur Brauners erworben zu haben. In der entsprechenden Presse-Erklärung hieß es, „dass der Kaufvertrag für das Objekt unterzeichnet wurde“.

Man wolle das Colosseum zu einem „Büro- und Kulturstandort auf Basis der historischen Substanz“ umbauen, hatte Values-Geschäftsführer Thorsten Bischoff damals erklärt. Der Bauantrag dafür wurde in der Tat Mitte Juli 2022 durch die Firma eingereicht – dem zugrunde lag ein Entwurf des Architekturbüros Tchoban Voss, dessen Zentrum ein offenes Atrium im Erdgeschoss bildete.

Values äußert sich zum Kino-Deal in Prenzlauer Berg

Doch später wurde es still um das Projekt. Zwar wurde die Zwischennutzung als Kino- und Veranstaltungsort im Herbst 2023 wieder aufgenommen. Doch ab Ende 2023 wollte sich Values trotz wiederholter Nachfragen nicht mehr öffentlich zur Causa Colosseum äußern.

Nun ist klar, warum: Der Investor sprang in letzter Minute ab. „Der kaufvertraglich vorgesehene Nutzen-Lasten-Wechsel wurde im Jahr 2023 nicht vollzogen“, bestätigt Values-Sprecher Rüdiger Heide. Die Gründe dafür seien „die signifikant veränderten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch den Krieg in der Ukraine, die Coronapandemie und die gestiegenen Baupreise sowie die Zinswende“ gewesen.

Umbau des Kinos steht in Frage – was haben die Brauners vor?

Values wird den Umbau der prominenten Immobilie in ein Gewerbe- und Entertainment-Zentrum also nicht vorantreiben. Ob das ambitionierte Projekt überhaupt je verwirklicht wird, ist nun unklarer denn je. „Die Brauner-Erbengemeinschaft hat das von Values Real Estate weit vorangetriebene Genehmigungsverfahren zum Baurecht übernommen“, erklärt Heide zwar. Und nach Aussage des Pankower Baustadtrats Cornelius Bechtler (Grüne) läuft das Verfahren „für eine teilweise Neubebauung des Grundstücks“ offiziell noch weiter.

Doch auch nach fast vier Jahren ist hier kein Ergebnis absehbar. „Eine Baugenehmigung ist hierzu bisher jedoch noch nicht erteilt“, erklärt Bechtler. „Ein Baubeginn ist somit noch nicht möglich.“

Unklar ist zudem, ob die alten, neuen Eigentümer diesen Umbau tatsächlich selbst vollführen wollen oder einen anderen Käufer für die Immobilie suchen. Die Familie Brauner äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu ihren Plänen für das Colosseum.

Mit einem baldigen Baustart ist aber so oder so nicht zu rechnen. Nach Tagesspiegel-Informationen wurde der Ende 2025 auslaufende Mietvertrag zur Zwischennutzung des Colosseums inzwischen bis mindestens 2027 verlängert.