Fabian und Anne Hinrichs über ihre Theaterarbeit: „Ihnen passiert äußerlich Alltägliches, aber auch Wahnsinniges“
Mal wieder Lust aufs Theater: Drei Stunden Hölderlin nach einem Arbeitstag sind nicht immer das Wahre. Sanft berieseln lassen, aber auch nicht. Auf in die wild-bewegt-bewegende Volksbühne also: zu Fabian Hinrichs und seinem neuen Stück „Irgendetwas ist passiert“. Besser gesagt zu Fabian und Anne Hinrichs, es ist die erste Zusammenarbeit des Paares, des Theater- und TV-Stars und seiner Frau.
Die Psychotherapeutin wird (laut Ankündigung, bei der Volksbühne weiß man ja nie) zwar nicht auf der Bühne stehen, aber die Hinrichs haben das Stück zusammen konzipiert. Sie hätten es von vornherein als einen intuitiven Vorgang erlebt, als etwas, das wir schon immer zusammen tun, sagt Anne Hinrichs.
Was sehen wir da? Viel Innenleben? Beziehungs-Drama?
„Nur weil wir als Paar zusammen ein Theaterstück entwickelt haben, müssen wir ja nicht zwangsläufig beide auf der Bühne stehen und dort unser Privatleben ausbreiten – auch wenn diese Assoziation natürlich nachvollziehbar ist“, so Anne Hinrichs.
Von unserem Innenleben zeigen wir Menschen ja bestenfalls immer einen Teil.
Anne Hinrichs
Auf der Ebene der Handlung, also oberflächlich betrachtet, seien da zwei Menschen in einer Wohnung in der Stadt, sagt Fabian Hinrichs. „Vielleicht ist es auch nur ein Mensch? Ihnen passiert äußerlich Alltägliches, aber auch Wahnsinniges. Interessanter ist aber, wie es diesen Menschen geht, oder diesem Menschen.“
Das klingt erratisch. Auf der Volksbühnen-Website wird man auch nicht wirklich schlau. Dort steht ein Text, ein heftiger Streit-Dialog zwischen „Paul“ und „Claudia“. Zwischen „Ich finde dein Verhalten unmöglich“ „Du bist so krank. Mir auf der Straße Fick dich zu sagen. Merkst du noch was? Ich lass dich bald einliefern.“
„Von unserem Innenleben zeigen wir Menschen ja bestenfalls immer einen Teil, sobald wir in Beziehung treten. Und natürlich setzt sich davon auch etwas im Stück ab“, sagt Anne Hinrichs.
Und Fabian Hinrichs ergänzt: „Wie sollte ein Album, ein Gemälde, ein Buch oder eben auch ein Drama entstehen, wenn nicht aus Intimität? Der Rest ist doch vielleicht auch gar nicht so wichtig: Einordnungen, Erwartungen – die, die kommen, werden sehen, spüren, werden erfahren, was das ist, dieses Stück. Was es für sie selbst ist.“
Viel konkreter wird es nicht. Eine kleine Wundertüte also mit Fabian Hinrichs, der zuletzt im Februar 2024 zusammen mit dem kurz darauf verstorbenen Rene Pollesch in „ja nichts ist ok“ die Volksbühne rockte.
„Achtzig Minuten existenzielle Unbehaustheit“, hieß es damals dazu in der Tagesspiegel-Kritik, und auf Ähnliches ist sich wohl auch in „Irgendetwas ist immer“ einzustellen.
Im Ankündigungstext auf der Volksbühnen-Seite schauen Claudia und Paul nach ihrem Streit am Ende Nachrichten. „Man sieht zerstörte Hochhäuser in Kiew. Man sieht drei israelische Soldaten und zwei militante, unbewaffnete Palästinenser, die mit erhobenen Händen unter einem Garagentor hervorkommen. Die Soldaten erschießen sie. Es folgt „Maischberger“. Theo Koll spricht bei Maischberger über Nebelkommunikation. Nebel auf der Bühne.“
Es scheint beim ersten gemeinsamen Theaterstück der Hinrichs um mehr als Innenleben und Nabelschau zu gehen. „Das stimmt“, sagen Fabian und Anne Hinrichs. „Und wir glauben auch, dass das wichtig ist, denn wir Menschen leben ja in sozialen Beziehungen und damit auch in dieser Welt – ob wir wollen oder nicht.“